Brandstätter lud Montag zu erweiterter Redaktionskonferenz

21. Februar 2011, 15:30
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Chefredakteur sieht "Kampagne" gegen "Kurier"

Die Verhandlungen um den geplanten Personalabbau im Wiener Traditionsblatt "Kurier" sind am Montag weitergegangen. Chefredakteur Helmut Brandstätter lud die Belegschaft am Vormittag zu einer erweiterten Redaktionskonferenz, um seine Standpunkte noch einmal darzulegen. Unterdessen haben Betriebsrat und Geschäftsführung Gespräche aufgenommen. Brandstätter ortet außerdem eine "Kampagne" gegen den "Kurier".

Wie Brandstätteram Montag sagte, habe er den Mitarbeitern bei der Redaktionskonferenz versichert, dass der Betrieb wie gewohnt aufrechterhalten werde. "Ich habe den Leuten gesagt, dass der 'Kurier' selbstverständlich die gewohnte Qualität aufrechterhalten wird und dass wir so gute Leute haben, dass wir das auch garantieren können."

Dass er im Rahmen der Betriebsversammlung am vergangenen Freitag sinngemäß festgestellt haben soll, es sei nicht einzusehen, dass Journalisten fürs Älterwerden bezahlt würden, wollte er nicht bestätigen, so Brandstätter. Nur soviel: "Ich habe auch heute gesagt, dass wir uns an den Kollektivvertrag halten, dass dieser aber mit fortschreitenden Dienstjahren sehr hohe Steigerungen mit sich bringt. Er führt dazu, dass wir leider sehr divers zahlen müssen und junge Leute anfangs leider schlecht verdienen. Die Unterschiede erscheinen mir manchmal sehr hoch."

Seinen eigenen Auftritt bei der Betriebsversammlung wollte er nicht beurteilen: "Ich bin der Meinung, es geht nicht um meine Emotionen sondern um die Meinungen und Emotionen der Betroffenen. Wir werden mit jedem Einzelnen sehr persönliche Lösungen finden."

"Eine Anmeldung beim AMS bedeute ja nicht automatisch eine Entlassung"

Die Darstellung, der "Kurier" baue vor allem ältere Arbeitnehmer ab, will Brandstätter so nicht stehen lassen: "Bei den Über-50-Jährigen betrifft es auch Änderungskündigungen", sagte er. "Es geht nicht darum, die Leute hinauszuwerfen." Eine Anmeldung beim AMS bedeute ja nicht automatisch eine Entlassung.

Vorwürfe erhebt er gegen die Berichterstattung des STANDARD: "Hier wird ganz bewusst Stimmung gegen uns gemacht. Es geht nicht um 36 von 200 Mitarbeitern, sondern um 25 von etwas mehr als 300 Mitarbeitern. Wenn alle Zahlen im STANDARD so falsch sind, erübrigt sich das Wort von der Qualitätszeitung", so Brandstätter. "Offenbar hat der STANDARD Angst vor uns."

Beim STANDARD weist man die Vorwürfe zurück: Man habe mehrfach versucht, die Geschäftsführung des "Kurier" zu den Mitarbeiterzahlen zu befragen, habe aber nie einen Rückruf erhalten. Die verwendeten Zahlen seien daher die letzt verfügbaren Angaben aus dem im Firmenbuch hinterlegten Jahresabschluss. Man habe seitens des STANDARD versucht, die Berichterstattung "nicht durch Nichtrückruf verhindern zu lassen", hieß es.

STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid versteht die Aufregung nicht, "wovor sollen wir Angst haben? Auch andere Medien haben darüber berichtet." Offenbar sei für Brandstätter "Angriff die beste Verteidigung".

Im Geschäftsjahr 2008/2009 verzeichnete die "Kurier Redaktionsgesellschaft m. b. H & co KG" einen Personalstand von 234 (Vollzeitäquivalente), dem Vernehmen nach sind derzeit rund 300 Mitarbeiter voll- oder teilzeit beschäftigt. Wie die Geschäftsführung der Tageszeitung am Freitag ankündigte, wurden 36 Dienstnehmer beim AMS zur Kündigung angemeldet. 25 der Dienstverhältnisse sollen aufgelöst werden, für elf Mitarbeiter sind Änderungskündigungen geplant. "Kurier"-Geschäftsführer Thomas Kralinger bezeichnete die Kürzungen als "unternehmerisch alternativlos". Kritik übte neben dem Betriebsrat auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian. (APA)

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    Brandstätter: "Eine Anmeldung beim AMS bedeute ja nicht automatisch eine Entlassung".

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