Rückschlag für Brenner­tunnel wegen Finanznot

21. Februar 2011, 18:12

Der Startschuss für den Bau des Brennerbasistunnels erfolgt vorerst nicht. Aufsichtsratssitzung abgesagt - Scharfe VP-Kritik an ÖBB

Der Startschuss für den Bau des Brennerbasistunnels erfolgt vorerst nicht. Er hätte heute Dienstag bei einer Sondersitzung des ÖBB-Aufsichtsrats gegeben werden sollen. Grund sind offene Finanzierungsfragen, die das Projekt aus Sicht von Bahn-Chef Christian Kern als zu riskant erscheinen lassen. Es geht um den Zuschuss des Bundes für Bahn-Infrastrukturvorhaben, der bisher mit 70 Prozent der Baukosten festgelegt war. Die letzte Kostenschätzung für den Tunnel lag bei fünf Milliarden Euro als österreichischer Beitrag.

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Wien - Der politische Schlagabtausch über die Milliarden-Finanzverbindlichkeiten der ÖBB erreichte am Montag eine neue Dimension: Die ÖBB blockiert die Übernahme des Tiroler Anteils (25 Prozent) am Brennerbasistunnel (BBT), die dafür vorgesehene außerordentliche Aufsichtsratsitzung am Dienstag wurde abgesagt.

Offizieller Anlass der Auseinandersetzung ist der Finanzierungsvertrag für das Milliardenprojekt, der laut ÖBB von der Regierung noch nicht unterschrieben wurde. Wohl gibt es einen Regierungsbeschluss für den ÖBB-Rahmenplan 2011-2016 inklusive Übertragung des BBT-Bundesanteils an die Bundesbahn (letzteres ist bereits erfolgt), der zum ÖBB-Rahmenplan 2011-2016 gehörende Finanzierungs- und Zuschussvertrag zwischen Bund und ÖBB ist aber noch ausständig.

ÖBB-Holding-Chef Christian Kern argumentiert, dass die ÖBB den allein auf österreichischer Seite auf fünf Mrd. Euro taxierten Tunnelbau ohne verbindlichen Rechtsakt mit der Republik nicht übernehmen könne. Im Finanzministerium kontert man, Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) habe den Vertragsentwurf erst vorige Woche übermittelt, und den müsse man erst prüfen. Den ersten Vertragsentwurf hatte Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) dem Vernehmen nach nicht akzeptiert, weil er die hundertprozentige Übernahme der Annuitäten für das ÖBB-Bauprogramm vorgesehen habe. Das weist man im Verkehrsministerium zurück. Der Zuschussvertrag orientiere sich stets an der Ertragskraft der ÖBB und die sei allein wegen der Wirtschaftskrise geringer als im Vorjahr. Dadurch seien etwa die Einnahmen aus Schienenmaut stark zurückgegangen.

Für Unstimmigkeiten im Hintergrund sorgt auch der Beitrag des Landes Tirol zu den BBT-Baukosten. Tirol muss nur 120 Mio. Euro zuzahlen (statt der ursprünglich vereinbarten 350 Mio. Euro, die nach Abzug des Österreich-Anteils, des EU-Gemeinschaftszuschusses und der Querfinanzierung durch die Autobahn unbedeckt bleiben) und will diese 120 Millionen auch noch auf 30 Jahre verteilen.

Die diesbezügliche Verschriftlichung ist ebenfalls noch ausständig, sie muss bis Mitte März stehen, denn am 18. April ist die Hauptversammlung angesetzt, in der die ÖBB-Eigentümervertreter das "Go" für das Jahrhundertprojekt BBT geben sollen.

Ungewöhnlich unaufgeregt sieht die Verstimmung der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Er verwies am Montag auf den einschlägigen Ministerratsbeschluss. Man werde sich in Österreich hoffentlich noch auf einen Ministerratsbeschluss verlassen können. "Ich gehe nicht davon aus, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt und die ÖBB Entscheidungen des Eigentümers ignoriert" , sagte Platter.

Für Irritation sorgt darüberhinaus der massive Finanzbedarf für den BBT. Nach jüngsten Berechnungen werden bis 2016 "für Erkundungs- und Vorbereitungsmaßnahmen" insgesamt 1,75 Mrd. Euro ausgegeben. Bisher war der Sondierstollen "nur" auf 430 Mio. Euro taxiert worden, weitere Vorbereitungsmaßnahmen auf 90 Mio. Euro und der vom Rechnungshof kritisierte "Quick-Start" im Jahr 2005 auf 500 Mio. Euro. Nun sind im Rahmenplan 2011-2016 weitere 1,25 Milliarden Euro an BBT-Investitionen eingestellt, von Bures stets als "Erkundungsphase" bezeichnet.

