Grüne wollen grüne Welle für Radfahrer

21. Februar 2011, 19:36
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Pilotprojekt auf Prater- und Lassallestraße geplant - neue Durchfahrt im ersten Bezirk

Wien - Mehr Wiener aufs Radl zu bringen ist seit jeher ein Hauptanliegen von Christoph Chorherr. Schon als grüner Klubchef formulierte er 1997 das Ziel, den Radverkehrsanteil von drei bis vier Prozent verdoppeln zu wollen.

14 Jahre später ist man davon zwar noch immer weit entfernt (der Radverkehrsanteil liegt derzeit bei fünf Prozent), aber immerhin haben es die Grünen inzwischen in die Stadtregierung geschafft. Und Gemeinderat Chorherr - dem die grüne Planungsstadträtin Maria Vassilakou die Radfahr-Agenden überlassen hat - kann nun in Abstimmung mit grüner Vizerbürgermeisterin und rotem Koalitionspartner Projekte anleiern und umsetzen.

30 bis 50 Maßnahmen seien "in der Pipeline, sagt Chorherr, allerdings müssten die meisten davon erst noch mit den Bezirken abgestimmt werden. Auf Prater- und Lassallestraße ist eine grüne Welle angedacht: Künftig soll dort probehalber keine rote Ampel mehr Radfahrer stoppen. Zumindest wenn diese mit gleichmäßiger Geschwindigkeit unterwegs sind.

Warten auf Novelle

Allerdings ist noch unklar, welches Strampel-Tempo den Durchschnitt bilden wird. "Ein Fahrradbote ist anders unterwegs als eine Familie mit Kindern" , sagt Chorherr. Experten sollen in den nächsten Wochen klären, wie schnell oder langsam man künftig auf der grünen Welle radeln muss. Chorherr hält sich aus dieser Diskussion vorerst heraus, die Radlobby IG Fahrrad plädiert für eine Geschwindigkeit von 20 km/h.

Geplant ist außerdem eine neue Durchfahrt durch den ersten Bezirk. Anstatt ständig diversen Einbahnen ausweichen zu müssen, sollen sich Radfahrer künftig in beiden Richtungen zügig durch die City bewegen können.

Neue Fahrradstraßen

Auch drei Fahrradstraßen will Chorherr heuer umsetzen, also Fahrbahnen, auf denen Räder gegenüber den querenden Autos Vorrang haben. Für ein Modell nach deutschem Vorbild wäre allerdings eine Änderung der Straßenverkehrsordnung notwendig. Verkehrsministerin Doris Bures (SP)will am Mittwoch ein Radsicherheitspaket vorstellen. Sollte dieses keine Fahrradstraßen ermöglichen, will Chorherr probehalber eine abgespeckte Variante auf die Straße bringen.

Zur Auswahl stehen dabei unter anderem die Hasner- sowie die Goldschlagstraße. Auch die Aufhebung der Radwegbenützungspflicht fordern die Grünen weiterhin - und müssen dabei ebenfalls auf die Novelle der Straßenverkehrsordnung warten.

Das erste Radweg-Projekt unter grüner Regentschaft hat Chorherr aber kürzlich vorgestellt: Der Ring ist bald beidseitig beradelbar. "Das kann nur eine Übergangslösung sein" , sagt Alec Hager von der Radlobby IG Fahrrad, "denn die verdoppelte Fläche verdoppelt das Problem mit den Fußgängern. Längerfristig muss der Radverkehr neu gedacht und mit mehr Raum auf der Fahrbahn belohnt werden." Außerdem brauche Wien eine große Radfahrkampagne: "Dafür sollte man mindestens so viel Geld ausgeben wie für die Hundstrümmerl." (Martina Stemmer, DER STANDARD-Printausgabe, 22.2.2011)

  • Grün-Mandatar Christoph Chorherr arbeitet an einer Reihe von neuen Rad-Projekten.
    foto: standard/hendrich

    Grün-Mandatar Christoph Chorherr arbeitet an einer Reihe von neuen Rad-Projekten.

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