Berlin tickt anders

21. Februar 2011, 18:58
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Hamburg ist nicht SPD-Trend, sondern absolut atypisch

Am Tag nach der Hamburg-Wahl konnte SPD-Chef Sigmar Gabriel in Berlin vor Kraft kaum laufen. Es ist ja auch ein tolles Ergebnis, mit dem die Hamburger SPD die wenig erfolgsverwöhnten Bundesgenossen erfreut. Die einst rote Hochburg wird künftig allein von den Sozialdemokratenregiert. Dies ist ein gelungener Auftakt im Superwahljahr.

Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass noch kein SPD-Wahlkämpfer die Hände in den Schoß legen kann. In der Hansestadt profitierte SPD-Mann Olaf Scholz von einer abgewrackten CDU, die schon Wochen vor der Wahl als Verliererin feststand. Hamburg ist also nicht SPD-Trend, sondern absolut atypisch.

Denn die CDU im Bund hat zwar auch schon bessere Tage gesehen, so schlimm wie in Hamburg steht es um sie aber noch lange nicht. Glaube also keiner, dass man die Hamburger Verhältnisse auf den Bund umlegen kann.

Aber natürlich kann die Bundes-SPDvon Hamburg lernen. Scholz verdankt den Sieg auch seinem pragmatischen und wirtschaftsfreundlichen Kurs. Als Freund und Partner der Wirtschaft hat sich Gabriel seit dem SPD-Machtverlust bei der Bundestagswahl 2009 hingegen noch nicht besonders hervorgetan. Er schaut eher auf die "kleinen Leute" .

Das dürfte interessant werden. Aber man kann dann doch noch mal auf Hamburg verweisen: Die SPD hatte dort auch Erfolg, weil sie keinen öffentlichen Streit austrug. (Birgit Baumann, STANDARD-Printausgabe, 22.02.2011)

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