Der König des Grunddurchgangs

21. Februar 2011, 13:02
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Zum vierten Mal seit dem Ligacrash im Jahr 2000 beendet der KAC die Regular Season auf Platz eins. Aktuelle Vorzüge und Nachteile des Rekordmeisters listet unser Eishockey-Blog.

Wenn die EBEL am Freitag ihren Grunddurchgang beendet, wird sie dies mit einem Tabellenführer KAC tun. Zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren startet der Rekordmeister als Erstplatzierter in die Play-Offs. Aktuell zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Salzburg und der Umstand, dass die "Rotjacken" in 47 von 54 Runden von der Tabellenspitze lachten, dokumentieren auch die Souveränität der Klagenfurter über weite Strecken der bisherigen Saison. Doch ist es keineswegs so, dass der KAC überragendes Eishockey wie von einem anderen Stern spielt. Vielmehr gelang es dem Verein besser als allen anderen Topklubs der Liga, mit den üblichen Schwierigkeiten und Problemen, die im Laufe eines langen Grunddurchgangs auftreten, umzugehen. Im Folgenden die wichtigsten Pro&Contras zur aktuellen Situation des KAC.

Pro: Zeitige Kaderplanung

So früh wie kein anderes Team hatte der KAC schon im Frühjahr 2010 das Grundgerüst seines Kaders für das laufende Spieljahr zusammengestellt. In leichte Bedrängnis wurde die Vereinsführung lediglich durch Tyler Spurgeon gebracht: Den 24jährigen holte man für die Saisonvorbereitung zum Try-Out, eigentlich mit dem Motiv, ihn hinsichtlich einer möglichen Verpflichtung ab Sommer 2011 unter die Lupe nehmen. Der flinke und spielstarke Angreifer überzeugte jedoch so sehr, dass er bis heute im Kader steht.
Den Grundstein für Platz eins legte der KAC zu Saisonbeginn, als er mit einer eingespielten Mannschaft richtiggehend durch die Liga fegte: Schon Ende November, nach 23 Runden, hatten sich die "Rotjacken" jenen Zehn-Punkte-Vorsprung erarbeitet, mit dem sie die Liga nun anführen. Es folgte das missglückte und mittlerweile korrigierte Experiment der Wiederverpflichtung von Andrew Schneider, später der Tausch Ratchuk gegen Siklenka. Im Zuge der personellen Veränderungen verlor der Rekordmeister seine Konstanz: Holte man an den ersten 23 Spieltagen noch 1,83 Punkte pro Spiel, sind es seither nur noch 1,17.
Positiv: In Klagenfurt hat man die frühzeitige Kaderplanung als für den Erfolg mitentscheidenden Faktor erkannt und plant bereits seit Wochen an der Mannschaft der Zukunft. Schon zum Jahreswechsel wurden mit dem Großteil der österreichischen Kaderspieler Vertragsverlängerungen fixiert, das vielversprechende Sextett an Cracks der Jahrgänge 1988 und 1989 dabei gleich langfristig gebunden. Einzig bei David Schuller, der sich seit Wochen mit einem anderen Verein einig ist, allerdings noch keinen Vertrag unterzeichnet hat, stehen die Zeichen eher auf Abschied.

Contra: Das "Loch" im Nachwuchs

Gleich neun Cracks aus der U20-Mannschaft kamen im bisherigen Saisonverlauf zu EBEL-Einsätzen, ihren tatsächlichen Spielanteilen blieben jedoch von einzelnen Ausnahmen abgesehen sehr enge Grenzen gesetzt. Die einst produktivste Talentschmiede des Landes hat ein Problem: Nicht zuletzt aufgrund der Abgänge einiger von großem Potential gekennzeichneter Spieler in den letzten Jahren hat sich im Unterbau des Rekordmeisters ein veritables "Loch" aufgetan, gleich in vier Jahrgängen (1990 bis 1993) fehlt es an wirklich herausragenden Nachwuchscracks.

