"The King Of Limbs": Radiohead lassen das WWW Kopfstehen

19. Februar 2011, 10:41
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Neues Album seit gestern als Download erhältlich - Homepage der Band kam immer wieder zum Erliegen

Nun war es also schon einen Tag früher so weit: Die britische Alternative-Band Radiohead hat es sich nach der Ankündigung vom Montag, dass sie ihr neues, mittlerweile achtes Studioalbum "The King Of Limbs" heute online veröffentlichen würden, anders überlegt und ihre Fans bereits am gestrigen Freitag mit den acht (zum Teil) neuen Songs beglückt. Wie bereits beim Release des Vorgängers "In Rainbows" 2007 war die Reaktion im Internet den Erwartungen entsprechend groß, die Homepage der Band kam immer wieder zum Erliegen.

"Lotus Flower"

Eröffnet wurde der Kommentar- und Nachrichtenreigen im World Wide Web aber durch das Video zur ersten Single "Lotus Flower", das bereits kurz zuvor auf YouTube die Runde machte und bis Samstagvormittag mehr als 1,2 Millionen Mal aufgerufen wurde. Der rund fünfminütige Schwarz-Weiß-Film zeigt nur den Sänger der Oxforder-Band, Thom Yorke, wie dieser vor einer Mauer tanzt und vereinzelt Textzeilen mitsingt. Der Song selbst gestaltet sich als klassisches Output der Gruppe und fügt sich nahtlos an zuletzt veröffentlichte Lieder wie "15 Steps": Elektronische Sounds, sehr dominante Percussions sowie eine dezente Melodieführung, über der die eindringliche Stimme Yorkes schwebt.

Verkauf

Kurz darauf kündigte ein Posting des Gitarristen Ed O'Brien auf der Homepage das Ende der Wartezeit an: "Es ist Freitag... Es ist beinahe Wochenende... Wir haben Vollmond. Ihr könnt 'The King Of Limbs' herunterladen, wenn ihr wollt!" Im Unterschied zum Release von "In Rainbows" musste man dafür aber jedenfalls seine Geldtasche zücken: Durften die Fans 2007 noch selbst entscheiden, wie viel ihnen die Songs von Radiohead wert waren, gibt es diesmal Vorgaben. 7 bzw. 11 Euro je nach Audioformat für den herkömmlichen Download und 36 bzw. 39 Euro für ein Boxset inklusive Vinyl- und CD-Version des Albums, das am 9. Mai versandt werden soll. Aufgenommen wurden die Songs erneut mit Radioheads Haus- und Hofproduzenten Nigel Godrich, der Titel wiederum soll auf eine alte Eiche in der Nähe des Studios der Band verweisen.

Hype

Im Unterschied zum Hype um die Veröffentlichung kann aber das Material nicht ganz mit der weltweiten Aufregung mithalten. Noch deutlicher als "Lotus Flower" präsentieren sich die restlichen Vertreter von "The King Of Limbs", von denen einige schon bei Liveauftritten der fünf Musiker zu hören und somit keine gänzliche Überraschung mehr waren, in Richtung Elektronik und Dubstep komponiert: Eröffnet wird das Album mit Klavier-Loops und einer vertrackten Rhythmik bei "Bloom", das sich im Laufe der Zeit mit Streichern und Trompeten sehr orchestral präsentiert, von einem herkömmlichen Rocksong aber weit entfernt bleibt. Und auch Stücke wie "Feral" oder "Morning Mr. Magpie" erinnern eher an die sehr experimentelle und von programmierten Klängen gestützte "Kid A"-Phase der Band, als an gitarrenlastige Songs ihrer Frühzeit, während "Give Up The Ghost" als beinahe konventioneller Popsong sehr reduziert daherkommt.

Begeisterung ungebrochen

Insgesamt entfernen sich Yorke und Konsorten leider zu wenig von bereits ausgetretenen Pfaden, auch wenn die Nähe der neuen Songs zum Solooutput des Sängers - "The Eraser" wurde 2006 veröffentlicht - vielleicht deutlicher gegeben ist als zu den Alben seiner Hauptband. Die Begeisterung im Internet bleibt aber ungebrochen: Die Facebook-Seite von Radiohead wird ebenso wie Twitter mit Kommentaren im Minutentakt überschüttet, Zeitungen, Magazine und Blogs von der New York Times über den New Musical Express bis zu MTV.com berichten über das Album, das am 28. März regulär in die Läden kommen soll. Und mittlerweile verbreiten sich unter den Fans Gerüchte, dass diese acht Titel noch nicht alles gewesen sein könnten. In "Separator", dem letzten Stück des Albums, singt Yorke "If you think this is over, then you're wrong". Es bleibt also spannenden im Hause Radiohead und genug zu lesen, schreiben und diskutieren im World Wide Web. (APA)

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    foto: derstandard.at
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