ÖVP

Die wundersame Wende von der Nato zur Neutralität

21. Februar 2011, 18:10

Raus aus der Neutralität, rein in die Nato: Diese Position vertrat die ÖVP vor zehn Jahren - Nun ist alles anders

Wie erklären sich schwarze Ex-Granden den Schwenk? Reaktionen von Rechtfertigung bis Ratlosigkeit.

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Wien - Das Archiv ist nicht nur die Rache der Journalisten an der Regierung, sondern auch der Opposition. Genüsslich zitierte das BZÖ dieser Tage eine Meldung vom Juli 1997: "Der Parteivorstand der ÖVP hat sich einstimmig auf einen Nato-Beitritt Österreichs festgelegt, am besten bis zum Jahr 1999."

Andreas Khol war einer jener schwarzen Spitzenpolitiker, die nicht die Konsequenz daraus verschwiegen. "Die Neutralität hat ausgedient", sagte der damalige Klubobmann und wollte das altehrwürdige Prinzip "wie die Kaiserkrone in der Schatzkammer" verräumen. Heute befürwortet die ÖVP-Spitze so ziemlich das Gegenteil (siehe Zitate) - und Khol hat mit dem Kurswechsel kein Problem. "Unsere damalige Linie war ein Versuch, den wir 1999 zur Wahl gestellt haben, aber die Bevölkerung abgelehnt hat", sagt der heutige Seniorenvertreter: "Das haben wir zur Kenntnis genommen."

Ein populistischer Schwenk also, um ja keine Wähler zu vergraulen? "Nein", widerspricht Khol, schließlich habe die ÖVP ihre Politik damit auch an veränderte Bedingungen angepasst. Erstens sei die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts in Europa seither massiv gesunken - Ende der Neunziger erschien die Sicherheitslage noch nicht so stabil. Zweitens habe die gemeinsame europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik so große Fortschritte gemacht, dass Zusammenarbeit nun nicht mehr nur in der Nato möglich sei. "Wir haben einen Schienenwechsel vorgenommen", sagt Khol.

Vergebene Chance

Aber müsste die ÖVP angesichts fortschreitender EU-Integration die Neutralität nicht genauso für passé erklären wie damals? Khol sieht immer noch Platz für eine "Restneutralität", die auf folgende Formel hinauslaufe: "Solidarität in der EU, Neutralität gegenüber dem Rest der Welt." Dass die ÖVP anders als früher auch kein Berufsheer mehr anstrebt, erklärt er mit Pragmatismus: "Es hat sich, neben anderem herausgestellt, dass dies viel zu teuer wäre."

Auch Werner Fasslabend, in den Neunzigern Verteidigungsminister, hält die gewandelte ÖVP-Position für schlüssig. Der heutige Präsident der Parteiakademie will sich im Rückblick an kein apodiktisches Ja zur Nato erinnern: "Die Linie war immer offen." Damals wie heute glaubt Fasslabend, dass die Neutralität "ihre Funktion wesentlich eingebüßt" hat, weshalb Österreich auch diverse Kooperationen eingegangen sei. Einen "immanenten Bedarf", den Status Quo zu ändern, sieht er nun nicht mehr - und ärgert sich über die parteitaktische Debatte, in der es hauptsächlich ums Rechthaben gehe.

Als "nur mehr zum Wundern" bezeichnet hingegen Erhard Busek die ÖVP-Linie. Der einstige Vizekanzler hält die Neutralität spätestens seit dem EU-Beitritt de facto für Vergangenheit. Die Beschwörung derselben trotz aller europäischen Zusammenarbeit beraube Österreichs Außenpolitik seiner Glaubwürdigkeit, kritisiert er: "Wir vergeben die Chance, eine bedeutende Rolle zu spielen." Dass dabei auch die ÖVP mitspiele, erklärt sich Busek mit der "Fixierung auf das politische Visavis", dem man krampfhaft zu widersprechen versuche: "Es ist damit zu rechnen, dass die Meinungen bei nächster Gelegenheit wieder geändert werden." (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 193
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mmxI-grösse 2011
00
23.2.2011, 18:19
was bitte ist eine "restneutralität"

hr. "rest-khol"

