Bankomat aus Verankerung gesprengt

21. Februar 2011, 10:13
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Zeugin sah zwei Männer in schwarzem Kombi wegfahren

Schwer verwüstet präsentierte sich die Raiffeisen-Bank in der Favoritner Alma-Rose-Gasse 2 am Vormittag nach der nächtlichen Sprengung eines Bankomaten im Foyer. Wo der Geldautomat gestanden war, hatten Techniker Stahlplatten eingesetzt. Glasscheiben waren zerfetzt, wie ein Augenzeuge berichtete. Ein paar Schaulustige hatten sich zum Tatort verirrt.

An intakt gebliebenen Scheiben hing ein Zettel mit dem Text, dass die Filiale "wegen eines unvorhergesehenen Zwischenfalls vorübergehend geschlossen" war. Auch ein Pickerl war auf den Splittern der geborstenen Scheiben weitgehend unversehrt geblieben: "Sicher, nachhaltig, regional" war darauf zu lesen.

Eine Frau, die durch einen lauten Knall geweckt wurde, sah zwei Männer mit einem schwarzen Kombi flüchten. Das gab die Polizei bekannt. Der Alarm wurde gegen 3.15 Uhr ausgelöst. Laut Polizei waren die Splitter der zertrümmerten Scheiben mehrere Meter auf einem Gehsteig und einem angrenzenden Parkplatz verteilt.

23 Fälle in einem Jahr

23 Mal haben sich Täter innerhalb eines Jahres an Bankomaten in Österreich zu schaffen gemacht. Doch erst beim jüngsten Coup in der Nacht auf Montag haben sie sich ein Gerät, das in Wien stand, als Ziel ausgesucht. Das Gros der Fälle gab es bisher in Niederösterreich mit 16 Tatorten.

Die Serie begann vor ziemlich genau einem Jahr in der Nacht auf den 22. Februar 2010: Im Foyer einer Bank in Halbturn (Bezirk Neusiedl am See) wollten Täter einen Bankomaten sprengen, wurden aber von Soldaten auf Patrouille gestört. Die Daten bis inklusive 14. Februar 2011: 22 Fälle, davon 16 in Niederösterreich, beinahe alle in der Grenzregion zu Tschechien und der Slowakei, drei im Burgenland, zwei in Oberösterreich und einer in der Steiermark. Ein Fall in Hainburg an der Donau am vergangenen Montag war Nummer 22, der Wiener Fall jetzt wäre also bereits der 23.

Schwierige Flucht in Wien

Für Ernst Geiger, Leiter der Abteilung Ermittlungen, Allgemeine und Organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt (BK), ist es kein Zufall, dass die Bundeshauptstadt bisher kein Ziel für Bankomatdiebe oder -sprenger war: "Man muss bedenken, dass die Täter eine gewisse Zeit für die Flucht benötigen, insofern ist der Fall in Wien außergewöhnlich", sagte er im Gespräch mit der APA. Von der Per-Albin-Hansson-Siedlung sei man allerdings rasch auf der Autobahn.

Geiger erneuerte die These, dass sich zumindest vier Tätergruppen derzeit für Bankomaten in Österreich interessieren. Eine Gruppe sei mit einem Audi A6 unterwegs, um die Automaten mit dem starken Wagen aus der Verankerung zu reißen. Eine zweite Bande sprenge Bankomaten: Inklusive des Falles in Wien gehen auf ihr Konto aber nur zwei Fakten. Über diese Gruppe weiß man auch wenig: Laut Geiger vermuten die Ermittler, dass sie aus der Slowakei stammt. Dort wurde ein mutmaßliches Bandenmitglied mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert. Der Mann schwieg sich bisher aber aus.

Zwei weitere Banden

Eine dritte Partie hat sich auf das Aufschneiden der Geldautomaten spezialisiert. Schließlich sind im Süden Österreichs noch eine Gruppe Italiener unterwegs, die wie die Audi-Bande die Bankomaten herausreißen. Sie bleiben aber im Süden des Landes und agieren unabhängig von den anderen Tätern. Mit Ausnahme der Sprenger sind die Banden in der Regel mindestens zu viert, da die Automaten mehrere hundert Kilogramm wiegen.

Österreich ist Geiger zufolge nicht das einzige Land, in dem Bankomatdiebe aktiv sind. Fälle gibt es in den Niederlanden, Tschechien, der Slowakei, Deutschland und Ungarn.

Der BK-Abteilungsleiter machte auch darauf aufmerksam, dass insbesondere Geldinstitute in Regionen, in denen die Täter bisher oft aktiv waren, ihre Automaten gesichert haben. Unter anderem wird empfohlen, die Bankomaten massiv im Boden zu verankern, Farbbeuteln beim Geld deponieren und die Geräte mit technischen Vorrichtungen gegen Gassprengungen zu schützen. (APA)

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    Im Foyer in dieser Bank in Wien-Favoriten wurde in der Nacht auf Montag ein Bankomat gesprengt.

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