"Gut sein sollte als sexy gelten und weniger als feig"

21. Februar 2011, 18:23
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Der Schauspieler Gregor Seberg engagiert sich gegen das neue Fremdenrechtsgesetz. Warum ein reiches Land wie Österreich nicht anderen Menschen hilft, fragt er im Gespräch

Standard: Wieso spielen Sie in dem Video "Lass ma's bleiben" mit?

Gregor Seberg: Weil jedes Stimmchen, sei es auch noch so klein, wichtig ist. Und ich bin einer mehr, der dieses Gesetz total scheiße findet. Ich weiß natürlich nicht, ob mein Protest dagegen die Menschen berührt oder gehört wird. Aber würde ich nichts tun, müsste ich mir einen Vorwurf machen.

Standard: Wie viel hängt an der Person Maria Fekter (ÖVP)?

Seberg: Sie gibt der Sache ein Gesicht. Dabei ist egal, ob sie von dieser Politik überzeugt ist oder nur eine hart rechte Linie fährt.

Standard: Wogegen richtet sich Ihr Protest denn konkret?

Seberg: Er richtet sich prinzipiell gegen dieses Land, das manchmal so widerlich und rückständig ist. Ein reiches Land, dem es gut geht, das nie Opfer war und dem von anderen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg trotzdem geholfen wurde. Warum helfen wir anderen nicht?

Standard: Sie fordern Zivilcourage?

Seberg: Fekter ist die Speerspitze. Aber die Abgeordneten sind unsere Angestellten - Wenn die für ein rückständiges Arschgesetz eintreten und eine Scheiß-Stimmungsmache betreiben, sollten sich die Leute dagegen wehren.

Standard: Demos?

Seberg: Die bringen wenig. Wenn 40 Prozent aller Österreicher denken würden "Ausländer sind giftige Ratten", dann würde ich sagen: Die denken halt so. Aber ich glaube es nicht. Wir neigen dazu, uns zu verstecken, zu leise zu sein. Gut sein sollte als sexy gelten und weniger als feig. Der Begriff des "Gutmenschen" wurde mittlerweile abgewertet. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD-Printausgabe, 22.2.2011)

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    Gregor Seberg (43) ist Schauspieler ("Soko Donau") und Kabarettist.

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