Die Frauen als Models eines Männersystems

20. Februar 2011, 18:03

Männer sehen sich auch für Spitzenpositionen total geeignet, selbst wenn ihnen soziale Kompetenz völlig abgeht - Frauen hingegen prüfen sich dreimal, bevor sie überhaupt aufzeigen

Die Quotendebatte ist wieder da. Und in der Tat spricht manches dafür. 50 Prozent Frauen im Parlament, ein Drittel in den Aufsichtsräten, die Hälfte in den Redaktionen - obwohl in vielen Innenpolitik-Abteilungen von Tageszeitungen die Frauen bereits in der Mehrheit sind.

Dasselbe spielt sich, nach dem Lehrberuf, im Justizbereich ab, bis hin zur Besetzung von Rechtsprofessuren, wo Frauen ganz rasant im Vormarsch sind. Ganz ohne Quotenregelung. Die Geschlechtsumkehr hat offenbar andere Ursachen, sie braucht die Quote nicht. Und irgendwann werden auch die Spitzenpositionen von Frauen besetzt sein. Weil die Männer fehlen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und es werden noch viele Bücher geschrieben werden - im Gefolge von Bascha Mikas "Die Feigheit der Frauen". Warum geht das alles nicht schneller? Weil zu viele Frauen tatsächlich zu feig sind. Oder sagen wir: Zu wenig mutig. Dazu ein kurzer Erfahrungsbericht.

Immer wieder werden Veranstalter politischer Debatten von Frauennetzwerken kritisiert, weil zu viele Männer am Podium saßen.

Die Wirklichkeit ist: Man muss mindestens sechs Frauen fragen, bevor eine zusagt. Aber nur drei Männer, bevor einer ja sagt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Männer fühlen sich in der Regel für alles kompetent - auch wenn das nicht so ist. Frauen meinen eher: "Also ich weiß nicht, ob ich für dieses Thema die Richtige bin."

Männer sehen sich auch für Spitzenpositionen total geeignet, selbst wenn ihnen soziale Kompetenz völlig abgeht. Frauen hingegen prüfen sich dreimal, bevor sie überhaupt aufzeigen.

Das hat viel mit Anpassung, weniger mit Feigheit zu tun. Denn man kommt immer wieder drauf, was Frauen verschweigen: Dass sie an den freien Abenden für die verhinderten Männer den Haushalt schupfen oder sich um die Hausaufgaben der Kinder kümmern. Sie sagen es nicht oder verwenden Ausreden - um sich nicht outen zu müssen als ganz traditionelle Hausfrau und Mutter, die mit dem Rückenwind ihrer Ausbildung auch noch ihre Karriere betreibt. Zu oft nach dem Modell der Männer - als Kleiderpuppe, Fitness-Bombe und Ja-Schatzi-Maschine.

Wenn nun Matthias Horx in einem Standard-Kommentar verlangt, Frau und Mann sollten sich um 17 Uhr vom Beruf absentieren und den Rest des Tages der Familie widmen, dann propagiert er eine neo-aristokratische Lebensform. Denn was er nicht sagt: Die Bobos können nur dann ihre schönen Abende verbringen, wenn die Wellness-Welten von minder bezahlten Dienstleistern betrieben werden. Von der Unterschicht und den Ausländern, deren Arbeit sich noch stärker in die Nacht verlagern würde.

Ändern müssen sich die Strukturen. In den Diskussionen um Bascha Mikas Buch ist genau das ein permanentes Thema. Die Spitzenpolitik freilich wirft das Geld den Tunnel-Verfechtern nach.

Eine Milliarde für Ganztagsschulen? Nein. Die gibt es nicht. Man muss doch die Familie verteidigen. Und dafür sind die Frauen zuständig. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 48
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bloody-nine
 
00
21.2.2011, 17:32
kein uninteressantes thema

stehen auch ein paar durchaus richtige sachen drin...

...aber insgesamt ist der kommentar doch böse abgeschmiert. die bobos in ihren wellnesstempeln...mindestens schwerste themenverfehlung

Soph Isticus
11
21.2.2011, 16:46
frauen denken so oft nach...

also ich weiß nicht, mein zahnarzt ist eine frau, wenn ich von einem steuerberater was brauch: eine frau.

wenn ich auf ein amt oder die uni gehe: eine frau.

wenn ich am gericht was brauch - die richter sind... alles frauen.

alle beteiligten rechtsbeistände... rechtsanwälte: alles frauen.

wo bitte wären denn die frauen zu scheu oder schüchtern?!

ganz im gegenteil - die meisten können doch gar keine zeit für familie u familienarbeit haben, weil sie lieber zähne behandeln, unterrichten, administrieren, richten, rechtsbeistand leisten...

hier hat sich die gesellschaft vom grunde auf geändert.

während männer noch wie steinzeitliche bonobos wehrpflichtig im gatsch herumkriechen.

was dem bp dann auch noch das herz erwärmt!

torch
 
00
21.3.2011, 01:52

Der Unterschied ist, das diese Frauen nicht von Gleichberechtigung und Quote faseln sondern aktiv ihr Leben gestalten. Hab noch keine Kollegin vernommen, die als Selbstständige über geringeres Einkommen geklagt hätte.