mmxI-grösse 2011
00
23.2.2011, 18:05
veränderungen im sekundentakt

eine weitsicht aller politischer irrläufer

Thomas Amaran
21
23.2.2011, 14:40
WIR HABEN ANGST

WIR HABEN ANGST VOR bezahlten blackwater Mörder unter Monsanto oder Nato Kommando in Österreich !
wenn Österrech mit den NATO Mördern cooperiert, würde das bei uns auch die Tür für Nato gesetze öffnen: jeder könnte dann von überall in Fema camps geperrt werden, ohne gericht, ohne anwalt, lebenslänglich unter prolonged detention verschwinden! ÖSTERREICH MUß NEUTRAL BLEIBEN
!Kriminelle bilaterale Geheimabkommen der Schüsselmafia sind für uns in keiner weise bindend !!
comment : ganz genau. und wennn wir dann noch so ein nettes berufsheer mit sölndern von irgendwo aber nicht Österreich haben isses schluss mit lustig. Mit denen kannst nicht debatieren..
gibt es momentan politisch wichtigeres?
befriend our facebook profil:Massiver Bürgerprotest

Takeshi Kovacs
00
23.2.2011, 20:40
ja sapperlot, was ist Ihnen denn widerfahren?

Tom93
00
23.2.2011, 10:13
spö: die wundersame wende von wehrpflicht zu berufsheer

noch wundersamer ist ja, das die spö in dieser meinung keineswegs einer meinung ist. die mehrheit ist ja eher für die beibehaltung der wehrpflcht, darum vermeidet es der krone-parteivorsitzende auch tunlichst die partei, ihre demokratisch gewählten gremien und ihre mitglieder zu konsultieren. er weiß, dass er mit seinem schwenk eine minderheit vertritt.

smurf da buff
00
22.2.2011, 19:47

hi gerald

schreib einmal über das, welches die Aggression weckt

und vor allem, selbstbezogen

wakeup
00
22.2.2011, 12:27
Die ÖVP hat sich nicht geändert...

sie ist, wie immer, gegen alles offen.

Michael Holzermayr2
01
22.2.2011, 12:25
Sie haben in 10 Jahren nicht Ihre Meinung geändert, Herr John?

Sie sind ja ein Erzkonservativer!

Vorstadtmama
 
32
22.2.2011, 12:06
In diesen 10 Jahren ist aber auch einiges "passiert"..

Die USA haben einen diffusen "Krieg gegen den Terror" begonnen, den Irak überfallen (Diktator Saddam hatte keine Massenvernichtungswaffen), in Afghanistan dort weitergemacht, wo die ehemalige Sowjetunion aufgehört hat usw. Es spricht für die ÖVP, dass sie lernfähig ist. Es ist aber erlaubt, dass ein neutrales Land ein Berufsheer hat. Und genau diesen Weg sollte Österreich aus Gründen der Gerechtigkeit gehen. Es ist unfair, jungen Männern Lebenszeit zu rauben, und sie unter Gefängnisstrafandrohung zum Wehrdienst zu zwingen.

Wolfgang Pimminger
 
11
22.2.2011, 15:36
Liebe Mama

leider ist Ihnen immer noch nicht klar, dass man mit Geld zwar alles ausgleichen kann, aber nur, wenn das Börsel auch entsprechen dick gefüllt ist. In unserem Staatsäckel gibt's aber lediglich eine riesengroßes Loch.

Ich werd jetzt nicht so weit gehen, über die Entstehung dieses Loches zu philosophieren, aber auf jeden Fall klarstellen, dass es wenig Sinn macht, dieses noch weiter zu vergrössern. Insbesondere mit Blick auf die Jugend!

Ich sag Ihnen das jetzt mal im Hausfrauenjargon: Wenn's Haushaltsgeld für die Spülmaschine nicht reicht, werden Sie wohl per Hand abwaschen müssen.

War DAS jetzt deutlich genug????

Jo eh...
00
27.2.2011, 14:20

Ein Berufsheer würde das Budgetloch verringern, nicht vergrößern. Zigtausende zusätzliche Arbeitskräfte könnten einer produktiven Arbeit nachgehen, Steuern zahlen, usw.

Wolfgang Pimminger
 
00
27.2.2011, 17:20
jo eh, weil wir ja Arbeitskräftemangel haben, nicht wahr?

Mal eine Frage: Wo lassen Sie denken?

Meklon von Andromeda
 
11
22.2.2011, 12:28

Ich glaube nicht daran, dass die ÖVP lernfähig ist. Sie ist anpassungsfähig. SPÖ und ÖVP beäugen sich gegenseitig und vertreten bei einer Reihe von Themen stets konträre Meinungen. Egal, ob die Meinung des "Gegners" der eigenen meinung von anno dazumals entspricht.

