Freigelassene Reporter zurück in Deutschland

20. Februar 2011, 08:16
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Merkel und Angehörige erleichtert - Auch Kritik an Teheran-Reise von Westerwelle

Teheran/Berlin - Nach mehr als vier Monaten in iranischer Haft sind die beiden "Bild-am-Sonntag"-Reporter wieder in Deutschland. Wie ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes bestätigte, landeten sie begleitet von Außenminister Guido Westerwelle Sonntag früh auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Der FDP-Chef war eigens in die iranische Hauptstadt geflogen, um die beiden Journalisten mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen.

Geldbuße von je 35.700 Euro

Die beiden Journalisten waren am Samstag in der iranischen Provinzhauptstadt Täbris freigelassen worden. Sie waren am 10. Oktober 2010 beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Ashtiani zu interviewen. Die Frau war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden. Nach offiziellen Angaben mussten die beiden Deutschen jeweils 35.700 Euro Geldbuße zahlen.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit großer Erleichterung auf die Nachricht von der Freilassung. "Ich bin sehr froh, dass Marcus Hellwig und Jens Koch endlich als freie Menschen zu uns nach Deutschland zurückkehren können", sagte Merkel "Bild am Sonntag". Sie dankte "allen im Auswärtigen Amt in Berlin und der deutschen Botschaft in Teheran, die in den letzten Monaten unermüdlich für diese Freilassung gearbeitet haben."

Mit großer Freude und Erleichterung reagierten auch die Angehörigen der beiden Reporter der "Bild am Sonntag" auf die Freilassung. Die Schwestern von Marcus Hellwig (45), Miriam Lobinsky und Christina Hellwig, sagten am Samstagnachmittag dem Blatt: "Wir sind dankbar und glücklich und freuen uns, dass das lange Bangen und Hoffen doch noch ein gutes Ende gefunden hat." Hellwigs achtjährige Tochter Hannah sei überglücklich, genauso wie ihre Mutter, ließen die Schwestern wissen.

"Da heulen sie als Vater einfach nur vor Freude"

Der Vater des Fotografen Jens Koch, Andreas Hartmann, sagte über den Moment, an dem er von dem Freikommen erfuhr: "Mir sind die Tränen in die Augen geschossen. Da heulen Sie als Vater einfach nur vor Freude. Ich glaube, ich habe am Telefon gar nichts gesagt, nur zugehört und hemmungslos geweint. Ich zittere immer noch. Dann bin ich zum Fernseher. Ich wollte in den Nachrichten sehen, was ich eben gehört hatte."

Vor dem Rückflug sprach Westerwelle in Teheran mit dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad und Außenminister Ali Akbar Salehi. Westerwelle dankte nach Angaben seines Amtes allen, die an der Lösung mitgewirkt hatten. Er sei erleichtert, "dass der Fall der beiden deutschen Staatsangehörigen gelöst werden konnte." Westerwelle ist seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der den Iran besucht. Zuletzt war sein Vorgänger Joschka Fischer (Grüne) im Oktober 2003 in Teheran zu Gast. Der Iran steht wegen seines Atomprogramms und Menschenrechtsverstößen international heftig in der Kritik.

Exil-Opposition kritisiert Westerwelles Reise

Die iranische Exil-Opposition "Nationaler Widerstansdrat" (NWRI) kritisierte die Iran-Reise des deutschen Vizekanzlers. Westerwelle würde durch das Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen einem bereits "bankrotten Regime" neue Hoffnung machen und es zu weiteren Repressionen gegen das Volk ermutigen, hieß es in einer Aussendung.

Der iranische Außenminister Salehi wies kategorisch zurück, dass die spontane Kurzreise des detschen Außenministers und das Treffen gegen Mitternacht Ortszeit, nur wegen der beiden freigelassenen deutschen Reporter erfolgt sei. "Das Ziel der Reise war es, wichtige bilaterale und internationale Themen anzusprechen." Es habe "Übereinstimmungen, aber auch Meinungsverschiedenheiten" gegeben.

Westerwelle erläuterte, dass er als Außenminister die Aufgabe habe, die Interessen deutscher Staatsbürger wahrzunehmen. Seine Reise habe in diesem Zusammenhang gestanden. "Es war nicht der Tag der großen Verhandlungen", sagte der Außenminister. Dennoch habe er die Gelegenheit gehabt, zum ersten Mal persönlich mit seinem iranischen Amtskollegen ein Fachgespräch zu führen.

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sagte: "Wir freuen uns sehr, dass nach so langer Zeit die Reporter Jens Koch und Marcus Hellwig wieder frei sind." Er dankte allen, die zur Freilassung beigetragen hätten. "Besonders danken wir dem Auswärtigen Amt und Bundesminister Guido Westerwelle, der sich mit großem persönlichem Engagement unermüdlich für die Freilassung der beiden Reporter eingesetzt hat und dessen Bemühungen schließlich erfolgreich waren."

Der Fall war eine Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Deutschland und dem Iran. Am 27. Dezember bestellte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter ein, nachdem an Weihnachten ein Treffen mit Verwandten verweigert worden war. Kurz danach durften die Angehörigen die beiden Männer in einem Hotel in Täbris für mehrere Stunden sehen. Zuletzt hatte sich der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Wolf-Ruthart Born, Ende Januar im Iran um die Freilassung der beiden Reporter bemüht. (APA/dpa/AFP)

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    Außenminister Guido Westerwelle bei Präsident Mahmud Ahmadinejad in Teheran. Eine deutsche Fahne, wie sie bei derartigen diplomatischen Anlässen üblicherweise im Hintergrund aufgestellt wird, war im Iran auf die Schnelle offenbar nicht aufzutreiben.

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    Jens Koch und Marcus Hellwig am Flughafen von Teheran.

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