Männer sehen sich auch für Spitzenpositionen total geeignet, selbst wenn ihnen soziale Kompetenz völlig abgeht - Frauen hingegen prüfen sich dreimal, bevor sie überhaupt aufzeigen
Die Quotendebatte ist wieder da. Und in der Tat spricht manches
dafür.
50 Prozent Frauen im Parlament, ein Drittel in den Aufsichtsräten, die
Hälfte in den Redaktionen - obwohl in vielen Innenpolitik-Abteilungen
von Tageszeitungen die Frauen bereits in der Mehrheit sind.
Dasselbe spielt sich, nach dem Lehrberuf, im Justizbereich ab, bis
hin
zur Besetzung von Rechtsprofessuren, wo Frauen ganz rasant im Vormarsch
sind. Ganz ohne Quotenregelung. Die Geschlechtsumkehr hat offenbar
andere Ursachen, sie braucht die Quote nicht. Und irgendwann werden auch
die Spitzenpositionen von Frauen besetzt sein. Weil die Männer fehlen.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und es werden noch viele Bücher
geschrieben werden - im Gefolge von Bascha Mikas "Die Feigheit der
Frauen". Warum geht das alles nicht schneller? Weil zu viele Frauen
tatsächlich zu feig sind. Oder sagen wir: Zu wenig mutig. Dazu ein
kurzer Erfahrungsbericht.
Immer wieder werden Veranstalter politischer Debatten von
Frauennetzwerken kritisiert, weil zu viele Männer am Podium saßen.
Die Wirklichkeit ist: Man muss mindestens sechs Frauen fragen, bevor
eine zusagt. Aber nur drei Männer, bevor einer ja sagt. Dafür gibt es
mehrere Gründe. Männer fühlen sich in der Regel für alles kompetent -
auch wenn das nicht so ist. Frauen meinen eher: "Also ich weiß nicht, ob
ich für dieses Thema die Richtige bin."
Männer sehen sich auch für Spitzenpositionen total geeignet, selbst
wenn
ihnen soziale Kompetenz völlig abgeht. Frauen hingegen prüfen sich
dreimal, bevor sie überhaupt aufzeigen.
Das hat viel mit Anpassung, weniger mit Feigheit zu tun. Denn man
kommt
immer wieder drauf, was Frauen verschweigen: Dass sie an den freien
Abenden für die verhinderten Männer den Haushalt schupfen oder sich um
die Hausaufgaben der Kinder kümmern. Sie sagen es nicht oder verwenden
Ausreden - um sich nicht outen zu müssen als ganz traditionelle Hausfrau
und Mutter, die mit dem Rückenwind ihrer Ausbildung auch noch ihre
Karriere betreibt. Zu oft nach dem Modell der Männer - als Kleiderpuppe,
Fitness-Bombe und Ja-Schatzi-Maschine.
Wenn nun Matthias Horx in einem Standard-Kommentar verlangt, Frau und
Mann sollten sich um 17 Uhr vom Beruf absentieren und den Rest des Tages
der Familie widmen, dann propagiert er eine neo-aristokratische
Lebensform. Denn was er nicht sagt: Die Bobos können nur dann ihre
schönen Abende verbringen, wenn die Wellness-Welten von minder bezahlten
Dienstleistern betrieben werden. Von der Unterschicht und den
Ausländern, deren Arbeit sich noch stärker in die Nacht verlagern würde.
Ändern müssen sich die Strukturen. In den Diskussionen um Bascha
Mikas
Buch ist genau das ein permanentes Thema. Die Spitzenpolitik freilich
wirft das Geld den Tunnel-Verfechtern nach.
Eine Milliarde für Ganztagsschulen? Nein. Die gibt es nicht. Man muss
doch die Familie verteidigen. Und dafür sind die Frauen zuständig. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2011)