Das "Schwert des Islam" soll es richten

  • Dicke Männerfreunde: Jörg Haider und Saif al-Gaddafi bei der Eröffnung 
von dessen Wüsten-Gemäldeausstellung im Wiener Palais Auersperg im Jahr 
2004.
    foto: standard/cremer

    Dicke Männerfreunde: Jörg Haider und Saif al-Gaddafi bei der Eröffnung von dessen Wüsten-Gemäldeausstellung im Wiener Palais Auersperg im Jahr 2004.

Immer wenn es für die Familie Gaddafi etwas zu vermitteln gilt, tritt Saif al-Islam al-Gaddafi auf den Plan - Über den zweitgeborenen Sohn des Revolutionsführers und dessen einst innige Beziehungen nach Österreich

Er könne mit Messer und Gabel essen, sei gepflegt, artikuliert und weltgewandt, heißt es über den zuvorkommenden jungen Mann. Saif al-Islam al-Gaddafi (38) gilt als das freundliche Gesicht des schrecklich netten Gaddafi-Clans. Anders als sein Vater und seine Brüder Al-Saadi, Mutasim oder Hannibal fällt er weder durch Skandale noch durch cholerische Ausbrüche auf. Nun soll er in einer Art letztem Aufgebot die grüne Revolution seines Vaters Muammar retten, den der später ermordete ägyptische Präsident Anwar al-Sadat einst "den Verrückten aus Libyen" nannte.

Saif al-Islam gilt als liberalstes unter Oberst Gaddafis acht Kindern, als einer, der das autokratische libysche System umbauen und das Land in eine neue Zeit führen wolle. Ob das ein echtes Anliegen oder geschickte Camouflage ist, darüber streiten die Libyen-Experten. Denn bisher hat der Sohn seinem Vater wenig Substanzielles abringen können. Vielmehr wurde er immer dann vorgeschickt, wenn es etwas einzurenken oder zu vermitteln gab: Seine Gaddafi-Stiftung für Entwicklung half im Jahr 2000 bei der Befreiung der deutschen Familie Wallert, die islamische Fanatiker auf den Philippinen entführt hatten. Die Stiftung vermittelte auch, als es um die Entschädigung für die Lockerbie-Opfer ging. Und im Fall der acht Jahre lang in Libyen eingekerkerten bulgarischen Krankenschwestern sorgte die Gaddafi-Stiftung nach eigenen Angaben dafür, dass die Familien der libyschen Kinder entschädigt wurden, denen die bulgarischen Krankenschwestern angeblich absichtlich mit dem HI-Virus verseuchte Blutkonserven gegeben hatten.

Saif al-Islam - das Schwert des Islam - hat auch enge Beziehungen nach Österreich: In Tripolis studierte er Architektur, im Jahr 2000 ging er an die International Business School in Wien - wo er nicht nur Deutsch lernte, sondern sich auch mit Jörg Haider anfreundete. Er habe "mit fast allen rechtsextremen Politikern in Europa gute Beziehungen", stellte er einmal fest. Nächste Station war die London School of Economics.

Haider, mit dem ihn laut FPÖ-Politikern eine warmherzige Männerfreundschaft verband, besuchte später mehrfach Libyen und den alten Revolutionsführer. Oft mit einer Wirtschaftsdelegation. Was für Geschäfte genau der Kärtner Landeshauptmann dort einfädelte, wurde nie wirklich klar.

Im Sommer 2010 tauchten Gerüchte auf, Haider und die FPÖ hätten von Gaddafi Geld erhalten. Der ehemalige Haider-Vertraute Walter Meischberger hatte in einem Tagebuch notiert, Gaddafi habe insgesamt 45 Millionen Euro überwiesen, das Geld sei auf Haider-Konten in Liechtenstein gelandet. Bewiesen wurden die Geldflüsse bisher allerdings nicht.

Todessturz in Wien

Meischberger soll in seinem Tagebuch auch etwas Anderes vermerkt haben: Einen "Unfall, bei dem ein Mädchen umgekommen ist". Das Unglück auf dem Anwesen von Saif al-Islam al-Gaddafi in Wien-Döbling sorgte bei der Wiener Polizei im Jahr 2007 für Arbeit. Eine 22-jährige Ukrainerin wurde lebensgefährlich verletzt, als sie in der Nacht von einem Baum stürzte. Wie es zu dem Unfall kam, ließ sich nie aufklären.

Die Frau war zuvor mit al-Gaddafi bei einer Veranstaltung gewesen, bei der auch Alkohol konsumiert wurde. Die enge Bekannte des Staatschef-Sohns wollte gegen 5.30 Uhr offenbar über den Baum ins Schlafzimmer des Mannes gelangen. Für die Polizei stand offiziell schnell fest, dass es ein Unfall war - das Opfer selbst sagte nach seiner Genesung, sie könne sich an nichts mehr erinnern. Saif al-Islam al-Gaddafi selbst wurde nie befragt. (moe, pra, STANDARD-Printausgabe, 22.02.2011)

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