Eine Posse, bei der wieder nichts rauskommen wird. Das Geld und die Geduld der Bevölkerung wird strapaziert, während sich die Politiker mit sich selbst beschäftigen.

Es handelt sich um ein weiteres Ablenkungsmanöver, um von den echten Problemen - z.B. von unseren Eliten verursachte Wirtschaftskrise und der damit verknüpften Ausbeutung der Bevölkerungen bei gleichzeitiger weiteren Bevorzugung der Eliten.

Meklon von Andromeda
 
00
22.2.2011, 12:52

- abzulenken.

Den Politikern ist es lieber, wenn das Volk sich über Nebenschauplätze ärgert, wie z.B. Vorratsdatensammlung, Asylrecht. Willkommen sind auch aktuell die Unruhen in Nordafrika, auch Umweltkatastrophen kann man fein zur Ablenkung gebrauchen.

Inzwischen geht die Verarschung der Bevölkerung weiter und die Eliten schlagen sich den Bauch voll und lachen übers Volk, das sich das gefallen lässt.

anders and
 
01
22.2.2011, 12:27
zehn Jahre hat die ÖVP nichts von einer Meinungsänderung gesagt

und plötzlich wird dieser Schwenk als neue Parteilinie ausgerufen. Das ist hoch unprofessionell, selbst wenn ehrenwerte Motive hinter dem Meinungswandel stünden.
Nur: wer traut der heutigen ÖVP noch ehrenwerte Motive zu?

Althase
01
22.2.2011, 12:01

Busek - einer der wenigen mit Durchblick und klaren Worten

Hans Müller1
 
21
22.2.2011, 11:45
Im Grunde genommen gibt die Krone der Red die Linie vor

zuerst sagt die Krone der SPÖ was zu tun ist und dann muss die Red das alles rechtfertigen

Frei_Denker
11
22.2.2011, 11:39
Neuzeitliche Neutralität

Als die welt im wesentlichen noch in 2 blöcke eingeteilt wurde entschied sich das "erste opfer" auf keine der beiden seiten zu stehen.

heutzutage gibt es nur noch einen block - zu diesem verhalten wir uns neutral (wir sollten keine beistandsgarantien geben) - ist doch eigentlich gar nicht so schwer.

anders and
 
11
22.2.2011, 12:31

Österreich wurde für die Neutralität entschieden, das war nicht freiwillig.

¦¦¦¦:_?_:¦¦¦¦
00
22.2.2011, 12:21
nur noch einen Block?

Und was ist mit dem Block der "Achse des Bösen"?
Den haben Sie wohl vergessen, was?

Hubert Ungeist
 
01
22.2.2011, 10:53
Berufsheer oder Wehrpflicht..

hat nicht direkt mit Neutralität zu tun.

Man kann Neutral sein und ein Berufsheer haben, man kann aber auch neutral sein und die Wehrpflicht haben.

man kann auch bei einem Wehrbündnis s ein (Nato) und eine Wehrpflicht haben.

Klar ist, geht man zur Nato muss man die Verfassung ändern

Wolfgang Pimminger
 
00
22.2.2011, 15:41

Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu.

Im Detail betrachtet sieht das meiner Ansicht nach etwas anders aus. Das liegt an den allgemeinen Rahmenbedingungen. Ich hab meine Sichtweise dazu hier dargelegt:
http://derstandard.at/plink/129... id20019120

der mann, der zuviel wußte...
22
22.2.2011, 11:48
Man kann aber schwer mit Nachbarländern "kooperieren", wie das der Herr Häupl will, und dann neutral sein.

Und man kann etwas nicht in Stein meisseln, wie es der Handarbeitslehrer aus Kroatisch Minihof vor ein paar Monaten gemacht hat und dann sagen, dass es völliger Topfen ist.

Vorstadtmama
 
11
22.2.2011, 12:23
Lernfähigkeit ist eine Tugend - auch wenn es sich um Handarbeitslehrer handelt...

Und Kooperation mit Nachbarn ist schon etwas Anderes als ein Beitritt zu einem Nordatlantikpakt.

Wolfgang Pimminger
 
21
22.2.2011, 15:49
"Lernfähigkeit ist eine Tugend"

Ja!

Halten Sie sich an diesen Leitsatz und lernen Sie endlich dazu.

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