Zwiebel zum Nougatknödel

8. März 2011, 16:13
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    Dreierlei von der Sellerie im Gasthaus Floß, für mich Dilettant nicht immer wahrnehmbar.

     

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    Das Beuschl

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    Das Wurzelfleisch

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    Der Ochsenschlepp - der Nougatknödel war erst zu schnell angestochen für ein Foto - und dann rasch weg

"Das Gericht polarisiert ein bisschen": Harald Fidler zollt einem unerschütterlichen Kellner Respekt

Es lag vielleicht an der Fete im Keller, wo das Floß freundlicherweise seine Raucherzone verstaut hat. Oder vielleicht haben wir nicht den besten Tag erwischt, des Lokals oder auch unseren eigenen. Jedenfalls erlebten wir in dem Lokal am Wiener Börseplatz eine interessante Überraschung. 

Fidler, naturtrüb und säuerlich

Dass mich der Kellner kannte oder zu kennen glaubte oder auch nur angesichts des vergleichbaren Haarschnitts duzte, störte mich nicht gravierend, auch bei ikea trage ich das ja mit Fassung, auch wenn ich deshalb noch lange keine Köttbullar nehme. Erfreulicher die Überraschung, jedenfalls in der Fastenzeit, dass er zwölf verschiedene Fruchtsäfte im Programm hat, auch wenn ich trotzdem finde, dass der Naturtrübe vom Apfel am besten zu mir passt. Vor allem, wenn er vom Braeburn stammt, dem ja besten Apfel von überhaupt, und säuerlich ist. Trüb von Natur und säuerlich, ideal für den Fidler. Nein, das sagte nicht der Kellner, das auszusprechen, überließ er mir.

Ein Baum von einem Knödel

Erfreulich auch (für mich, weniger für die betroffenen Tiere), dass Beuschl und Ochsenschlepp auf der Karte stehen. Das Beuschl anständig, der Semmelknödel dazu ähnelte halt leider nicht nur in der Form einem sauber schräg gekappten Baumstamm, sondern auch in der Konstistenz, wobei ich mir frisch geschnittene Baumstämme zwar so, nun, kompakt, aber etwas weniger trocken vorstelle. Aber gut, rundum war ja genug Beuschelsaft, und der gar nicht schlecht.

Das könnte man übrigens auch vom Wurzelfleisch* sagen: Mein Kostbissen erschien mir schon eher auf der trockenen Seite daheim zu sein, was mir meine Tischnachbarin bestätigte, die das Gericht bestellt hatte. War ja genug Suppe rundherum.

Die Schaumrolle an der Wurzel packen

Dass genau der Beuschelsemmelstamm Fülle im Ochsenschlepp wiederkehren würde, hätte ich ahnen können, hab ich aber nicht. Zwei gewaltige Wirbelstücke vom Ochsenschwanz außen reichten aber locker auch ohne die Semmelei zum Sattwerden, ich konnte gerade eines derschleppen. Dreierlei Püree dazu, avisiert als (Rotkraut, Sellerie, Brokkoli), blieb mir nicht besonders in Erinnerung, am ehesten die Sellerie.

Womöglich lag das am "Dreierlei" von der Sellerie, das ich vorweg gekostet hatte, in Gestalt von Terrine, Schaumrolle und Salat. Von denen verlangte mir jedenfalls die Schaumrolle viel Fantasie ab, welche Wurzel sie gehabt haben soll. Einerlei, umso klarer schmeckte man die Knolle - beim Dessert.

Sie haben wohl eine Zwiebel in der Birne

Nougatknödel mit Birnenkompott bestellte eine Tischnachbarin, und machte nach dem ersten Bissen große Augen: Zwiebelgeschmack im Birnenkompott? Kostlöffel wurden verteilt, ich kann bestätigen: Zwiebel. Ich glaube ja sogar die Konsistenz von Zwiebel ausgemacht zu haben. Theorie 1 (unsere): Schneidbrett nicht gewechselt oder gewaschen. Theorie 2 (Kellner, mit dem Teller auf dem Weg ): Hat in der Küche wer die für den Käse gedachte Zwiebelmarmelade mit dem Birnenkompott verwechselt? Theorie 3 (Kellner, auf dem Rückweg aus der Küche, durchaus ernsten Blicks): "Das gehört so. Altwiener Art, mit Zwiebel." Respekt dafür. Und für den Nachsatz: "Das Gericht polarisiert ein bisschen."

Hilfe!

