Die einzig logische Weltmeisterin

19. Februar 2011, 18:03
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ÖSV-Doppelsieg: Marlies Schild hat endlich ihre Goldmedaille, Kathrin Zettel feiert den zweiten Platz vor Maria Pietilae-Holmner

Garmisch-Partenkirchen - Die österreichischen Damen haben am Samstag ihren sensationellen Auftritt bei der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen gekrönt. Topfavoritin Marlies Schild behielt im Slalom auf dem Gudiberg die Nerven und holte ihre heiß ersehnte erste Einzel-Goldmedaille, Silber ging an Teamkollegin Kathrin Zettel. In den fünf Damen-Einzel-Bewerben in Bayern hat die Truppe von Cheftrainer Herbert Mandl viermal Gold und einmal Silber erobert, das ist die beste WM-Bilanz aller Zeiten.

Das Lachen im Gesicht von Schild verschwand nach der Zieldurchfahrt minutenlang nicht, dann wurde es von Freudentränen abgelöst. Die Erleichterung bei der 29-Jährigen war gewaltig. "Ich kann es noch gar nicht glauben, endlich steht der Einser da", jubelte Schild, die zuvor fünfmal Silber bei Großereignissen gewonnen hat. Schild nutzte die Startnummer 1 perfekt aus, damit hat diese Nummer nach den beiden Riesentorläufen (Tina Maze, Ted Ligety) bereits zum dritten Mal in Serie in Garmisch-Partenkirchen Gold gebracht.

Ein großes Danke von Schild ging nicht nur an Trainer Stefan Bürgler, sondern auch an ihren Freund Benjamin Raich, der sich am Mittwoch im WM-Teambewerb eine schwere Knieverletzung zugezogen hat. "Es war wirklich nicht leicht, was in den letzten Tagen passiert ist. Ich hab mit dem Benni vor dem zweiten Durchgang telefoniert und er hat mir richtig gut zugesprochen. Ich hoffe, dem Benni geht's jetzt auch wieder besser", meinte die erste ÖSV-Slalom-Weltmeisterin seit 1993 (Karin Buder). Einen WM-Doppelsieg im Damen-Slalom hatte es zuletzt 1950 in Aspen durch die Österreicherinnen Dagmar Rom vor Erika Mahringer gegeben.

Die Siegerin von fünf Saison-Slaloms im bisherigen Weltcup-Winter hat dem großen Druck standgehalten. Auch als sie als Halbzeit-Führende als Letzte am Start gestanden war. "Ich habe versucht, nicht daran zu denken, dass es um eine Goldmedaille geht. Es war ein Höllenritt. Ich habe viele Fehler gemacht, aber ich habe mir nur gedacht: 'Kämpfen, kämpfen, kämpfen.' Und es ist sich ausgegangen."

Zettels Traum

Freudentränen gab es auch bei der zweitplatzierten Zettel. "Es ist ein Traum, dass ich das geschafft habe. Das tut so gut. Meine Nervenanspannung war ungemein groß. Ich hab mich richtig zusammenreißen müssen, dass ich keinen Blödsinn machte", gestand die Niederösterreicherin. Zettel war auch beim Weltcup-Finale 2010 auf dem Gudiberg Zweite gewesen - hinter Schild.

Auch die anderen zwei Österreicherinnen Michaela Kirchgasser und Nicole Hosp waren zur Halbzeit noch in der Nähe des Podests gewesen. Doch Nicole Hosp fiel nach schwerem Fehler vom siebenten Rang noch weit zurück, Kirchgasser schied nach Platz sechs mit einem Einfädler aus. "Ich wollte alles riskieren und nach vorne kommen. Leider ist es in die Hose gegangen, aber ich hab's probiert und kann mir nichts vorwerfen. Ich bin froh, dass ich gesund bin und freue mich auf die Heim-WM in zwei Jahren", bilanzierte Hosp.

Ähnlich erging es Kirchgasser. "Ich wollte attackieren und habe meine Nerven gut im Griff gehabt. Dann habe ich leider eingefädelt, das ist im Slalom sehr schnell möglich. Ich kann mir nichts vorwerfen", sagte Kirchgasser. Bronze eroberte die Schwedin Maria Pietilae-Holmner, Lokalmatadorin Maria Riesch wurde Vierte.

Glücklicher Chef

Damen-Teamchef Mandl war angesichts der Leistungen seiner Truppe logischerweise euphorisch. "Wahnsinn, sensationell, ich bin überglücklich. Ich gratuliere dem gesamten Team, das wirklich hart gearbeitet hat. Marlies ist die würdigste Weltmeisterin, die man sich vorstellen kann. Viermal Gold, damit haben wir nicht einmal in den kühnsten Träumen gerechnet", jubelte der Niederösterreicher. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel berichtete wenige Minuten nach dem Rennen, dass Bundespräsident Heinz Fischer bei ihm angerufen und seine Glückwünsche übermittelt habe.

Eine positive Begleiterscheinung ist, dass Österreichs Damen bei der WM 2013 in Schladming gleich in vier Disziplinen einen zusätzlichen Startplatz haben. Davon könnte auch Marlies' Schwester Bernadette profitieren, die gemeinsam mit den Eltern Rosi und Josef mitfeierte. "Das ist die Krönung ihrer Karriere, die Goldene hat ihr immer gefehlt. Es gibt keine würdigere Weltmeisterin", sagte auch die 21-Jährige, die in der Slalom-Qualifikation gegen Kirchgasser auf der Strecke geblieben war. (APA)

Österreichs Slalom-Weltmeisterinnen:

 1933 Innsbruck: Inge Wersin-Lantschner
1936 Innsbruck: Gerda Paumgarten
1950 Aspen: Dagmar Rom
1954 Aare: Trude Klecker
1962 Chamonix: Marianne Jahn
1978 Garmisch: Lea Sölkner
1993 Morioka: Karin Buder
2011 Garmisch: Marlies Schild
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    Marlies Schild kann es kaum fassen ...

  • ... aber Gold ist ihr endlich nicht mehr zu nehmen.
    foto: epa/kneffel

    ... aber Gold ist ihr endlich nicht mehr zu nehmen.

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    Auch nicht schwach: Frau Zettel.

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