"Scholz-o-mat" wird zum roten Schwergewicht

21. Februar 2011, 19:08
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Olaf Scholz regiert Hamburg mit absoluter Mehrheit - Kopf des Tages

Am Wahlabend brachte es ARD-Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga irritiert auf den Punkt: "Sie können in Hamburg mit absoluter Mehrheit regieren. Aber Sie sind so euphorisch wie ein englischer Butler zur Teatime."

Und dann, siehe da, zuckten die Mundwinkel des künftigen Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz (SPD) doch ein wenig. Bei großzügiger Auslegung konnte man sogar von einem kleinen Lächeln sprechen. So sehen Freudenausbrüche bei ihm eben aus.

Die Sozialdemokraten stört das gar nicht. Scholz gibt ihnen mit dem Erdrutschsieg in der Hansestadt neuen Mut. "Scholzig" zu sein, also minimalistisch in Geste und Aussage, ist plötzlich wieder in.

Scholz ist schon sehr lange in der Politik. Seine zurückhaltende, oft hölzerne Art hat ihm schon früh den Beinamen "Scholz-o-Mat" eingetragen: Man wirft einen Euro ein, dann kommen die immer gleichen, monotonen Antworten. Früher aber war das nicht anerkennend gemeint.

Früher, das war jene Zeit, in der Scholz in der Bundespolitik aktiv war. Der gebürtige Hamburger bringt es zunächst bis zum Vize-Chef der Jusos. Danach macht er in der Hamburger SPD Karriere, wo man ihm auch "napoleonisches Gehabe" vorwirft. Der Karriere schadet es nicht.

2001 wird Scholz Innensenator in der Hansestadt und gibt als solcher den "roten Sheriff". Trotz massiver Proteste auch in den eigenen Reihen lässt er es zu, dass Drogendealern zwangsweise Brechmittel verabreicht werden können, was ihm den "Ehrentitel" "Brechmittel-Senator" einbringt. Die SPD wird im selben Jahr dennoch bei der Bürgerschaftswahl von der populistischen Schill-Partei rechts überholt und fliegt aus der Regierung.

Da hat der damalige Kanzler Gerhard Schröder bereits ein Auge auf den Anwalt für Arbeitsrecht geworfen. Er holt Scholz als SPD-Generalsekretär nach Berlin. Die beiden können gut miteinander. Scholz wird zum "Schröderianer" und propagiert, wie auch nun vor der Hamburg-Wahl: Die SPD muss pragmatische, wirtschaftsfreundliche Politik machen. Bevor er damit in Hamburg die absolute Mehrheit einfährt, ist er von 2007 bis 2009 in der großen Koalition noch Bundesarbeitsminister.

Sein Triumph in der Hansestadt katapultiert den SPD-Vize nun in die eher lichten Reihen möglicher SPD-Kanzlerkandidaten - auch als ruhiges Gegengewicht zum gelegentlich etwas schrillen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. (Birgit Baumann, STANDARD-Printausgabe, 22.02.2011)

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    "Scholzig" zu sein, also minimalistisch in Geste und Aussage, ist plötzlich wieder in.

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