Anloko
00
21.2.2011, 16:44
Was genau ist die Aussage dieses Artikel?

Der Artikel kurz zusammen gefasst:
Fasel, fasel.
Frauen haben weniger Selbstbewusstsein als Männer!
Fasel, fasel.
Dubioser Erfahrungsbericht ?!?
Fasel, fasel.
Männer sind selbstbewusst obwohl sie inkompetent sind.
Frauen sind doch sehr selbstbewusst, aber handeln meist sehr uneigenützig und verschweigen das noch dazu ?!?
Weil die Männer das so wollen ( Also doch nicht so selbstbewusst???).
Und zum Abschluss noch ein preisverdächtiger Schwenk zur Koralm-Tunnel Diskussion.

Okay, nun.... Wie wärs wenn wir uns den wichtigen Frage widmen:
Welcher Zustand ist durch welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bedingt?
Durch welche Maßnahmen könnte dies eventuell geändert werden?

Silvio Lackner
00
21.2.2011, 16:33
Es gibt auch

selbstreflexive Männer. Dass sie nicht wahrgenommen werden, beweist, dass sie sich falsch verhalten.

Schwedenbombe
 
11
21.2.2011, 13:24
langweilige taktiken

für was bitte schön eine Quote wenn das starke Geschlecht alles alleine schafft (will)..

naja ein kleiner ruck da und dort kann auch nicht schaden. und wer vertritt dann die männer die
a. keine seilschaften haben und
b. durch zuviel männliche hormone nicht in die zwangsquote fallen?

So Nina
04
21.2.2011, 10:03
Wenn...

...eine Frau Ihre eigenen Stärken und Erfolge herausstreicht, dann bekommt sie meistens kein positives Feedback dafür (wie die meisten Männer) sondern ein "ach, was bist du nur für eine Angeberin" - und das hauptsächlich vin ihren Geschlechtsgenossinnen...

Antibürger1
00
28.3.2011, 16:17
neid ist die aufrichtigste form der anerkennung!

baden Sie darin so oft es nur geht!

ride my pimp
43
21.2.2011, 09:59

Wenn zwei sich selbst verwirklichen, dann zahlen die Kinder drauf, egal ob mit oder ohne Ganztagsschule.

Tethys
01
21.2.2011, 15:48

Warum soll immer die Frau zurückstecken? Liegt Vätern etwa nichts an ihren Kindern?

politisch verfolgt
01
21.2.2011, 18:34
kommt drauf an

nicht alle männer und also väter sind gleich. die aufteilung von hausarbeit und kinderbetreuung ist eine privatsache zwischen zwei menschen, die sich freiwillig zum zusammenleben entschlossen haben und soll es auch bleiben.

Dr. Berger
00
21.2.2011, 17:15
Warum sucht Karrierefrau sich nicht ganz einfach

einen Hausmann?

So wie erfolgreiche Männer sich eine Partnerin suchen die ihnen den Rücken freihält und sich um Haushalt/Kinder kümmert.

Erfolgsmodell Mann - einfach kopieren!

Poldi Fesch
01
21.2.2011, 11:15
inreressante

Aussage :))

Sambapati
02
21.2.2011, 09:51

es geht ja um den eigenen selbstwert

wenn eine frau von anfang in all ihren anlagen positives feedback erhält, wird sie sich auch präsentieren können.

ebenso wie ein inhaltlicher blitzer, dafür mit bestem selbstwert seine sache präsentierend. DAS ist ein hoher faktor, nicht die kompetenzen selber. schön wärs

avision
01
21.2.2011, 09:29
Populistisches Menschenbild; in einem Mensch steckt sowohl Mann wie Frau! Was nichtsdestoweniger …

Jedoch für Nietzsche ist Moral nicht etwas für alle Zeiten Feststehendes, das in der Welt zu entdecken ist; vielmehr ist sie eine menschliche Schöpfung, und infolgedessen haben moralische Ausdrücke eine Geschichte, die ebenso von der menschlichen Psychologie wie von den Interessen bestimmter Gruppen beeinflußt ist.