Im Verkehrsministerium stellt man deshalb auch in Abrede, dass es sich dabei um Kostenexplosionen handle. "Die Frage ist, wo beginnt das Hauptbaulos?" sagt ein hochrangiger Beamter. Schließlich diene alles, was jetzt investiert werde, dem Bau des Hauptstollens. Dazu passt, dass BBT-SE-Chef Konrad Bergmeister den Sitz der Gemeinschaftsfirma BBT-SE (gehört zur Hälfte Italien und Österreich), bereits am Dienstag nach Bozen verlegen wollte. Das ist laut BBT-Staatsvertrag allerdings erst für die "Bauphase" geplant. "Es ist offensichtlich" , sagt Fritz Gurgiser vom Transitforum Austria, "die wollen möglichst rasch den Point-of-no-return erreichen, damit der BBT nicht mehr gestoppt werden kann."

Unmut bei Ökonomen verursachen die seitens des Finanzministeriums seit Wochen wieder hochgespielten Diskussionen über die Defizit- und Schuldenauswirkungen der ÖBB nach Maastricht-Rechnungen. Der Leiter des Instituts für Höhere Studien, Bernhard Felderer, erinnerte, dass die Bahnschulden jedenfalls von der Republik zu tragen seien. Ob die Verbindlichkeiten statistisch nun beim Bund oder bei der ÖBB erfasst werden, ist in seinen Augen nebensächlich. Wichtig sei, dass die Auseinandersetzung den Infrastrukturausbau in Österreich nicht gefährde. Anders sei das beim Betrieb der Bahn, bei dem Einschnitte durchaus gerechtfertigt seien. (ung, as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2011)

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waeldar
00
23.2.2011, 14:49

sogar die grünen apostel sind schon gegen den tunnel:
http://tirol.orf.at/stories/500346/

Bonobo
00
22.2.2011, 14:38
Die letzte Kostenschätzung für den Tunnel lag bei fünf Milliarden Euro als österreichischer Beitrag.

Lächerlich!
Bereits Gorbach hat die Kosten auf 7 Milliarden hinauf korrigiert.

Die Erbauer des Schweizer Gotthard Basistunnels (Da sind auch österreichische Firmen beteiligt) wurden zu diesem Thema interviewt.

Sie schätzen die Kosten auf über 15 Milliarden ein. Vor allem weil das Gestein schwieriger zu handhaben ist wie im Gotthardt Tunnel.

Nachdem auch ich als normaler Zeitungsleser das weiß, kann ich nachvollziehen wesshalb der Bahnchef nicht unterschreiben will.

pei mei
06
22.2.2011, 12:54
bravo Kern ...

nennen wir es beim Namen .... die sogenannten schwarzen Wirtschaftskompetenten mißbrauchen die ÖBB seit Schwarz/Blau für irrwitzige Infrastrukturinvestitionen um Ihrer Klientel mit ausreichender Zahl an öffentlichen Aufträgen das Leben zu versüßen und besitzen dann noch dazu die Dreistigkeit den dadurch angehäuften Schuldenberg als Zeichen für schlechtes Management den ÖBB anzulasten Der Lopatka als Unternehmensvertreter gehört für geschäftsschädigendes Verhalten verklagt und zur Rechenschaft gezogen .... der Nervosität vom Plattner ob der BBT gebaut wird oder nicht läßt die Vermutung zu, daß im Hintergrund der eine oder andere ÖVP-Spezi schon mit diversen Versprechen zur allgemeinen Absahne dem Platter im Genick sitzt .. Mafiaparagraph

schwer von Begriff
11
22.2.2011, 12:50
Vielleicht bewahrt uns die Finanznot vor diesem Wahnsinnsprojekt.

Unabsehbare Umweltschäden und vorallem, keine Lösung für das Grundproblem.

Die letzten Jahre/Jahrzehnte wurden Frachtenbahnhöfe und Abstellgleise konsequent abgerissen. Wie soll man die Fracht noch auf die Schiene bringen?
Solange es keine einheitliche Lösung in Europa gibt, wie z.B. bei den Containerschiffen wird es immer unrentabel bleiben. Die Ladung muss zu oft manipuliert werden.

