Der stärkste Bullenmarkt seit 1937 lockt

21. Februar 2011, 17:31
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In nur 100 Wochen hat sich der Wert des US-Aktienindex S&P 500 verdoppelt. Mit ihm haben sich die Konjunkturaussichten klar aufgehellt

In nur 100 Wochen hat sich der Wert des US-Aktienindex S&P 500 verdoppelt. Mit ihm haben sich die Konjunkturaussichten klar aufgehellt. Professionelle wie private Anleger sind optimistisch und stecken Geld in Aktien.

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Wien - An den Börsen herrscht Feierlaune. Der US-Leitindex S&P 500 hat in weniger als zwei Jahren seinen Wert von 666,79 Punkten verdoppeln können. Damit haben die Aktien so schnell angezogen wie zuletzt 1937, als sich der Aktienmarkt nach der großen Depression erholte. Geht es nach professionellen Portfoliomanagern, sind Aktien auch weiterhin ihr Geld wert.

Laut Michael Harnett, Chef-Aktienstratege bei Bank of America Merrill Lynch (BoAML), sind viele Portfoliomanager im Bullenlager: "Institutionen haben Aktien und Rohstoffe stark übergewichtet, halten sehr geringe Bargeldbestände und haben den größten Risikoappetit seit Jänner 2006." Laut einer aktuellen Umfrage von BoAML unter Portfolio-Verwaltern übergewichten mehr als zwei Drittel Aktien, das höchste Niveau seit Beginn der Umfrage. Zeitgleich halten sie so wenig Bargeld wie zuletzt im Jahr 2002.

Auch Daten zu Investitionen in Aktienfonds zeigen, dass die Bullen derzeit die Überhand haben. Seit Jahresbeginn sind 47 Milliarden Dollar (34,4 Mrd. Euro) in Aktienfonds geflossen, die in Unternehmen der Industrienationen investieren. 2009 und 2010 waren im selben Zeitraum noch milliardenschwere Abflüsse zu verzeichnen. Auch in Europa verzeichnet die Efama, der europäische Verband der Fondsindustrie, zuletzt die stärksten Zuflüsse in Aktienfonds seit mehr als einem Jahr.

Ifo-Index auf Rekordhoch

Laut jüngsten Analysen der American Association of Individual Investors (AAII), der Vereinigung der US-Privatanleger, sind auch die privaten Investoren sehr optimistisch gestimmt. Seit 24 Wochen liegt die "Bullishness" - der Anteil jener Investoren, die mit steigenden Kursen in den nächsten sechs Monaten rechnen - über dem historischen Schnitt, die längste Phase des Optimismus seit Beginn der Umfrage 1987.

Doch der Rekordoptimismus ist nicht nur bei Investoren, sondern auch bei Unternehmen verbreitet. Der deutsche ifo-Geschäftsklima-Index stieg zum neunten Mal hintereinander - diesmal um 0,9 auf jetzt 111,2 Punkte. Damit ist das Konjunkturbarometer auf den höchsten Stand seit 1969 geschnellt.

Der Optimismus der Unternehmen deutet für Frank Engels, Ökonom bei der Investmentbank Barclays Capital, darauf hin, dass "Deutschlands Wirtschaftswachstum im ersten Quartal erneut robust beschleunigt hat". Doch mittelfristig bergen die hohen Erwartungen auch Gefahren. Harnett warnt, dass die geringen Bargeld-Bestände und hohen Aktienquoten die Märkte "verwundbar machen für jede makroökonomische Enttäuschung". (sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2011)

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