Griechenland

Gefängnisbanden verkaufen Schlafplatz und Essen

Markus Bernath aus Orestiada , 20. Februar 2011, 19:27
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    foto. epa/arvantidis

    Flüchtlinge in einem Lager in Kyprinos am Evros: Der Frontex-Einsatz endet bald, die Probleme der Menschen bleiben

Helfer berichten über Katastrophe in griechischen Flüchtlingslagern: Überfüllung, Erpressung, Gewaltexzesse

Morgens um acht ist immer Lagebesprechung in der kleinen Hotellobby. Die Ärzte ohne Grenzen in Soufli, einer Kleinstadt an der griechisch-türkischen Grenze, bereden den neuen Tag. Der alte Horror in den Aufnahmelagern ist das Thema, wo die humanitären Helfer anstelle des griechischen Staats eingesprungen sind. Aber auch die anstehende Ablösung durch Mediziner aus den Behörden. "Wir ermuntern das Gesundheitsministerium, die Aufgabe unter geeigneten Bedingungen zu übernehmen", sagt später Thanasis Spyratos, der Einsatzleiter der Ärzte ohne Grenzen am Oberlauf des Grenzflusses Evros, kündigt aber gleich an: "Wir werden ihre Arbeit beobachten, und wenn es nötig ist, bleiben wir."

Die Zweifel am Vermögen der griechischen Behörden nach der Kapitulation vor der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr sind immer noch groß. Besucher der vier Flüchtlingslager im Grenzgebiet haben einen schwerwiegenden Begriff für das, was sie dort sehen: "passive Folter". Überall sonst in Europa mache sich jeder strafbar, der einen Hund auf weniger als einem halben Quadratmeter Platz wochen- und monatelang einpferche, sagen sie. In der Evros-Region macht der griechische Staat das mit Menschen.

Vier Monate ist es her, dass Athen die anderen EU-Staaten in einem dramatischen Appell um Hilfe gebeten hat, weil Polizei und Militär mit bis zu 400 aufgegriffenen Flüchtlingen am Tag völlig überfordert waren. Offiziell endet die Mission der EU-Grenzschutzbehörde Frontex am Evros Anfang März. Der Einsatz an der derzeit wichtigsten Route illegaler Immigranten in die EU gilt als Erfolg. Kaum mehr als 15 Flüchtlinge am Tag stellen die Grenzschützer nun im Winter am Oberlauf des Evros.

Neuer Kontrakt mit Frontex 

Die Regierung hat eine neue Vereinbarung mit Frontex getroffen: Der Einsatz der rasch aufgestellten Truppe von 200 Grenzschützern wird eine dauerhafte gemeinsame Operation mit der griechischen Polizei. Es ist ein Schritt, mit dem Athen die Kontrolle in der Flüchtlingskrise zurückgewinnen will.

Die Aufnahmelager sind weiter völlig überfüllt, wie auch die griechische Polizei zugibt. Von der neuen Asylbehörde, deren Gründung das Parlament Anfang Jänner beschlossen hat, um schneller über Flüchtlingsfälle zu entscheiden, ist noch nichts zu sehen.

Etwa 1000 Flüchtlinge aus Afrika und Asien stecken derzeit in den vier Lagern. Nur eines ist tatsächlich für die Aufnahme von Immigranten umgebaut worden, die anderen sind einfache Wachgebäude der Grenzpolizei, in denen Platz für 35 Menschen wäre - jetzt sind es dort fünfmal mehr. Die Spannungen in den Gefängnissen sind groß. Banden hätten sich gebildet, berichtet Spyratos von Ärzte ohne Grenzen, die Schlafplätze und Essen für Geld an die anderen Insassen verkaufen. Die griechischen Polizeibeamten schieben das Essen nur durch die Zellentüren und überlassen den Flüchtlingen die Verteilung. Freigang gibt es nicht. Zwei Ausbruchsversuche haben die Flüchtlinge unternommen, den jüngsten Anfang des Monats. Die Polizisten waren dafür bestraft worden. Seitdem bleiben die Zellen erst recht geschlossen.

In Orestiada, der größten Stadt an der Grenze, will die Regierung nun ein großes Gebäude renovieren lassen, das Platz für 3000 Insassen bieten soll. Die Bevölkerung wehrt sich dagegen - wie auch gegen den geplanten Zaun an der Grenze und ein Gefängnisboot, das vor Alexandroupolis ankern sollte, der Hauptstadt der Provinz. Bürgermeister und Bischof lehnten beides als unmenschlich ab. (Markus Bernath, DER STANDARD Printausgabe, 21.2.2011)

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 164
1 2 3 4
Johannes Benn
00
21.2.2011, 22:10
.

bei dieser flüchtlingsproblematik kommt der verdacht auf, dass manchen völkern nach 40000 jahren klar wird sie wären vielleicht damals doch besser auch mit aus afrika ausgewandert...

