Der US-Einfluss sinkt

20. Februar 2011, 18:11
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Es gibt keinen Friedensprozess, und der Erfolg, Israel ohne Resolution zum Baustopp zu bewegen, war ebenfalls stets gleich null - von Gudrun Harrer

Dass die Uno-Sicherheitsratsresolution, die Israel zum Stopp des Siedlungsbaus im Westjordanland aufgefordert hätte, wirklich, wie die USA behaupten, kontraproduktiv für den Friedensprozess gewesen wäre, kann man glauben oder auch nicht: Denn es gibt keinen Friedensprozess, und der Erfolg, Israel ohne Resolution zum Baustopp zu bewegen, war ebenfalls stets gleich null.

Für die USA, die diese von 14 Sicherheitsratsmitgliedern unterstützte Resolution mit ihrem Veto abgewehrt haben, ist die ganze Geschichte jedoch eine Tragödie. Soeben brechen Washington jene Verbündeten im Nahen Osten weg, die das Friedensprozessspiel seit Jahren geduldig mitspielten - auch zu ihrem eigenen Vorteil natürlich, sie wurden von den USA bezahlt und konnten zu Hause machen, was sie wollten, ohne groß kritisiert zu werden. Mubarak ist Geschichte, ein anderer, Abdullah von Jordanien, ist geschwächt, und Abdullah von Saudi-Arabien wird Washington den "Verrat" an Mubarak nicht verzeihen.

Gerade dieser "Verrat" hat aber für einen Moment die USA den Menschen in Nahost wieder nähergebracht. Mit dem US-Veto ist dieser Moment vorbei, und der Ruf Barack Obamas - der das, was in der verhinderten Resolution steht, 2009 in seiner Rede in Kairo sagte - endgültig erledigt. Der US-Einfluss in der Region sinkt, zum Nachteil Israels. Nur wenn Israel ohne Resolution das tut, was darin verlangt worden wäre, könnte es dies aufhalten. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2011)

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