In Nietzsches Metapher haben die Lämmer entschieden, dass die Raubvögel böse sind; also glaubten sie, dass das Gegenteil eines Raubvogels, ein Lamm, gut sein muß.

Shanajio
02
21.2.2011, 09:21

a) Man kann den Rest Tages auch mit der Familie verbringen, ohne das man einen Wellnesstempel besucht.

b) Die Strukturen müsssen sich aber dahingehend verändern, dass sowohl Frau als auch Mann(!) um 17:00 Uhr sagen können, "Ciao, ich muss mich heute um die Hausaufgaben meiner Tochter kümmern.", oder "Ich will Zeit mit meiner alten Mutter verbringen". Aber das geht offensichtlich in den meisten Unternehmen nicht.

Und wenn es nur die Frauen können, die Männer aber nicht, bleibt alles beim alten.

ergates
01
21.2.2011, 12:03

längere arbeitszeiten erhöhen den profit
und der ist wichtiger als lebensglück.

es wird also höchstens eine weitere ausdehnung der arbeitszeit geben.

Shanajio
00
21.2.2011, 12:51

Es wird eher eine Konzentration der Lebensarbeitszeit auf ganz wenige Jahrzehnte geben.

Derzeit scheint es so, dass vor allem Universitätsabgänger nur in ihren 30igern und 40igern wirklich viel arbeiten und Geld verdienen und den Rest ihres Lebens entweder in Ausbildung oder am Abstellplatz stehen. D.h. 80 Jahre leben, 20 Jahre arbeiten, dafür aber in diesen 20 Jahren mit 80h die Woche.

olive.info
00
21.2.2011, 15:20
... mit 80h die Woche?

Die achtzig Stunden, haben Sie Recht, sind sie nicht z. H. (i. d. Familie) - nur "arbeiten" im Sinne von Produktivität (nicht "manuell" gemeint), muss "ich hinterfragen". :-o

styx12
21
21.2.2011, 08:44

Ach, Herr Sperl, genauso wie Sie Herrn Horx eine neoaristokratische oder -konservative Haltung vorwerfen könnte man Ihren Kommentar als neosozialistisch ansehen.

Ganztagsschulen müssen wieder einmal als Allheilmittel herhalten, dann werden alle schön gleich und die Mamis und Papis werden dann alle ihrer schönen Karriere nachlaufen.

Sie vergessen, dass es selbst dann eine minderbezahlte Unterschicht geben wird, weil nicht jeder eine supertolle Karriere machen kann und machen will.

olive.info
00
21.2.2011, 15:25
... eine minderbezahlte Unterschicht?

Unter Umständen muss die Gesellschaft den Minderbezahlten eine andere Wertung der Leistung in ihrem Schaffen zubilligen, aber ebenso jene der "Karrieristen" abwiegen, um die "Entlohnung" nicht so differenziert zu halten?

Sambapati
02
21.2.2011, 09:48

na dann hat aber die wirtschaft die möglichkeit, aus allem potanzialen zu schöpfen anstatt bloß einer hochfrisierten minderheitenshow

vielleicht auch die politik, zumindest dürfte der optimal mögliche level erreicht sein - eben aufgrund der von ihnen erwähnten "natürlichen" auslese (was ja wieder optimal ist)

Chanel3
710
21.2.2011, 07:35
QED

und das alles kann man hierselbst tagtäglich tausendemale schön nachlesen.

Wie sich die Herren überschätzen.

Siehe zuverlässig 90% von dem, was zu diesem Thema an Beiträgen kam und sicher noch kommt.

Vor allem hier in Hintertupfingen halten sich die XYler ja noch immer für was Besseres, verstärkt duch die - klarerweise inoffizielle - Männerquote überall.

Danke, Sperl, das hätt ich Ihnen gar nicht zugetraut!

Name d. Red. bekannt
11
21.2.2011, 14:07

woran erkennen sie das geschlecht eines posters?

Lilith Boessse
 
34
21.2.2011, 07:34
Männer sehen sich auch für Spitzenpositionen total geeignet, selbst wenn ihnen soziale Kompetenz völlig abgeht. Frauen hingegen prüfen sich dreimal, bevor sie überhaupt aufzeigen.

genau deshalb ist die quote ja so wichtig!

aber was wir gleich wieder vergessen, vor lauter quote bei den karriere-berufen: was ist mit den anderen berufen und vor allem: wann wird endlich was dafür getan, dass die GEHÄLTER GERECHT bezahlt werden!
dass frauen, die de facto mehr arbeiten zumindest das gleiche gehalt bekommen!!

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