Johannes Benn
04
21.2.2011, 22:09
.

warum nimmt nicht die türkei all die flüchtlinge auf? nach allem was hört boomt die wirtschaft dort, die haben europa doch eh bald abgehängt. zudem ist erdogan seit davos der schutzpatron der islamischen welt. und in europa sind eh zuviele rassisten zuhause, außerdem sind die europäer an der misere in afrika ganz alleine schuld, mit denen will man nicht auch noch zu tun haben. die türken selbst sollten doch kein problem haben die flüchtlinge aufzunehmen, denn es gibt ja gar keine nationen mehr mit eigenem volk, dass irgendwie über eigenes land verfügen darf, das land steht doch allen zu

palmström
02
21.2.2011, 17:01
man sollte eruieren

welche subjekte da federführend sind und dieselben sofort des kontinents verweisen

ja, in europa gibt es auch mafiosi und nein, wir brauchen nicht noch mehr von der sorte

Michel Berger
03
21.2.2011, 16:28
Noble Herrschaften, die da zu uns kommen wollen!

Difool
 
00
10.3.2011, 21:44

naja, unter diesen Bedingungen werden wohl immer ein paar zu ihrer Mitmenschen Wolf.

Johann Dau
21
21.2.2011, 14:52

Gibt es eigentlich keine Statistiken, wievielen % der Flüchtlinge in der Vergangenheit Asyl gewährt wurde, oder werden diese Zahlen verschwiegen?

Dreistein
 
717
21.2.2011, 13:02
Einfach zum Nachdenken.

Welcher friedliche Asylant kommt eigentlich auf die Idee, sich über seine Flüchtlingskollegen zu bereichern? Doch wohl nur ohnehin schon kriminelle Elemente. Und diese Typen wollen wir dann zu uns lassen und wundern uns danach vielleicht über die Zunahme der Kriminaltiät? Wo hört die Blauäugigkeit bei manchen Sozialromantikern eigentlich auf?

ubu roi
27
21.2.2011, 16:48

es wäre nicht schwer zu begreifen: ja klar gibt es da kriminelle, und die brutalsten setzen sich in einer anarchie, und nichts anderes ist das, was sich in diesen geschlossenen zellen abspielt, eben durch. dass es aber unter diesen menschen jede menge "echte" flüchtlinge gibt, darunter familien mit kindern (gerade österreich hat in letzter zeit zahlreiche familien aus afghanistan und tschetschenien nach griechenland zurückgeschickt), ist der skandal an der sache. diese menschen brauchen hilfe und haben auch ein recht darauf, man verwehrt es ihnen aber - und liefert sie den oben geschilderten folterknechten aus. jetzt verständlich?

Der, der es besser weiß
00
21.2.2011, 23:49

Ich versteh nur "Dublin II".

anton b
14
21.2.2011, 16:40
Alle Menschen werden Brüder

Ich habe hier keinerlei Illusionen. Unter den Menschen, die emigrieren, finden sich die verzweifelsten ebenso wie die skrupellosesten. Manchmal beides zugleich. Ich möchte die Wirtschaftsflüchtlinge letztlich nicht hier haben. Auch deswegen, weil man der Ökonomie ihres Herkunftslandes damit keinen Dienst erweist. (Braindrain). Politische Asyl ist ein anderes Thema, das hier nicht verhandelt wird.

Aber, und das ist zentral, ich möchte nicht, dass man diese Menschen wie Tiere behandelt, denn dann bekommt der ganze zivilisatorisch-kulturelle Zuckerguss in diesem Landstrich, vom Neujahrskonzert bis zur Europahymne, einen viel zu bitteren Beigeschmack.

ja aber
18
21.2.2011, 16:34
Einfach zum Nachdenken.

Welcher vom Volk gewaehlte Politiker kommt eigentlich auf die Idee, sich über das Volksvermoegen zu bereichern? Doch wohl nur ohnehin schon kriminelle Elemente. Und diese Typen werden dann Minister und vergessen z.b. ihre Steuern zu zahlen.
und wir wundern uns danach vielleicht über die Zunahme der Kriminalität und die Abnahme der Steuermoral? Wo hört die Blauäugigkeit bei manchen Schwarz/Bunten eigentlich auf?

cout
26
21.2.2011, 16:30
Haben Sie schon einmal überlegt, warum

es uns hier eigentlich so gut geht und anderen so schlecht? Sind wir hundertmal so fleißig, daß wir hier ~2000 pro Nase verdienen, während die in ihrer Heimat nicht einmal genug für Nahrung verdienen?

