Parlamentarische Opposition schließt sich Protesten an

21. Februar 2011, 10:38
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Parteien-Allianz will gemeinsam mit der Jugend "gegen Repression, Tyrannei und Korruption demonstrieren" - Präsident Saleh bietet Dialog an

Aden - Im Jemen hat sich die parlamentarische Opposition am Sonntag der Protestbewegung gegen den seit Jahrzehnten regierenden Staatschef Ali Abdallah Saleh angeschlossen. In einer in Sanaa veröffentlichten Erklärung des gemeinsamen Forums, einer Allianz der parlamentarischen oppositionellen Kräfte, hieß es, alle seien aufgerufen, "sich den Jungen anzuschließen, die gegen Repression, Tyrannei und Korruption demonstrieren".

Die seit dem 13. Februar andauernden Proteste gegen die jemenitische Staatsführung wurden am Sonntag fortgesetzt. Die Polizei hat am Montag in der Stadt Aden im Süden des Landes einen Demonstranten erschossen. Er sei zunächst verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden und dort seinen Verletzungen erlegen, sagten die behandelnden Ärzte der Nachrichtenagentur AFP. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, einer von ihnen schwer, hieß es weiter. Nach Augenzeugenberichten schossen die Polizisten aus zwei Fahrzeugen heraus in die Menge. Anhänger von Staatschef Saleh waren in den vergangenen Tagen mit Messern, Knüppeln und Steinen gegen die Regierungsgegner vorgegangen.

Erst am Sonntag war in Aden ein Demonstrant getötet worden, als die Polizei hunderte Teilnehmer einer Kundgebung mit Tränengas auseinandertrieb. Damit starben seit dem Beginn der Proteste gegen die Staatsführung am 13. Februar allein in der Hafenstadt zwölf Regierungsgegner. Saleh hatte angesichts der Protestwelle den Verzicht auf eine weitere Kandidatur nach dem Ende seiner Amtszeit im Jahr 2013 sowie politische Reformen angekündigt. Die Demonstranten fordern jedoch seinen sofortigen Rücktritt.

Präsident Ali Abdullah Saleh hat der Opposition am Sonntag einen Dialog angeboten. Saleh erklärte vor Geschäftsleuten und Lokalpolitikern in der Hauptstadt Sanaa, er sei bereit, über alle "legitimen Forderungen" zu sprechen. "Wir bedauern auch, dass einige Journalisten bei den gewalttätigen Protesten in Mitleidenschaft gezogen wurden", sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Saba.

Seit der vorvergangenen Woche demonstrieren Regimekritiker, darunter Studenten, in den Städten Sanaa, Aden und Tais für einen Wechsel an der Spitze des jemenitischen Staates. Präsident Saleh hat zwar versprochen, bei der nächsten Präsidentenwahl nicht mehr anzutreten. Doch dies reicht ihnen nicht. Seit Mitte der Woche sind im Jemen mindestens fünf Menschen bei Demonstrationen ums Leben gekommen. Außerdem gab es zahlreiche Verletzte. (APA)

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    Präsident Saleh bot der Opposition am Sonntag einen Dialog an.

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