Krone-Abo, ZiB und Dirndl – gelungene Integration?

Blog20. Februar 2011, 19:18
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Wann kommen verpflichtende Integrationskurse für autochthone ÖsterreicherInnen?

Immer wieder wird der Begriff Integration in den zweifelhaften Kontext wenig hinterfragter und meist nicht wünschenswerter Assimilation gesetzt. Wo auch immer jemand sich nicht "typisch migrantisch" verhält, sondern außerordentlich "österreichisch" wirkt, muss er oder sie im öffentlichen Diskurs als herausragendes Beispiel einer "gelungenen Integration" herhalten. Wie zum Beispiel die serbische Unternehmerin in dem am Sonntag gezeigten Beitrag der ORF-Sendung "Heimat fremde Heimat", die vor 43 Jahren nach Österreich kam und ein österreichisches Trachtengeschäft im sechsten Wiener Gemeindebezirk führt.

Hier heißt es: "Frau Radojević ist voll integriert. Sie schaut täglich unbedingt einmal die Zeit im Bild und hat sogar ein Krone-Abonnement. Sie besucht im Dirndl den Musikantenstadl und andere österreichische Volksmusik-Veranstaltungen." Zweifelsohne hegt die ausgebildete Textiltechnikerin eine ausgeprägte persönliche Leidenschaft für traditionelle Stoffe und die österreichische Volkskultur – das kann passieren, nach so langer Zeit in Österreich. Doch sind Krone, ZiB und Volksmusik auch für andere Menschen grundlegende Kriterien für eine erfolgreiche Integration? Kann man davon ausgehen, dass jene Personen, die nicht täglich mit deutschsprachigen Zeitungen, TV-Nachrichten oder Trachten zu tun haben, weniger integriert sind?

Keineswegs. Denn Integration ist nicht das, was vielerorts durch solche oder ähnliche Aussagen suggeriert wird. Integration bedeutet nicht, jedwedes "typisch migrantisches" Verhalten abzulegen und möglichst viel von autochthonen Österreichern und Österreicherinnen zu übernehmen. Eine gelungene Integration findet immer auf beiden Seiten statt. So bedeutet Integration für alteingesessene ÖsterreicherInnen, den zugewanderten Menschen ihre Eigenheiten zuzugestehen und zu tolerieren, dass diese sich ein Stückchen ihrer ursprünglichen Kultur auch im neuen Heimatland bewahren. Und nachdem es bereits so viele verpflichtende Integrationskurse für Zuwanderer gibt, wann kommen endlich die Integrationskurse für alteingesessene Österreicher? (Jasmin Al-Kattib, 20. Februar 2011, daStandard.at)

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