Das zerstörte Leben der Haremsdame

18. Februar 2011, 22:53
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Nicole Minetti organisierte Berlusconis "Bunga Bunga"-Feste

"Papi ist morgen da. Könnt ihr ein paar flotte Freundinnen anschleppen?" Doch das Fest in Silvio Berlusconis Villa bei Mailand, für das Nicole Minetti am 15. Jänner Gäste sucht, fällt aus. Wenige Stunden nach ihrem abgehörten Telefonat stellt die Staatsanwaltschaft dem Premier einen Ermittlungsbescheid zu.

Die 25-Jährige, die sich wegen Anstiftung zur Prostitution vor Gericht zu verantworten hat, verkörpert perfekt jenen Typus, auf den der Cavaliere abfährt: groß, hübsch, lange Beine, kurzer Rock, üppiges Dekolleté, gute Umgangsformen. In der Tanzschule ihrer britischen Mutter in Rimini eignet sich Nicole jene Ballettkenntnisse an, die ihr für die seichten TV-Shows der Berlusconi-Sender zugute kommen.

Als der geschulte Blick des Cavaliere auf sie fällt, jobbt Minetti für dessen Werbekonzern Publitalia. Die Begegnung ändert ihr Leben schlagartig: Plötzlich taucht sie in jene Welt ein, von der Millionen Mädchen in Italien träumen. Sie geht in Berlusconis Villa in Arcore ein und aus, darf Feste organisieren, erhält eine Wohnung und wertvolle Geschenke - Geld im Überfluss. Bei den Regionalwahlen in der Lombardei bekommt sie einen sicheren Listenplatz und bezieht fortan 10.000 Euro fixes Monatsgehalt.

Im Verhör gesteht die TV-Schönheit ein "intimes Verhältnis" mit dem sechsfachen Großvater. Sie sei sich aber "ihrer Lage nicht ganz bewusst gewesen" , fügt sie entschuldigend hinzu.

Italienweit in die Schlagzeilen gerät die Zahnhygienikerin im Mai 2010, als Berlusconi ihr eine heikle Mission anvertraut: Sie soll die minderjährige "Ruby" von der Polizei abholen. Berlusconi hatte ihre Freilassung angeordnet, da sie eine Verwandte von Hosni Mubarak sei und eine diplomatische Verstimmung drohe. Minetti fühlt sich missbraucht und beschwert sich bei einer Freundin: "Der alte Scheißkerl zerstört mein Leben. Wenn er stürzt, stürzen wir alle."

Den Vorwurf, als Haremsdame des Premiers schlüpfrige Feste organisiert zu haben, weist Minetti zurück. Auf etliche einschlägige Fragen der Staatsanwälte verweigert sie die Antwort.

Eine Freundin, die Nicole nach Arcore einlädt, zeigt sich schockiert von der "Bordellatmosphäre" in der Villa, Minetti schildert die Feste dagegen in einem TV-Interview als "harmlose Abendessen, bei denen der Premier Witze erzählt". Frage des CNN-Reporters: "Hatten Sie Sex mit dem Regierungschef?" Minetti: "Das ist eine Privatangelegenheit, über die ich nicht sprechen möchte." (Gerhard Mumelter/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2011)

 

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