Kinderhelmpflicht

Schon jetzt sind 87 Prozent "Helmis"

Thomas Rottenberg, 21. Februar 2011, 18:57

Mit ihrem Vorstoß, Kindern bis zehn Jahren beim Radfahren Helme zu verordnen, stößt Verkehrsministerin Doris Bures bei Radaktivisten auf Widerspruch und bei den Autofahrerclubs auf Skepsis

Verwundert, erklärt Alec Hager, habe ihn der Vorstoß der Verkehrsministerin schon: "Im ,Unterausschuss Rad' des Ministeriums haben sich die Experten gegen die Helmpflicht für Kinder ausgesprochen", erklärt der Vorsitzende der IG Fahrrad.

Wieso Doris Bures am Sonntag dann (wie berichtet) ausgerechnet die Radhelmpflicht für Kinder von null bis zehn Jahre präsentierte, kann Hager aber auch aus einem anderen Grund nicht nachvollziehen: "In dieser Altersgruppe liegt die Helmquote über 85 Prozent."

Bures präzisierte: Auch für Kinder im Kindersitz solle Helmpflicht gelten. Und zwar überall dort, wo die Straßenverkehrsordnung (StVO) gelte. Die Ministerin untermauerte ihren Vorstoß mit Zahlen des KfV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Demnach könne die "Lex Helmi" jährlich 900 Kopfverletzungen ersparen. Hager: "Es gibt weltweit keine Studie, die den Rückgang von Kopfverletzungen durch Helmpflicht belegt." Nachsatz: "Aber auch keine, die das Gegenteil beweist." Belegt sei hingegen eine negative Folge von Pflichtbehelmung: "In Australien ging der Radverkehrsanteil um 50 Prozent zurück."

Skeptisch ist auch der VCÖ: Der Rad-Unfalltrend sei bei Kindern ohenhin rückläufig, sagt Martin Blum. Bures' Zahlen seien nicht nachvollziehbar: 2009 hätten sich in Österreich 138 Kinder am Rad verletzt. 2010 dürften es weitere zehn Prozent weniger sein. Auch, weil, der "Helmi"-Anteil in den vergangenen Jahren "auf 87 Prozent gestiegen ist". Blum: "Es ist zu bezweifeln, dass durch die Pflicht dieser Anteil auf 100 Prozent steigen wird." Ins gleiche Horn stößt der grüne Radwegebeauftragte in Wien, Christoph Chorherr: "Die meisten Eltern setzen ihren Kindern eh Helme auf."

Die Autofahrerclubs zweifeln an der Durchsetzbarkeit des Gesetzes: Ein Neunjähriger könne von der Exekutive nicht bestraft werden, heißt es beim ARBÖ. Und Eltern könnten ihre Sprösslinge ja nicht pausenlos begleiten. Der ÖAMTC hätte sich "mehr freiwillige Aufklärungsarbeit" gewünscht.

Schwarzer Applaus für die SP-Ministerin kommt jedoch aus Niederösterreich: Erwin Pröll führte dort die Helmpflicht (für unter 15-Jährige) 2009 ein - auf Flächen unter Landeshoheit. Doch die StVO ist ein Bundesgesetz: Wo Kinder laut VCÖ am häufigsten am Rad verunglücken (etwa auf Spielplätzen im Park), gilt sie nicht.

Doris Bures glaubt dennoch, dass ihr Vorstoß bis zum Sommer Gesetz sein wird. Morgen, Mittwoch, soll die Ministerin übrigens die Ergebnisse ihres "Unterausschuss Rad" präsentieren. Unter anderem diskutierte das Gremium über die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht, die Schaffung von Fahrradstraßen oder die Änderung von Vorrangregeln zugunsten von Radfahrern. Die Kinderhelmpflicht war dort dem Vernehmen nach - wenn überhaupt - ein Nebenthema. (Thomas Rottenberg, STANDARD-Printausgabe, 22.02.2011)

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tignosa
11
23.2.2011, 12:50
Helmpflicht und die Folgen

durch das Tragen des Helms wird es vielleicht weniger Kopfverletzungen geben, aber dafür Genickbrüche durch den Spitz hinten, daher müsste man konsequenterweise für Kinder ausschließlich Radhelme OHNE Spitz anbieten. Ohne Spitz, dafür aber mit Vollvisier oder zumindest Downhill- Variante, da es einen ja auch ordentlich aufs Maul hauen kann, nicht auszudenken!!! ;-) Weitere Folge: mit Helm entsteht bei den Kindern entweder das Gefühl, dass sie "durch den Helm eh geschützt " seien und daher nicht mehr aufpassen müssen --> Unfallrisiko. Oder das andere Extrem, vor allem bei besonders ängstlichen Kindern, nämlich die Vorstellung, dass sie etwas furchtbar Gefährliches tun, wenn sie Rad fahren. Auch vor lauter Schiß kan man einen Unfall bauen!

