Falscher Gips und Poimplantate

21. Februar 2011, 17:54
2 Postings

Skurrile Exponate aus dem Fundus der Drogenfahnder

Mexiko-Stadt - Der "typische Drogenhändler" lauert hinter der Eingangstür. Hawaiihemd, goldene Rolex, große Gürtelschnalle. In diesem Fall ist er eine Schaufensterpuppe, doch sein Zubehör entstammt dem reichen Fundus der mexikanischen Drogenfahnder, wie auch die übrigen Exponate in dem etwas anderen Museum im 7. Stock des Verteidigungsministeriums in Mexiko-Stadt. Es ist das weltweit größte seiner Art und als Anschauungsmaterial für angehende Drogenfahnder gedacht. Nichtmilitärs dürfen nur mit Sondergenehmigung hinein. "Wir wollen die Leute nicht auf dumme Gedanken bringen", sagt Museumsleiter Victor Jimenez.

Zu sehen ist, wie aus dem Extrakt der Mohnkapseln mittels Chemikalien und Destillation Heroin hergestellt wird oder dass ein Hektar Marihuanapflanzen eine Tonne der Droge ergibt, ein Hektar Mohn aber "nur" sieben Kilo Opiumextrakt. Koka gedeiht in Mexiko nicht; durch das Land führen aber die wichtigsten Transitrouten für das weiße Pulver, das in Kolumbien, Peru und Bolivien angebaut wird.

Auch der skurrilen "Narcokultur" ist eine Abteilung gewidmet. In ihr sind ein kugelsicherer Schlafanzug eines Drogenhändlers zu bewundern und ein mit Gold und Diamanten verziertes Handy im Wert von 10.000 Dollar.

Drogenschwanger

Die Exponate zeigen auch, wie kreativ Drogenschmuggler sind: Da kommen doppelte Böden in Benzintanks zum Einsatz, Auto- und Fahrradreifen, Surfbretter, Teleskope, falsche Gipsarme, falsche "Schwangere", Puderdosen, Sandalen mit doppelter Sohle, Kameraobjektive, ausgehöhlte Bücher und Bilderrahmen.

Sogar falsche Poimplantate aus vier Kilogramm Drogenkapseln entdeckten die Fahnder einmal. Um die Spürhunde zu täuschen, werden die Drogen mit Fett versetzt oder chemisch zu geruchlosen Substanzen umgewandelt. Dem setzen die Fahnder Röntgenstrahlen, Hunde und mit Chemikalien getränkte Tücher entgegen, die sich im Kontakt mit Drogen-Staubkörnern verfärben. (wss, DER STANDARD-Printausgabe, 22.2.2011)

Share if you care.