Bis zu 20.000 Linksliberale blockieren Aufmarsch von Rechtsextremisten - 82 Beamte teilweise schwer verletzt
Dresden - Bis zu 20.000 Menschen haben am
Samstag in Dresden gegen Aufmärsche von Neonazis demonstriert.
Während der Großteil der Demonstranten friedlich mit Mahnwachen,
Musik und Gebeten gegen die Rechtsextremen protestierte, kam es am
Rande zu schweren Ausschreitungen zwischen der Polizei und linken
Aktivisten. Nachdem gewaltbereite Linke Absperrungen durchbrochen und
Barrikaden gebaut hatten, setzte die Polizei Knüppel und Wasserwerfer
ein, um die Gruppen zu trennen. Nach Polizeiangaben wurden rund 80
Beamte verletzt.
20.000 Gegendemonstranten
Zu den Gegenkundgebungen hatte das Aktionsbündnis
"Dresden-Nazifrei" aufgerufen. Nach seinen Angaben blockierten rund
20.000 Menschen den geplanten Neonazi-Aufmarsch. Viele der
Gegendemonstranten waren aus dem gesamten Bundesgebiet in die
sächsische Landeshauptstadt gereist.
Die Polizei sprach von 12.000 Gegendemonstranten. Darunter seien
3.000 gewaltbereite Demonstranten gewesen, sagte ein Polizeisprecher
am Sonntag. Die Zahl der Rechtsextremen, die sich an verschiedenen
Stellen in Dresden aufhielten, bezifferte die Polizei auf insgesamt
3.000. Sie hatten den 66. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im
Zweiten Weltkrieg zum Anlass für drei Großveranstaltungen genommen.
Gewalttätige Gegendemonstranten durchbrachen im Lauf des Tages
immer wieder Polizei-Absperrungen. In mehreren Gruppen blockierten
sie wichtige Kreuzungen und Straßen, um den Marsch der Neonazis vom
Dresdener Hauptbahnhof zu dem etwa zwei Kilometer entfernten
Versammlungsort zu verhindern. Dabei setzten Linksextreme
Müllcontainer in Brand, warfen mit Steinen auf Polizisten und
errichteten brennende Barrikaden. Die Gegendemonstranten
kommunizierten per Twitter und Website-Ticker, um Blockaden zu
verstärken oder vor Polizeieinsätzen zu warnen.
Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein
Die Polizei setzte Wasserwerfer, Schlagstöcke, Knüppel und Reizgas
ein, um ein Aufeinandertreffen der Gruppen zu verhindern. Zahlreiche
Gegendemonstranten, die Polizisten angriffen, kamen in Gewahrsam. Die
Polizei war mit 4.500 Einsatzkräften vor Ort. Die Gewerkschaft der
Polizei sprach von einer "Explosion der Gewalt durch
linksextremistische Straftäter". Polizeipräsident Dieter Hanitsch
sagte, an der Aktion hätten sich auch Mitglieder des Deutschen
Bundestages und des sächsischen Landtages beteiligt. Von der
Brutalität, mit der Rechts- und Linksextreme die Polizei angriffen
hatten, zeigte sich Hanitsch erschüttert.
Das Aktionsbündnis "Dresden-Nazifrei" warf der Polizei vor, auch
gegen friedliche Blockaden vorgegangen zu sein, um den Neonazis den
Weg freizumachen. Einige Dutzend Demonstranten seien "teils schwer
verletzt worden". Eine Sprecherin des Bündnisses erklärte mit Blick
auf die hohe Zahl der Gegendemonstranten, die Bürger Dresdens hätten
sich "von den Drohungen der Stadtverwaltung und der Polizei nicht
abschrecken" lassen.
Auch Abgeordnete unter Gegendemonstranten
An der Gegendemonstration nahmen auch einige Bundestagsabgeordnete
teil, darunter Parlamentsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD).
Thierse kritisierte in der ARD die unterschiedliche Behandlung der
Demonstranten durch die Polizei. "Dass die Polizei, die Justiz, die
Stadtverwaltung den einen alles erlaubt und die anderen einschränkt,
ist ein ziemlich einseitiges Bild." Er halte dies "für die
Verteidigung der Demokratie für ziemlich problematisch".
Die sächsischen Grünen sprachen von einem "erfolgreichen Tag" für
Dresden. Ihr Landesvorsitzender Volkmar Zschocke erklärte zugleich:
"Ausdrücklich verurteilen wir jede Gewalt gegen Polizisten sowie das
unverhältnismäßige, teilweise gewalttätige Vorgehen der Polizei gegen
friedliche Demonstranten."
Unterdessen wurde auch in Leipzig am Samstag ein Aufmarsch von
deutschen Rechtsextremisten verhindert. Die Polizei verbot eine
spontane Kundgebung von rund 500 Neonazis, die mit einem Zug von
Dresden aus in die Messestadt gefahren waren. 700 bis 800
Gegendemonstranten hatten sich nach Angaben eines Polizeisprechers im
und vor dem Bahnhof versammelt. Die Polizei trennte die Lager
konsequent, nach zwei Stunden habe sich die Situation beruhigt.
Im bayrischen Landshut demonstrierten am Abend rund 1.500 Menschen
friedlich gegen Rechts. Mit Kerzen bildeten sie eine Lichterkette in
der Altstadt . Der "Runde Tisch gegen Rechts" hatte zu der
Demonstration aufgerufen. Hintergrund war Medienberichten zufolge,
dass der Rechtsextreme Martin Wiese im Herbst nach Landshut gezogen
war. (APA/Reuters/AFP/dpa)