Ich helfe Ihnen: Industriestaaten, Militär, wirtschaftliche Interessen, Rohstoffe ...

Daß ein einfaches Gemüt wie Sie sich einen Computer zum Posten leisten kann liegt daran, daß der Gegenwert woanders auf der Welt jemandem entzogen wurde. Alles sehr indirekt, aber real.

Der, der es besser weiß
11
22.2.2011, 00:01
Warum sind wir der Industriestaat und die nicht?

Haben Sie sich das schon einmal überlegt warum genau das so ist?

Wir sind aus vielerlei Gründen erfolgreicher als diese Staaten und die lassen sich von uns ausnehmen. Das steht uns von Rechts wegen zu und ist auch so gerecht.

Und es erscheint mir mit jedem Tag gerechter.

Mediator113
10
21.2.2011, 17:28

Da kommt aber auch die "Einfache Antworten/Lösungen-Keule" raus.

Jemandem zu unterstellen, dass er seinen Laptop durch indirekten Diebstahl bekommen hat und ihn keinesfalls hat verdienen können ist nicht gerade ein sinnvoller Beitrag.

Einkommensunterschiede haben viele Ursachen wie Wertschöpfungsunterschiede, Wertschöpfungsketten an sich, politische Rahmenbedingungen, Rechtssicherheit, Bildungsstand, Sozialsysteme, Eigeninitiative und Verantwortungsgefühl (bzw. deren Stellenwert in Kultur und Gesellschaft), den Entwicklungsstand einer Geselschaft, global politische & wirtschaftl. Interessen und vieles mehr.

Johannes Benn
00
21.2.2011, 16:52
.

wie wäre es damit als erklärung der wohlstandsunterschiede?
http://en.wikipedia.org/wiki/IQ_a... of_Nations

emma goldman
00

from richard lynn, the "Hans Friedrich Günther" of our times

cout
00
21.2.2011, 20:21
Ursache und Wirkung

werden hier kräftig verwechselt. Daß der durchschnittliche IQ, sofern überhaupt international vergleichbar, in einem reichen Staat höher ist als in einem, wo's ums nackte Überleben geht, dürfte wohl klar sein. Der eine hat Ausbildung bis mindestens zum 15. Lebensjahr, oft sogar bis zum 30., hat Computer und liest täglich. Der andere steht mit 8 schon mit Schaufel oder Gewehr irgendwo im Dreck.

Jetzt zu schließen, daß die keinen Wohlstand haben, weil sie halt dumm sind, ist zynisch.

Johannes Benn
00
21.2.2011, 21:32
.

wo sie vollkommen recht haben, ist dass die umwelt, allein schon die ernährung einen riesigen einfluss auf die entwicklung einzelner personen hat.
zudem ist der iq ein äußerst fragliches konzept. aber ganz ausschließen lässt sich auch nicht, dass die unterschiede nicht allein auf die umwelt zurückzuführen sind

jose luis schuster
00
22.2.2011, 00:17

worauf dann?

Johannes Benn
00
.

genetische unterschiede!

emma goldman
00

das hätten sie gerne

wzl
03
21.2.2011, 16:18

Ohne das auch nur irgendwie relativieren oder schönreden zu wollen - sich rücksichtslos auf Kosten anderer zu bereichern ist eine widerliche Charaktereigenschaft die man auch in ganz anderen Gesellschaftsschichten beobachten kann, das wurde nicht von Flüchtlingen erfunden.

willi odrnet
13
21.2.2011, 16:04
und wo

hört ihre verallgemeinerung auf?

Johann Dau
11
21.2.2011, 16:29

Wo ist da die Verallgemeinerung? Es ist offensichtlich, dass die Betroffenen es nicht schaffen, in einer Lager-Situation ein funktionierendes Sozialsystem auf die Beine zu stellen - und das muss nicht automatisch so sein, das hat sehr wohl mit den Persönlichkeiten zu tun.

ubu roi
22
21.2.2011, 16:51

angenommen, du fliehst mit familie vor folter oder krieg in deinem land und wirst in so ein gefängnis gesteckt - bin neugierig, ob du es kraft deiner persönlichkeit schaffst, dort ein sozialsystem zu installieren. selten so eine mischung aus dummheit und abgestumpftheit gelesen wie dein posting.

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