Sam Deer
 
00
23.2.2011, 06:59
Vielleicht sollte man Bures diesen Link zukommen lassen

http://www.thudguard.com/

Der Schwachsinn findet auch noch KÄUFER *LOL*

tignosa
00
23.2.2011, 12:53
das sollte man unbedingt verpflichtend einführen ;-)

aber nur in Kombi mit Warnweste! Man bedenke, wie viele FußgängerInnen alljährlich ihren Kopfverletzungen nach Stürzen zu Fuß erliegen! Und wie viele überfahren werden! Traun wir uns alle nur mehr mit Ganzkörperprotektoren auf die Straße oder zumindest vollständig in Watte gewickelt! Und über Mund und Nase eine Grippeschutzmaske, die auch den Feinstaub abschirmt! Wann kommen endlich die Schwimmhelme und die Schwimmwestenpflicht für SchwimmerInnen?

Sanft & Sicher
01
25.2.2011, 15:58
Es gab einmal in einer japanischen Stadt einen einjährigen Versuch mit Helmen für Schulkinder am Schulweg (zu Fuß!)

Nach einem Jahr stellte man fest, dass es mit und ohne Helme gleichviele Kopfverletzungen am Schulweg gab und verzichtete auf die Schülerhelme. Leider habe ich den Link nicht zur Hand. Bei Radlerhelmen gibts ähnliche Messungen (Australien, wo man diesen Unsinn schon seit 20 Jahren hat, aber an eine Abschaffung denkt).

Andrzej Felczak
 
01
22.2.2011, 22:00
Radhelmpflicht für Kinder erschwert Zugang zu klimaschonender Mobilität

Grundsätzlich stellt eine gesetzliche Verpflichtung zum Tragen eines Radhelms eine Hürde dar, die eine alltägliche Nutzung des Fahrrades erschwert und damit den Radanteil stark verringern würde. Jede Maßnahme, die den Radanteil reduziert statt erhöht, hat negative Auswirkungen auf Volksgesundheit und Umwelt. Dies trifft in besonderem Maße auf eine Helmpflicht für Kinder zu: Gerade hier werden Grundsteine für Gesundheit, Bewegungsfreude und Radbegeisterung gelegt – und auch hier sind verkehrsberuhigende Maßnahmen, Verkehrserziehung und die Eigenverantwortung der Eltern die geeigneteren Mittel zur Sicherheit. Siehe auch: http://www.argus.or.at/helmpflicht

Vorstadtmama
 
00
22.2.2011, 19:54
Herr Alec Hager hat mit seiner Argumentation wahrscheinlich recht:

Ich persönlich sehe kaum mehr Kinder unter 10Jahren, die mit dem Fahrrad ohne Helm unterwegs sind. Warum dann eine "Pflicht", die naturgemäß nur jene auf den Plan ruft, die auf die mangelnden statistischen Beweise über den Schutz durch Helm verweisen? Mir persönlich sind Statistiken ziemlich wurscht ("Glaube nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast."). Ich verlasse mich auf mein Gefühl und die Erfahrungen aus der Familiengeschichte. Zwei meiner Onkel haben als Zweiradfahrer (einer mit Moped, der andere mit Fahrrad) im Erwachsenenalter nach einem Sturz duch Kopfverletzungen das Leben verloren. Also tragen wir beim Fahrradfahren immer einen Helm.

Michael B
13
22.2.2011, 18:53
Wenn von den 130 verletzten Kindern dann 900 unverletzt bleiben,

hat sich die Aktion immerhin ausgezahlt.

Und jetzt noch die Helmpflicht für Schifahrer, bei denen durch das freiwillige Helmtragen von 50% aller Schifahrer in den letzten 20 Jahren der Anteil der Kopfverletzungen an ALLEN Schiverletzungen immerhin von 10% auf 10% gesunken ist...

Vorstadtmama
 
20
22.2.2011, 19:37
...das kommt davon, wenn Experten Statistiken machen...

Ich und meine Kinder tragen beim Fahrradfahren einen Helm. Und das ganz ohne Pflicht und Statistiken.

Dimple
02
23.2.2011, 08:18
Das ist ja sehr OK

daß Sie und Ihre Kinder einen Helm tragen. Aber aus Ihrer persönlichen Risiko-Einschätzung braucht man kein Gesetz für alle machen.

lg
Dimple

amber103
00
22.2.2011, 19:08

Naja, dafür gibt es anzeichen, dass die Zahl der Unfälle mit schweren Verletzungen insgesamt wieder ansteigt, und ein langfristiger Trend Richtung weniger Unfälle gebrochen ist.
Und wenn der Anteil der Kopfverletzungen von 10% auf 10% gefallen ist, dann möchte man besser die absoluten Zahlen verschweigen. Zu Ski-Unfälle nach Alter aufgeschlossen, habe ich leider keine Zahlen aktuellen Zahlen gefunden. Das Schweigen und das lange Warten auf die Zahlen fällt auf.