Albert Mairhofer
11
22.2.2011, 12:29
BBT ohne Ende?

Ist es so schwierig, von einem mittlerweile überholten Projekt Abschied zu nehmen? Glaubwürdiger wären Politiker, wenn sie ihre Fehler erkennen könnten, die uns in diese Lage gebracht haben. Vielleicht können diese sich herablassen und aufgezeigte Alternativen zum BBT ernst nehmen. Die Europaregion Tirol hat die natürlichen Voraussetzungen, für eine europaweite Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf das umweltfreundliche Binnenschiff. Inn und Etsch durch einen Kanaltunnel verbinden, durch welchen zusätzlich noch eine Magnetschwebebahn fahren kann, ist die bessere Lösung, die Tirol nicht nur eine Lösung des Transitproblems, sondern allein durch die Wasserstraße von der Donau zur Adria eine gewaltige Aufwertung und neue Perspektive

Traumpass - Spieler
10
22.2.2011, 16:30

dagegen sein und als alternative nur quatsch zu bieten. jaja....

Ehrlicher
00
22.2.2011, 19:22

der Einzige der hier Quatsch bietet bist schons sebst...

Hans Krankls Frisör
00
22.2.2011, 13:00

Das wäre natürlich wesentlich günstiger...

root66 ~~~~~~
02
22.2.2011, 11:29
Vielleicht irre ich mich, aber ist das damals ...

... mit den Eurofightern nicht ähnlich gelaufen? Zuerst Versprechungen seitens des BMfF, mit diesen unnötigen Fliegern das Budget des BMfLV nicht zu belasten, aber kaum waren die Dinger da, waren alle Versprechungen vergessen und schwupp die wupp, das Bundesheer hatte die Krot zu schlucken, basta!

Kern will sich - und das zu Recht - nur absichern. Das kann ihm niemand verdenken!

SagServus
00
22.2.2011, 11:58

Das war auch so, bis der Darabos gekommen ist und die kosten für sein Resort "reklamiert" hat.

Miklaus Röchlinger
115
22.2.2011, 10:58

Tja, liebe ÖVP, erst die Bahn unter Dauerbeschuss nehmen und dann von ihr verlangen, dass sie das Budgetloch der "wirtschaftskompetenten" schwarzen Selbstbediener verstecken soll...das geht halt lieder nicht. Wer lässt sich schon gern auf den Kopf sch***en?

didi111
113
22.2.2011, 10:55
Die Prölleten versuchen wirklich, mit ihrer Inkompetenz ein ganzes Land in Geiselhaft zu nehmen;

Beispielsweise am Thema Eisenbahntunnels:

Da urlaubt er EINE (der Spepp) in Tirol und kann es dort nicht lassen.. Trifft sich mit Platter, gibt fest Interviews und verspricht UNZUSTÄNDIGERWEISE den Brennerbasistunnel (zhalen sollen die ANDEREN) und ist dann ganz pöse, wenn man ihn frägt, ober er angrennt ist

und

auf der anderen Seite gibt es sich der Glatzenbongo vom Traisenstrand (der ERWIN aus Radlbrunn) und VERHINDERT in Permanenz über Jahre hindurch den Bau des SEMMERINGBASISTUNNEL;

Da frägt man sich wriklich, WAS die Beiden rauchen?

UND die SP ist hier AUCH wieder gut beraten, diese Blödheiten und Ungereimtheiten in der Öffentlichkeit zu publizieren.

adaschauher
02
22.2.2011, 11:30
im lande der GROSSSCHREIBENDEN oberlehrer kann ich nur sagen: jaWOHL !!

didi111
00
22.2.2011, 12:35
Finde ich auch, JAWOHL!!!

..Mahlzeit und einen schönen Tach noch..

werauchimmer1
 
011
22.2.2011, 10:43
Gratuliere!

