Je größer die Gruppe, desto schneller die Entscheidung

25. Februar 2011, 19:19
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Gute Arbeitsteilung und Informationsaustausch unter den Individuen verbessert Entscheidungsfindung

Das Prinzip der Mehrheitsübereinkunft beruht unter anderem auf der Idee, dass die Gruppe bessere Entscheidungen fällt als das Individuum. Die Entscheidungsfindung dauert dabei jedoch in der Regel länger. Nicht so bei Moskitofischen (Gambusia holbrooki) - im Schwarm sind sie treffsichere Blitzentscheider, denn bei ihnen gilt: Umso größer die Gruppe, desto präziser und schneller die Entscheidung.

Arbeitsteilung und Informationsaustausch

Forscher des Berliner Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) konnten in Verhaltensexperimenten an Moskitofischen zeigen, dass die Präzision und die Geschwindigkeit kollektiver Entscheidungen mit der Gruppengröße steigt. Die Wissenschafter fanden heraus, dass die bessere Treffsicherheit in der Entscheidungsfindung auf guter Arbeitsteilung beim Scannen der Umgebung beruht. Das Viele-Augen-sehen-mehr-Prinzip, begleitet von einem guten Informationsaustausch unter den Individuen, macht die Entscheidung nicht nur präziser, sondern auch schneller. Die Studie wurde kürzlich in PNAS veröffentlicht.

Die Fische waren in größeren Gruppen wesentlich erfolgreicher, einer Raubfisch-Attrappe auszuweichen, als kleine Gruppen oder einzelne Individuen. In einer Gruppe von 16 Fischen lag die Fluchterfolgsquote bei etwa 90 Prozent, einzelne Fischen wählten dagegen nur zu 50 Prozent den sicheren Weg. Die Forscher konnten zeigen, dass die Genauigkeit der Entscheidung zunächst mit der Gruppengröße steigt und die Kurve dann abflacht.

Keine Expertenentscheidungen

"Wir wollten herausfinden, ob vielleicht einige Fische bessere Entscheidungen treffen als andere. In einer größeren Gruppe gäbe es dann mehr solcher 'Experten' und die Gruppe wäre dadurch klüger," meint Jens Krause, einer der Hauptautoren der Studie. Wiederholte Versuche an Individuen hätten jedoch keine individuellen Unterschiede in der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen geziegt. Die Forscher untersuchten daher, ob die einzelnen Fische sich vielleicht die Arbeit aufteilen, so dass jeder nur für einen bestimmten Bereich der Informationssuche zuständig ist. Dabei wurde tatsächlich unterschiedliches Verhalten beobachten, wenn die Gruppengröße sich ändert: Die Frequenz der Richtungswechsel der einzelnen Fische war bei größeren Gruppen reduziert.

Selbstorganisation (Schwarmverhalten) ist gekennzeichnet durch Interaktion und Informationsaustausch unter den Mitgliedern der Gruppe. Dass Informationen unter den Moskitofischen ausgetauscht werden, konnten die Forscher nachweisen und sie fanden heraus, dass in der Gruppe kaum Zeit durch Informationsaustausch verlorengeht. Im Gegenteil: die Entscheidung wird schneller gefällt, als die von einzelnen Individuen. "Dieses Ergebnis hat uns doch sehr verblüfft, da man oft davon ausgeht, dass Kommunikation Zeit raubt", so Krause. Auf welche Weise die Moskitofische Informationen weitergeben, werden die Wissenschaftler in Zukunft noch genauer untersuchen. (red)

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