Michael B
02
23.2.2011, 07:54
Auch wenn die ZAHL der schweren Schiunfälle INSGESAMT gestiegen ist,

müßte durch die 50 prozentige Helmquote der ANZEIL der Kopfverletzungen gefallen sein.
Wenn sie etwas hülfe...

Vorstadtmama
 
11
22.2.2011, 19:41
Es fängt schon bei der "Behelmungsquote" an.

Wie wollen die Statistiker die eigentlich feststellen? Wenn man die Augen offen hält, fällt es schon auf, dass kaum mehr unter 10Jährige ohne Helm auf dem Rad unterwegs sind. Dann könnte man sich die "Pflicht" aber sparen, weil es die Menschen eh schon freiwillig tun (Unverbesserliche wird es auch mit der Pflicht noch geben).

Peter Widzky
02
22.2.2011, 17:05
totgefürchtet ist auch gestorben...

http://www.die-fruehreifen.de/strips/Fr... p_0339.jpg

her mit den Strichen!
05
22.2.2011, 14:56
Fahrradhelme am Kinderplatz, Klettergarten, Schaukel, etc. etc. etc.

Die Eltern haben sicher auch eine Lebens-Vollkasko, D.A.S.-Rechtschutz- und Brillen-Bruch-Versicherung.

SO EIN SCHWACHSINN !!!!!!!!!!!!!!!!!

Vorstadtmama
 
00
22.2.2011, 19:44
gegen all das ist doch nichts einzuwenden, wenn es nicht zur "Pflicht" für alle wird...

RebelAngel
 
01
22.2.2011, 14:54
Kinderhelmpflicht

JEDER muss einen Kinderhelm besitzen...?

F.S.K
00
22.2.2011, 13:56

wichtig wäre auch aufs richtige tragen zu achten. sehr viele haben den helm so auf dass er kaum was bringt

All Rites Reversed
01
23.2.2011, 00:06

Ein schlecht getragener Helm bringt nicht nur nichts, sondern ist sogar kontraproduktiv, da er durch ein falsches Gefühl von Sicherheit zu Leichtsinnigkeit anregen kann. Sieht man ja auf den Schipisten.

amber103
00
22.2.2011, 18:52

Das trifft möglicherweise auch auf die Skihelmpflicht zu. Auffällig ist hier das Fehlen von Erfolgsmeldungen unserer Politiker, die sonst sehr bemüht sind ihre positiven Leistungen zu präsentieren.

TRockenmilch
01
22.2.2011, 13:15

wiedermal ein gesetzt um sich selbst auf die schulter zu klopfen.

effekt --> null
kosten --> immens

shice politiker!

t
01
22.2.2011, 12:10
Helmpflicht für Autofahrer!

wieviele der schweren Verletzungen von Autoinsassen sind Kopfverletzungen? Na?

joky1
01
22.2.2011, 15:24

ach, Autofahrer haben ja schon die Gurtpflich - prinzipiell Sinnvoll, aber wie auch die Helmpflicht meine ureigenste Angelegenheit... möchte man meinen..

xxx...yyy...
312
22.2.2011, 10:20
wie konnte ich nur meine kindheit überleben?

und das auch noch ohne aufenthalt auf der intensivstation?

alle meine freunde, mitschüler, bekannte sind wir vom volksschulalter an auf bäume gekraxelt, sind am nachmittag nach der hü durch die gegend gestromert, sind mit radl rumgefahren - überall, auch mit dafür nicht gebauten rädern über bmx-pisten, im winter waren wir auf teichen eislaufen und hockey spielen, sind mit den skiern über die pisten gebrettert und kein einziger hat jemals etwas schlimmeres als ein paar kratzer und vielleicht mal einen gipshaxn abgekriegt.

vielleicht liegt es daran, dass unsere eltern nicht hyperventiliert haben beim bloßen gedanken daran, was wir so machen. heute scheint es als müssten kinder in gummizellen untergebracht werden...

F.S.K
21
22.2.2011, 13:52

es haben genug, die ähnliches gemacht haben nicht überlebt oder waren schwer verletzt.

Sam Deer
 
00
23.2.2011, 06:36
Dafür möchte ich nicht meine Hand ins Feuer legen

Kinder die von kleinst auf ohne die Aufsicht überbehütender Mütter (Gesetzgeber), laufen, klettern, springen durften, haben genügend Erfahrungen machen können um sich einigermaßen sicher durch ihr Umwelt zu bewegen.

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