Der Kern hat den Mut zu sagen was Sache ist: Es ist kein Geld da, um jetzt zu bauen. Die ÖBB ist derart verschuldet, dass es für jeden ordentlichen Manager unmöglich ist, sich auch noch eine Belastung wie den Brennerbasistunnel umhängen zu lassen!
Und hab ich den Felderer richtig verstanden? Mit den Schulden hat er Recht aber: Der Bau des Tunnels ist wichtiger als die Aufrechterhaltung des Betriebes der ÖBB???
Das ist der letzte Beweis, dass die ÖBB nur mehr als Immobilienprojektierungs- und baugmbh gesehen wird!

also dann ...
00
22.2.2011, 09:44
verstehe ich nicht : geld aus luft ...

gibts ja wie sand am meer - o d r ?

tt7
01
22.2.2011, 09:43
DAS GIBTS DOCH NICHT

Kann es wirklich sein, daß die ÖBB jetzt doch einmal einen ECHTEN Manager an der Spitze hat? Was ist denn hier los? Ich bin gespannt wann das Kern-Bashing bei Rot-Schwarz losgeht...

adaschauher
00
22.2.2011, 11:31
bisher war das Kern-geschäft nur chaos, selbstdarstellung und karriereaufstieg bei jedem politischen sesselrücken

Clemo
01
22.2.2011, 10:07

Also ob er ein guter Manager ist, wird sich noch zeigen. Die Gewerkschaft ist so auffallend ruhig (zB zig Kündigungen in Ungarn, keine gewerkschaftliche Solidarität?), dass da was im Busch sein muss... Ich wünsche ihm Erfolg, nur hab ich noch zu wenig Verbesserung gesehen.

Der Aufsichtsrat wurde abgesagt, damit hat Kern doch nix zu tun. Er ist Vorstand, nicht Aufsichtsrat.

Wenn es stimmt, dass das Finanzministerium den Vertrag, dem es zustimmen sollte, erst vor 2 Tagen erhalten hat und diesem nicht über Nacht zugestimmt hat und nun der AR ohne diesen Vertrag nix beschließen kann, dann ist das ein Zeichen, dass die Hackeln in der Koalition weiter tief fliegen. Das ist nicht nur schlechtes Timing, das ist bewusst.

Dormouse
00
22.2.2011, 09:39

den verantwortlichen kann man dann ja spitzhacke und schaufel in die hand drücken - dauert vielleicht etwas länger, aber bis zu ihrem lebensende werdens den tunnel wohl fertiggraben können - gratis versteht sich...

mfg

adaschauher
00
22.2.2011, 09:21
laut bures/faymann alles kein problem: der steuerzahler kann nämlich GAAANZ SICHER NIIIIEMAAALS pleite gehen, oder...?

Günther FRANZ
00
22.2.2011, 09:02
Besonders ärgerlich..

da ist jetzt anscheinend jemand Chef der ÖBB der sich auch betriebswirtschaftlich etwas überlegt bzw. sich die finanziellen Gegebenheiten ansieht und was passiert ? Er wird zwischen den Ministerien Hin & Her geschickt. Ich verstehe die Vorgehensweise dahingehend nicht: Wenn ein Ministeratsbeschluss vorliegt wozu benötigt man dann noch zusätzlich eine Finanzierungszusage? Aufgrund welcher Fakten und Daten hat man den entschieden? Ist dem BM Pröll erst jetzt aufgefallen, dass er auch beim Pokern, Schnapsen vielleicht sogar Schachspielen - oder wie diese Spiele aufgrund deren die Entscheidung gefallen ist auch immer heissen mögen, mit seinem Ministerium die Finanzierung aufstellen muss! ;-)

Ratlos
01
22.2.2011, 08:55
Immer das gleiche Lied: die ÖBB/ASFINAG darf sich für Gedächtnisstollen verschulden und sich dann ob dieser hohen Schulden von der Politik als Sündenbock darstellen lassen.

Wenn dies einmal nicht funktioniert dann wird von Tirol auf Wien geschimpft weil man nicht genug Steuergeld für ein Bundesland verschwenden tut.

In Ö wird sich erst etwas ändern wenn wir alle für NICHTS mehr Geld haben: der Bund nicht für die Länder, die Menschen nicht für Privatschulen, die Länder nicht mehr für die Landwirtschaftsmafia etc.

Rudine Karell
30
22.2.2011, 09:26

Wenn man durch die Semmeringtunnelkette in Richtung Wien fährt, dann kommt nach dem letzten Tunnel ein Plakat "Vorsicht im Tunnel".

Ein Unternehmen das so dumme Mitarbeiter hat, verdient kein Mitleid. Jeder der durch den Semmering fährt hat zumindest was zu lachen bei dem Plakat, zumal ja nach dem Plakat erst nach 70 km in Wien der Tunnel unter dem Verteilerkreis kommt.

fredi 1990
00
22.2.2011, 08:53
du wollen haben? du mussen bezahlen!!!!

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