Mir als Universaldilettanten kann man ja alles sagen (ich muss es ja nicht glauben). Aber Ihnen, geschmackssichere wie welterfahrene und blitzgescheite Schmecks-Userinnen und -User? Was halten Sie vom Altwiener Birnenkompott? (fid)

* PS: Ich wurde gerade von Frau Katharina aufmerksam gemacht, dass der Tafelspitz ein Wurzelfleisch war - wie ich sogar im Bildtext richtig geschrieben hatte. Ist nun auch im Text korrigiert. Frau Katharina wirkte auch ein bisschen enttäuscht, dass ihre Eiernockerl nicht vorkamen. Das holen wir natürlich sofort nach: Frau Katharina hatte an diesem Abend Eiernockerl, die mir gar nicht schlecht schmeckten, sie fand sie nicht herausragend. Wobei sie gerade das waren: ein Berg von Mehl und Ei, dass man nur so staunt. Ein klarer Fall für ein Doggy Bag. Aber das ist schon wieder reine andere Geschichte.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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16 Postings
Morpheus Sandman
 
00
10.3.2011, 06:00

@Theorie 1: wenn es am ungewaschenen Schneidbrettl lag, dann sollte man einen Geschmack nach rohen Zwiebel wahrnehmen können

@Theorie 2: ergo müsste es hier eher nach gekochtem Zwiebel schmecken und diese beiden Noten kann man doch gut auseinander halten

@Theorie 3: Glaube ich einfach nicht! Nicht dass ich alle "Alt-Wiener" Rezepte kennen würde, aber wenn man nirgends ein Rezept für Birnenkompott mit Zwiebel findet, dann ist es zumindest nicht "alt-wienerisch", sondern bestenfalls pseudo-kreativ

sstephan
11

Tafelspitz steht dort gar nicht auf der Karte, sondern Schulterscherzl: dass das zu trocken sein soll ist nahezu unvorstellbar. Das abgebildete Wurzelfleisch kommt wiederum im Bericht nicht vor...offenbar, um die eingangs aufgeworfene Frage zu beantworten, eher ein schlechter Tag vom Fiedler als vom Lokal.

A Voice
01
Nie gehört

Aber wer ist schon ein Alt-Wiener? (Und noch in der Lage interaktiv zu kommunizieren?)

Hornhifi
00
Braeburn?

Pah! Klöcher Maschanzker! Die Mutter aller Äpfel!

politisch verfolgt
00
bitte wo

gibts heute noch maschanzker?

florian holzer2
00
11.3.2011, 15:52

quasi in jedem bioladen, auf jedem bauernmarkt.

pier paolo pasolini1
 
01

der Kellner hat halt einen guten Schmäh.
Und die Gastrogurus trauen sich nix sagen.
Ist wie bei des Kaisers neue Kleider.

hab mal zu einem Dessert versehentlich die falsche Espumaflasche in Einsatz gebracht, die leichte Currynote wär ja noch ein interessanter Ansatz gewesen, aber die Zwiebelnote hat dort definitiv nichts verloren. (und da braucht mir keiner kommen, man soll doch offen für Neues sein, das bin ich denn ich experimentiere ständig beim Kochen)

Susanne_B
00

Überrascht gar nicht, da Zwiebel bei längerem und langsamen Rösten ja süß schmeckt. Dann passt das auch im Kompott...

George Burma
00

So viel Suppe kann da gar nicht drum herum sein. Wenn der Tafelspitz trocken wird dann beginnt er mich an viele Tage beim Bundesheer mit gekochtem Rindfleisch zu erinnern.

Das ist ein, wie es lt. Prueller in Racing-English heisst, "no go".

Charly Foot
22
tut mir leid,

aber irgendwie wird diese kolumne von mal zu mal öder. reißt's euch ein bissl z'samm!

flohimpelz
00
Tja, ein Armutszeugnis

für Zeitung und Verfasser des Artikels, traurig nur das er so viele Jahre brauchte um die Baumstammkonsitenz von Semmelknödeln zu realisieren.

Gluck
00
Zweibel und Birne

In Vorarlberg wird traditionell zu Käseknöpfle (mit gerösteten Zwiebeln) in vielen Familien ja auch Apfelmus gegessen.

moody 100
 
24

Naja, wenn man überlegt, was in den Z***er-Schokoladen so drin ist...

sir osis of liver
 
00

wie wahr, wie wahr ;-))

Land der Zwerge
00

Das ist offenbar die Retourkutsche für den (alt?)wienerischen Zucker in der Salatmarinade.
Im Ernst: Meine Grossmutter selig war viele Jahre Wirtin in Erdberg und hat auch zeitlebens, aufgrund eines grossen Obstgartens, Tonnen von Früchten mannigfaltig eingekocht. Ich kann mich in den 20 Jahren, die ich das miterleben durfte, nicht daran erinnnern, dass da auch nur einmal Zwiebel beteiligt gewesen wären. Somit halt ich das bis eine schlüssigere Erklärung kommt eher für einen "Landler".

Martin Hiltmann
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Zucker in der Marinade

Ich vermute, der Zucker war/ist eine Art Notwehr gegen den guten Hesperiden-Essig vom MM.

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