Bilanz: Mehr als 34.500 Tote

21. Februar 2011, 17:55
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Mexikos Regierung sieht Drogenbanden in Bedrängnis

Acapulco/Puebla - Bei einer Serie von Angriffen auf Taxis sind seit Freitag in der mexikanischen Stadt Acapulco zwölf Taxifahrer und Fahrgäste getötet worden. Vier Verdächtige wurden festgenommen, wie die Polizei des Staates Guerrero am Sonntag mitteilte. Fünf Tote fand man am Freitag, sieben weitere Morde folgten am Samstag und Sonntag. In den vergangenen Tagen wurden in Acapulco zudem mehrere Dutzend Autos in Brand gesetzt. Die Polizei vermutete einen Zusammenhang zum Drogenkrieg zwischen rivalisierenden Kartellen. Die Gangs haben in der Vergangenheit immer weiter versucht, Taxifahrer unter anderem als Drogenkuriere zu rekrutieren.

Aus verschiedenen Teilen Mexikos wurden in der Vorwoche täglich Meldungen über weitere Tote in Mexiko bekannt. Seit Präsident Felipe Calderón 2006 den Kampf gegen die Kartelle ausrief, kamen im Drogenkrieg mehr als 34.600 Menschen ums Leben. 90 Prozent der Opfer sind laut der konservativen Regierung Angehörige oder Handlanger der Kartelle.

Die Regierung spricht im Zusammenhang mit den Geschehnissen von rekordverdächtigen Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung. Rund 230 Drogenlabors habe man ausgehoben, 390 Millionen Dollar Bargeld sichergestellt, hunderte Flugzeuge beschlagnahmt, zigtausende Autos konfisziert und 90 Tonnen Kokain vernichtet. "Die Strategie ist erfolgreich", sagt Regierungssprecher Alejandro Poiré. Das merke man etwa daran, dass die Kartelle immer mehr in Bedrängnis gerieten und neue Einnahmequellen erschließen müssten.

Infiltriertes System

Sechs von zehn Gemeinden sollen von einem oder mehreren Kartellen infiltriert sein, wie der Senat in einer Erhebung feststellen ließ. Auch Justiz und Sicherheitskräfte sind korrupt, infiltriert und ineffizient.

War der Krieg anfangs noch höchst populär, sinken die Umfragewerte inzwischen. Die Hälfte der Mexikaner unterstützt ihn laut einer Erhebung zwar noch, doch 75 Prozent glauben an einen Sieg der Kartelle. Die Gewalt ist weit vor der Arbeitslosigkeit das größte Problem für die Befragten, und die Lage in Mexiko hat sich für 64 Prozent verschlechtert - obwohl sich die Wirtschaft im Vorjahr etwas erholt hat. (sda, wss, DER STANDARD-Printausgabe, 22.2.2011)

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    Präsident Felipe Calderóns Drogenkrieg wird unbeliebter.

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