Federleichte Antennen für fliegende Untertassen

23. Februar 2011, 16:28
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Die Wiener Antennenmanufaktur Pidso rüstet unbemannte Flugobjekte mit ultraleichten Antennen aus

Wien - Smart metering ist dem modernen Konsumenten ein Begriff und an sich eine feine Sache. Der "intelligente Zähler" ermöglicht es dem Energieversorger die erfassten Zählerstände über den Energieverbrauch eines Haushalts aus der Ferne auszulesen. Der Gasmann hat damit im Prinzip ausgedient. Die Erfassung und Übermittlung von Messdaten via Funk ist die Grundlage für die Abrechnung der Kunden oder auch die Erstellung von Prognosen. Die Entwicklung wurde durch die Fortschritte in der Kommunikations- und Computertechnologie möglich. Im Gegensatz zum Vorgänger - dem rein analogen Ferrariszähler - besitzt der Smart Meter keine mechanischen Teile, sondern basiert auf Halbleitertechnologien.

Einen Haken hat die Sache allerdings, sagt Christoph Kienmayer. Meist ist der "Zähler-Kasten" im Keller eines zeitgemäßen Häuschens angesiedelt. Und da schaut es mit dem Funken in die Ferne nicht mehr ganz so gut aus, weil viel Stahl im Keller der Übertragung der Funkwellen zuweilen etwas hinderlich ist. In solchen Fällen kommt Kienmayers Firma Pidso (Propagation Ideas & Solutions) ins Spiel. Der heimische Antennenbauer tüftelt dann an Lösungen, die solche Probleme überwinden. Die kleine Wiener Firma mit sieben Mitarbeitern beschäftigt sich aber auch mit ganz anderen Kalibern. Fragen, die man sich in einem unscheinbaren Büro im vierten Wiener Gemeindebezirk stellt: Wo baue ich in einem modernen Auto eine Antenne ein, die dann dem Fahrer beim Überholen eines LKW Auskunft über seinen Sicherheitsabstand gibt, und welches Material ist für moderne Fahrzeuge notwendig, für ganz normale PKW oder für flotte Formel-1-Boliden?

Federleichte Antennen

Die Materialfrage ist aber nicht nur im Automotive-Bereich entscheidend und für Pidso quasi identitätsstiftend. Pidsos Erfindung sind nämlich ultraleichte Antennen aus Carbon, die auch auf Schiffen und in der bemannten und unbemannten Luftfahrt ihre Vorteile ausspielen. Der Wirtschaftskammer Wien war die Entwicklung im Vorjahr den Mercur Innovationspreis wert. Bis zu 70 Prozent weniger bringen die Antennen auf die Waage als die herkömmlichen Metallteile, ohne in Sachen Leitfähigkeit unterlegen zu sein. "Bei einer unbemannten Drohne zum Beispiel sind 13 Antennen im Einsatz und geht es um jedes Gramm", sagt Kienmayer, der sich die ersten Sporen in den Forschungslaboren des Halbleiterherstellers Infineon verdient hat. Durch die Gewichts-Reduktion sind Drohnen naturgemäß leichter und können somit auch länger in der Luft bleiben oder größere Nutzlasten transportieren.

50 Prozent Forschungsausgaben haben die Wiener, deren Hauptgeschäft derzeit die unbemannten Flugobjekte sind. "In diesem Bereich zeitigt unsere Arbeit den größten Nutzen", sagt Kienmayer. Verbaut werden sie unter anderem von der in unmittelbarer Nachbarschaft logierenden Hightech-Schmiede Schiebel. Das Einsatzgebiet sei damit aber noch lange nicht ausgeschöpft, so der geborene Waldviertler. "Überall dort, wo geringes Gewicht, Platzbedarf und Formgebung eine wesentliche Rolle spielen, können diese kundenspezifisch angepassten Antennen eingesetzt werden. Zum Beispiel in der Agrarwirtschaft, bei der Pipeline-Überwachung und selbstverständlich im Militärbereich."

Was die Unterstützung in Sachen Forschung in Österreich betrifft, ist Kienmayer an sich recht zufrieden. Man könne hier unzählige Töpfe anzapfen. Enorm sei allerdings der Aufwand, um an potenzielle Unterstützung zu kommen. "Wir könnten dafür fast einen eigenen Mann abstellen. Sehr oft muss man auch Forschungsvorhaben vorfinanzieren, das ist für einen kleinen Betrieb oft ein beträchtlicher Kraftakt."

Neues Programm soll KMU für Forschung gewinnen

Um Klein- und Mittelbetriebe dennoch verstärkt für Forschung zu gewinnen, will das Infrastrukturministerium über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG jährlich fünf Mio. Euro zur Verfügung stellen. "Unser Ziel ist es, damit pro Jahr 400 bis 500 zusätzliche Betriebe für Forschung und Technologieentwicklung (F&E) zu gewinnen", erklärte Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) Ende Jänner bei einer Veranstaltung der Gesellschaft zur Förderung der Forschung (GFF) in Wien. 

Bures verwies auf die aus ihrer Sicht erfolgreichen Bemühungen, auch in den vergangenen Krisenjahren die österreichischen Unternehmen in der Forschung zu halten. So sei etwa mit Hilfe des Programms "Quickstart" die Zahl der forschenden KMU exakt auf dem Stand von vor der Krise gehalten worden. Rund 3.500 kleine und mittlere Unternehmen mit rund 100.000 Beschäftigten würden Forschung betreiben.

Fünf Millionen für die Forschung

Weil Firmen, die zehn Prozent ihres Umsatzes in F&E investieren, im Durchschnitt ein zehnmal höheres Beschäftigungswachstum hätten als Unternehmen ohne Forschung, will Bures den KMU einen "hürdenfreien Einstieg" in die Forschung ermöglichen und sie bei ersten Forschungsprojekten unterstützen. Dazu wird der schon seit 2007 laufende "Innovationsscheck" in dem neuen Programm fortgeführt, mit dem KMU kleinere Forschungsdienstleistungen zukaufen können. Das Infrastruktur- und das Wirtschaftsministerium stellen dafür heuer insgesamt fünf Mio. Euro zur Verfügung. 

Für das erste Forschungsprojekt eines KMU wird die Fördergrenze erhöht: Für Machbarkeitsstudien gibt es künftig bis zu 30.000 Euro Förderung (bisher 12.000 Euro), insgesamt stehen dafür eine Mio. Euro zur Verfügung. Unter dem Titel "Projektstart" werden künftig auch Antragstellung und Vorbereitungen von Forschungsprojekten gefördert, auch dafür stehen insgesamt eine Mio. Euro zur Verfügung. Schließlich erhalten KMU Förderung für externe Projektmanagementkosten. Für diese professionelle Unterstützung durch "Forschungscoachs" liegen 500.000 Euro bereit.(Regina Bruckner, derStandard.at, 23.2.2011)

Pidso

Das im Jahr 2006 gegründete Unternehmen PIDSO beschäftigt sich mit der Produktion und Entwicklung von kundenspezifischen Leichtgewichts-Antennen. Das Unternehmen hat seinen Standort im vierten Wiener Gemeindebezirk und ist mit Geldern des AWS sowie Fachberatung im Bereich Business Development durch INITS gefördert. Zu den Kunden von PIDSO zählen österreichische und deutsche Unternehmen. Als weitere Absatzmärkte sind in Zukunft Frankreich, Großbritannien, die USA und Russland geplant.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine unbemannten Drohne zur Messung von schädlichen Gaskonzentrationen in der Luft in Dortmund.

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