"Wollen Persönlichkeiten und Parteien fördern"

20. Februar 2011, 21:02
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Griechischer Außenminister Droutsas für Förderung junger Araber

Der griechische Außenminister Dimitris Droutsas schlägt ein Zentrum vor, in dem junge Araber gefördert und auf den langen Weg zur Demokratie vorbereitet werden sollen. Von Christoph Prantner.

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STANDARD: Griechenland hat selbst Erfahrungen im Übergang von einem autoritären in ein demokratisches System. Wie ist den arabischen Staaten am besten zu helfen?

Droutsas: Wir hoffen auf einen echten Transformationsprozess hin zur Demokratie in dieser Region. Griechenland kann aus zwei Gründen eine Rolle dabei spielen: Wir sind Teil der engeren Nachbarschaft, haben traditionell eine tiefe Verbindung zur arabischen Welt und verfügen über eine glaubhafte Stimme dort. Andererseits - ich spreche hier von Symbolik, aber die ist in solchen Entwicklungen enorm wichtig - ist Athen die Wiege der Demokratie. Wir wollen deshalb in Griechenland ein Zentrum errichten, das junge Persönlichkeiten und politische Parteien, die aus den Demokratiebewegungen dieser Weltgegend hervorgehen, fördert.

STANDARD: Eine Art demokratische Grundschule?

Droutsas: Der Gedanke ist nicht, diese Völker erneut zu patronisieren oder ihnen aus westlicher Perspektive zu sagen, was sie zu tun haben. Es geht um Kooperation und ein Angebot, das wir machen wollen. Wir sehen vor allem bei den Jungen großen Enthusiasmus. Dieser kann aber auch ins Negative umschlagen. Deswegen gilt es, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun: nämlich Kooperation anbieten - nicht nur aus Griechenland, sondern aus ganz Europa.

STANDARD: Werden Sie das Projekt beim Außenministerrat vorstellen?

Droutsas: Ja, ich werde unsere Pläne für das Zentrum präsentieren. Ich habe das Thema zuvor bereits mit meinem britischen Kollegen William Hague und mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erörtern können. Das Feedback war sehr positiv. Jetzt müssen wir das Projekt konkretisieren. Ein weiterer griechischer Vorschlag wird sein, eine Bank for the Mediterranian nach dem Vorbild der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zu gründen. Die hat es ab 1991 übernommen, die Länder des ehemaligen Ostblocks zu unterstützen.

STANDARD: Wird es bei den Außenministern heute, Montag, in Brüssel eine Entscheidung über Sperren ägyptischer EU-Konten geben?

Droutsas: Wir müssen einen positiven Ansatz finden. Kontensperren sind Maßnahmen, die wir ergreifen müssen, keine Frage. Darüber hinaus müssen wir aber auch bemüht sein, ein Gesamtpaket zu schnüren, das Wirtschaftsförderungen und politische Unterstützung beinhaltet. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2011)

 

Dimitris Droutsas (42) ist seit September 2010 griechischer Außenminister. Der Sozialist ist ein enger Berater von Premier Papandreou und hat eine enge Verbindung zu Österreich: Er ging in Wien in die Schule, studierte am Juridicum und an der Wirtschaftsuni und war sogar für das Wiener Außenamt tätig.

 

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