Die Karussellfahrten

21. Februar 2011, 17:48
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Andreas Baumgartner inszeniert im Theater des Kindes das Stück "Das Karussell" erstmals auf einer österreichischen Bühne

Das Stück bringt einige Fragen und Antworten zur NS-Zeit klug über die Rampe.

Wien - Es ist eine kleine Zauberwelt aus imaginierten Erinnerungen, möbliert mit Fragen an die jüngere Vergangenheit, die man im Theater des Kindes mit dem Stück Das Karussell erstmals auf eine österreichische Bühne bringt.

Andreas Baumgartner inszeniert mit viel Liebe zum Detail die Geschichte Sarahs, die sich die Jugend ihres Vaters aus dem Inhalt einer alten Jahrmarktskiste zusammenreimt. Paul war der Sohn eines Karussellbesitzers, der das Fahrgeschäft ruhend stellen muss, als der Zweite Weltkrieg beginnt. Sarah malt sich Familiengespräche aus, erzählt von Pauls Freundin, der Tochter des Arztes, die eines Tages nicht mehr zum Spielen kam, und vom Großvater, der in den Krieg zieht.

Das Stück (von Frank Hörner, Christian Schönfelder und Sabine Zeininger) greift Kinderfragen an die NS-Zeit auf, Fragen an die eigene Familie und an das, was sich nicht zusammenreimen lässt. Mit Katharina Schraml als Sarah vermag das Einpersonenstück mit erzählerischer Spielenergie aufzuwarten. Die Ausstattung Roland Ploners bedient die Fantasie, ein Regenschirm wird zum Ringelspiel, ein Karussellpferdchen zum Symbol der Sehnsucht. Die Requisiten veranschaulichen das, was sich aus dem Nebel der Vergangenheit noch erkennen lässt. In diesen Nebel dringt man klug vor, entlang eines Stücks, das nicht mit guten Antworten, sondern mit noch besseren Fragen glänzt. Für alle Menschen ab Sieben. (wo, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Februar 2011)

Linz, Theater des Kindes, 0732/60 52 55; nächste Vorstellung: 28. 2. 19.30

  • Vermittelt Gedanken zur NS-Zeit mit eindringlicher Energie - Katharina 
Schraml.
    foto: theater des kindes/herzenberger

    Vermittelt Gedanken zur NS-Zeit mit eindringlicher Energie - Katharina Schraml.

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