Irland als Unruhestifter

21. Februar 2011, 11:28
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Zwei marode irische Banken sollen sich anonym überdurchschnittlich viel Geld bei der EZB geholt haben

Frankfurt/Dublin - Es passierte über Nacht und stürzte den Geldmarkt in Irritationen: Banken der Eurozone liehen sich bei der Zentralbank (EZB) überdurchschnittlich viel Geld aus: Mehr als 16 Milliarden Euro flossen in der Nacht auf vergangenen Freitag, nachdem bereits am Tag davor 15 Milliarden Euro abgerufen wurden. Nach und nach scheint nun Licht in dunkle Finanzströme zu kommen.

Die Iren sollen es gewesen sein, lassen mit der Angelegenheit Vertraute wissen. Konkret die beiden schwer angeschlagenen Kreditinstitute Anglo Irish Bank und Irish Nationwide Building Society. Sie hätten nach dem Verkauf von Einlagen die kurzfristigen Gelder der Zentralbank nachgefragt.

Liquidität benötigt

Die zwei irischen Banken müssen Einlagen veräußern, so wollen es die EU und der Internationale Währungsfonds. Dafür hätten sie allerdings Wertpapiere zurückziehen müssen, die sie der EZB als Sicherheit gaben - mit der Folge, dass sie vom wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäft der EZB ausgeschlossen waren, wollen gut informierte Kreisen wissen. Liquidität brauchten die Iren trotzdem - also holten sie sich über Nacht.

Es ist eine teure Angelegenheit für die Banken. Denn wer sich im Schutze der Anonymität und über die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität Geld beschafft, zahlt dafür Zinsen von 1,75 Prozent - deutlich mehr als auf dem Markt.

In der Bredouille

Angesichts der plötzlichen starken Nachfrage hatten anfangs viele Händler mit technischen Fehlern einzelner Banken spekuliert und wollten nicht von angespannten Märkten reden. Bald mutmaßte man aber, dass der Unruhestifter wohl in den Peripheriestaaten der Eurozone zu finden sei.

Die irischen Banken zählen zu den größten Sorgenkindern der Finanzwelt, und selbst milliardenschwere Hilfen konnten sie bisher nicht aus der Bredouille holen. Im Vorjahr fuhr die Anglo Irish Bank den höchsten Verlust der irischen Wirtschaftsgeschichte ein, mit einem Fehlbetrag von 17,6 Milliarden Euro. Kunden zogen aus Sorge um ihr Erspartes Geld ab.

Die Krise der Banken war auch einer der Hauptgründe dafür, dass der Inselstaat unter den Eurorettungsschirm flüchten musste. Ein Paket von 85 Mrd. Euro wurde für ihn geschnürt, für die Banken sind 35 Mrd. vorgesehen. Dublin erwartet staatliche Belastungen von mehr als 50 Mrd. Euro. (APA, vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2011)

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