Pro: Ausgeglichenheit

Entscheidender Schlüssel zum Klagenfurter Erfolg in diesem Jahr war zweifellos der ausgeglichen besetzte Kader. Keiner der Importspieler zählt zur absoluten Crème de la Crème der Toplegionäre in der Liga, gleichzeitig erfüllt jedoch jeder einzelne seine Aufgaben mehr als solide. Unterstrichen wird dieser am Kollektiv und der Ausgeglichenheit orientierte Erfolg auch durch einen Blick auf die Scorerwertung der EBEL, wo sich erst auf Rang 23 der erste Spieler des überlegenen Tabellenführers findet. Der etatmäßige vierte Block mit Raphael Herburger und den beiden Geier-Zwillingen Stefan und Manuel hat heuer leistungsmäßig einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und bildet die wohl stärkste vierte Linie der gesamten Liga.
Dass beim KAC konsequent auf vier Linien mit minimiertem Leistungsgefälle gesetzt wird, schlägt sich auch in den Statistiken nieder: Kein anderes Team hat im Spiel 5-gegen-5 mehr Treffer erzielt (124) und weniger kassiert (97) als der KAC. Mit +27 bei numerischem Gleichstand am Eis weisen die "Rotjacken" eine gleich gute Differenz auf wie die Teams auf den Rängen zwei bis vier gemeinsam.

Contra: Hallenzirkus und Öffentlichkeitsarbeit

Während die Spieler des Rekordmeisters am Eis überzeugen, kommt die Vereinsführung in der Öffentlichkeit immer wieder ins Schleudern. Zwar gelang es Präsident Nedwed, die Konturen des in den letzten Jahren teilweise chaotischen Bildes eines "EC Hollywood" deutlich weicher zu zeichnen, ganz losgeworden ist der KAC die latente Unruhe im (medialen) Umfeld jedoch nach wie vor nicht. Die nunmehr seit mehr als vier Jahren gewälzten Pläne eines Hallenneubaus sind zu früh an die Öffentlichkeit gelangt, als Spielball zwischen Politik und ausländischen Investoren musste der Klub in dieser Causa unzählige selbst gesetzte Fristen und Termine platzen lassen. Problematisch ist für den Verein auch die schwer zu kontrollierende Klagenfurter Medienlandschaft, in der sich drei lokale Blätter auf der Jagd nach reißerischen Schlagzeilen matchen. Ein ständiger Unruheherd, der durch die minimalistische Öffentlichkeitsarbeit des Klubs zusätzlich befeuert wird. Vom Vorwurf fehlender Stringenz und Professionalität im Umgang mit Medien ist die Führungscrew des Vereins mit dem zweithöchsten Budget der EBEL nicht freizusprechen.
Und dann wären da noch die schrullig anmutenden Auftritte der 2010 zur Ehrenpräsidentin ernannten Mäzenin des Klubs, die manchmal nicht nur Außenstehende verwundern.

Pro: Das Goalie-Gespann

Die Eingewöhnungsphase, die jedem neu in eine Liga kommenden Torhüter zugestanden werden muss, hat Andy Chiodo passabel gemeistert. Von Vorteil war dabei sicherlich die außergewöhnliche Form, in der Backup Rene Swette in den ersten beiden Monaten der Saison agierte. Als der Kanadier verletzungsbedingt für 13 Spiele pausieren musste, destabilisierten sich Swettes Leistungen, sein GAA wuchs auf über 3,10 an. Dafür, dass der KAC auf der Goalie-Position dennoch keine Sorgen haben muss, sorgte im Jänner und Feber dann der wiedergenesene Chiodo: Seine Statistiken verbesserten sich stetig, aktuell hält er bei 22 Siegen in 27 Starts - eine Winning Percentage, an die in der gesamten EBEL niemand auch nur annähernd herankommt.
Chiodo in Topform und Swette mit wieder aufgeladenen Akkus - das starke Goalie-Gespann kann in den Play-Offs zum großen Vorteil für die "Rotjacken" werden. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 21.Feber 2011)

  • KAC-Ikone Christoph Brandner (162 Tore in 337 Spielen für den Klub) hat seinen Vertrag bereits bis 2012 verlängert.
    foto: johann pittner

    KAC-Ikone Christoph Brandner (162 Tore in 337 Spielen für den Klub) hat seinen Vertrag bereits bis 2012 verlängert.

  • David Schuller liebäugelt nach neun Jahren beim KAC mit einem Abschied aus Klagenfurt.
    foto: johann pittner

    David Schuller liebäugelt nach neun Jahren beim KAC mit einem Abschied aus Klagenfurt.

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