Tiefe Identifikation mit Luise und Gretchen

21. Februar 2011, 17:36
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Durch Miah Perssons Interpretation werden aus Liedern geradezu Minidramen

Wien - Wenn Opernsängerinnen die Bühne mit dem intimen Rahmen von Liederabenden vertauschen, dann haben manche große Gesten ebenso im Gepäck wie (allzu) voluminösen Vokalklang. Und dann bleibt mitunter so manche Feinheit in der Gestaltung und Linienführung auf der Strecke.

Nicht so bei Sopranistin Miah Persson, die im Wiener Konzerthaus mit einem Bündel der berühmtesten und nicht nur deshalb heikelsten Mozart- und Schubert-Lieder aufwartete, aber auch mit seltener gehörtem Haydn, Grieg und Sibelius. Weitreichende, tiefgehende Identifikation mit den Gefühlsregungen des lyrischen Ich machte nicht nur Mozarts Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte und Schuberts Gretchen am Spinnrade zu Minidramen.

Mit Schwung und bevorzugt fließenden Tempi, zuweilen ein wenig stark vibrierender Intensität, aber doch vor allem mit größter Kontrolle und Feindosierung widmete sich Persson auch einer Auswahl von Haydns englischen Kanzonetten, denen Roger Vignoles am Klavier einen teils fast konzertierenden Hauch verlieh.

Ungewohnt wortbetont sang die Schwedin dann (deutsche) Grieg-Lieder, wobei sie auch die feine Ironie eines Heine zutage förderte, mit besonderer Hingabe die Sibelius-Miniaturen, die Vignoles mit pastellenen Farben ausstattete. Die zweite der beiden Zugaben, eine Liebeserklärung wiederum von Grieg, wurde im Mozart-Saal frenetisch bejubelt. (daen, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Februar 2011)

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