Der Kreuzbandriss

20. Februar 2011, 18:15
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Völlig egal ob Sieger oder Verlierer, in der Biografie der Skifahrer kommt das Wort Kreuzbandriss vor

Die Schweizer sind arm. Daheim wurden sie als Skischüler bezeichnet. Als einzige Beute von der Ski-WM 2011 brachten sie eine Silbermedaille mit nach Hause. Österreich gewann in Deutschland, dem wichtigsten Markt der Tourismus- und Skiindustrie, die Medaillenwertung überlegen. Das ist ein Zeichen für Kompetenz. Die Armut und der Reichtum bilden eine schöne Oberfläche.

Glück trug dazu bei, dass die Österreicherinnen in Garmisch-Partenkirchen vier Goldene gewannen. Pech trug dazu bei, dass die Österreicher zwar keinen WM-Titel, aber drei vierte Plätze mitnahmen. Das mit den zu viel aufgerissenen Hundertsteln ist das kleine Pech, das große ist das kaputte Knie. Und fast immer, wenn man sich in der Biografie von Skifahrern umschaut, völlig egal ob Sieger oder Verlierer, kommt das Wort Kreuzbandriss vor.

Es gibt wohl keinen Beruf, bei dem die Verletzung dermaßen allgegenwärtig ist. Die Bänder halten der Belastung nicht stand, da helfen die kräftigsten Wadeln nichts. Die Karriere von Slalomweltmeisterin Marlies Schild ist nicht zu schildern, ohne ihre Verletzungen aufzuzählen. Ihr Gefährte, der hochdekorierte Benjamin Raich, blieb lange verletzungsfrei und also eine Ausnahme im Zirkus, ehe ihm bei der WM doch noch das Kreuzband riss. Vermutlich wird man sich darauf einigen, die Rennski schmäler zu machen. Der Lohn für den Sieg pflegt hoch auszufallen. Der Preis allerdings auch.(DER STANDARD Printausgabe 21.2.2011)

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