Der Trost, die Logik und der gemeine Fendrich

20. Februar 2011, 11:16
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Jean-Baptiste Grange aus Frankreich siegt im Slalom. Hinter Jens Byggmark und Manfred Mölgg bleibt Mario Matt ein denkbar undankbarer vierter Platz. Der ÖSV ist dennoch zufrieden mit der 41. WM. Die 42. folgt in Schladming.

Garmisch-Partenkirchen - Rainhard Fendrich konnte gar nichts dafür, er dreht sich ja - meistens - nicht selbst auf und ab. Am Sonntag jedenfalls, am Ende der 41. Ski-WM, ist Rainhard Fendrich als Misston dahergekommen. Hatte ein Slalomfahrer im Finale eingefädelt, so schallte es den Hang hinauf und durchs Ziel: "Es tuat so weh, wenn ma verliert."

Der Österreicher Fendrich passte am Ende nur insofern, als kein torlaufender Landsmann das Stockerl zierte. Mario Matt hatte es als Vierter einerseits denkbar knapp, andererseits um 0,21 Sekunden verpasst. Und der Tiroler sagte denn auch: "Bei der WM brauchst du den vierten Platz natürlich nicht." Matt mag sich damit getröstet haben, dass er zweimal schon Slalom-Weltmeister war. Und er tröstete sich auch damit, dass er im Dezember noch im Europacup seine Form suchte. "Es gibt einen verdienten Sieger heute", sagte Matt. "Allen dreien kann man nur gratulieren."

Der verdiente, logische Sieger hieß Jean-Baptiste Grange, dem 26-jährigen Franzosen folgten Jens Byggmark aus Schweden und Manfred Mölgg aus Italien. Mit Grange, der auch in Kitzbühel und Schladming gewann, und Mölgg hatte man rechnen müssen, mit Byggmark weniger. Er überraschte mit Startnummer 18 schon als Sechster im ersten Durchgang auf schwieriger, weil schmieriger Piste, die speziell Läufern mit hohen Nummern zusetzte.

Angezipfter Titelverteidiger

Titelverteidiger Manfred Pranger landete auf Rang neun und war "gscheit angezipft". Er suche seit Saisonbeginn seine Form, fühle sich außerdem auf eisiger Piste wohler. Ähnliches gilt für Reinfried Herbst, der im zweiten Durchgang scheiterte. Sowohl Pranger als Siebenter als auch Herbst als Zehnter waren vor dem Finale allerdings besser gelegen als Matt, der seine Medaillenchance wohl eher im ersten Durchgang mit der 15. Zeit vergab denn mit der Bestzeit im zweiten. Und oft war zu hören, dass die Bedingungen prädestiniert gewesen wären für Marcel Hirscher, vielleicht auch für Benjamin Raich, die verletzungsbedingt fehlten.

Österreichs Herren schlossen also mit zwei Medaillen ab - Super-G-Silber durch Hannes Reichelt und Riesentorlauf-Bronze durch Philipp Schörghofer. Dazu kamen drei vierte Plätze durch Raich (Super-Kombi), Romed Baumann (Abfahrt) und eben Matt. Den Sieg im Medaillenspiegel sicherten die Damen mit vier Goldenen und einer Silbernen. ÖSV-Sportdirektor Hans Pum war "sehr stolz auf das ganze Team, vor allem darauf, wie mit den vielen Herren-Ausfällen umgegangen wurde. Man ist nicht in Selbstmitleid verfallen, sondern hat nach vorne geschaut."

Die Österreicher freuen sich auf die nächste WM, die in zwei Jahren in Schladming steigt. Was Mario Matt betrifft, der 2001 und 2007 schon Gold geholt hat, würde 2013 sowieso gut passen. Vielleicht, dass sie dann "I am from Austria" auflegen. Oder zumindest "Es lebe der Sport". (fri, DER STANDARD Printausgabe 21.02.2011)

 

  • Der letzte Kuss von Garmisch-Partenkirchen: Jean-Baptiste Grange und 
seine Slalom-Goldene.
    foto: epa/peter kneffel

    Der letzte Kuss von Garmisch-Partenkirchen: Jean-Baptiste Grange und seine Slalom-Goldene.

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    Ein skeptischer Blick nach der Bestzeit im zweiten Durchgang: Ob das für eine Medaille reichen wird?

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