Schwarzgeldkonten

Schweizer Schützenhilfe fürs Bankgeheimnis

András Szigetvari, 18. Februar 2011, 18:59
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    foto: standard/newald

    Bleibt der Tresor für immer zu? Österreich, Luxemburg lehnen weitere Aufweichung des Bankgeheimnisses ab.

Der Plan, Schweizer Schwarzgeldkonten zu legalisieren, behindert die Jagd nach Steuersündern in der EU

Der Plan, Schweizer Schwarzgeldkonten zu legalisieren, behindert die Jagd nach Steuersündern in der EU. Luxemburg und Österreich wollen nicht akzeptieren, dass sie schlechter gestellt werden als die Eidgenossen.

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Wien - Es ist ein großer Tresor, den Deutschland und Großbritannien knacken wollen. Anleger aus den EU-Staaten haben nach Schätzungen 863 Mrd. Franken (665 Milliarden Euro) in der Schweiz gebunkert. Laut dem Finanzdienstleister Helvea ist nicht einmal ein Fünftel dieses Geldes ordentlich versteuert worden.

Die Regierungen in London, Berlin und Bern verhandeln derzeit intensiv über eine Legalisierung des britischen und deutschen Vermögens in der Schweiz. Doch in Bern liegt ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch, der Fortschritte beim EU-internen Kampf gegen Steuerbetrug gefährdet.

"Abgeltungssteuer"

Die Schweiz bietet Deutschland und England die Zahlung einer Abgeltungssteuer an. Die Eidgenossen würden künftig für Zinsen, Dividenden und Kursgewinne von ausländischen Anlegern eine Steuer einheben und das Geld an die Finanzbehörden in London und Berlin weiterreichen. Informationen über Kontoinhaber würden nicht getauscht. Das Schweizer Bankgeheimnis bliebe also gewahrt. Auch Liechtenstein ist an solchen Abkommen interessiert.

Doch die Wahrung des Bankgeheimnisses beim Nachbarn stößt dem österreichischen Finanzminister Josef Pröll und seinem luxemburgischen Kollegen Luc Frieden sauer auf. Sollte das Abgeltungsmodell in der Schweiz kommen, wollen die beiden die Ausweitung eines EU-Steuerabkommens blockieren.

Konkret geht es um die Neuauflage der EU-Zinsrichtlinie. Die seit 2005 geltende Richtlinie schreibt vor, dass EU-Länder Informationen über Zinseinkünfte ausländischer Bürger weiterleiten müssen. Weitergegeben werden dabei auch Daten über Kontoinhaber. Für Österreich und Luxemburg gilt eine Ausnahme: Beide Staaten ziehen eine Quellensteuer von derzeit 20 Prozent ein, reichen zwei Drittel des Geldes weiter, der Bankkunde kann anonym bleiben.

Österreich, "unverschämte Steueroase"

Die Neuauflage der Zinsrichtlinie hätte alle Staaten zur vollen Datenweitergabe verpflichtet. Zudem wären erstmals Informationen über Konten juristischer Personen erfasst worden. Die ungarische EU-Ratspräsidentschaft wollte noch im Mai die Einigung.

"Es kann nicht sein, dass wir als EU-Land schlechter gestellt werden als die Schweiz", heißt es aber jetzt im Finanzministerium in Wien. Österreich und Luxemburg wollen zunächst die Verhandlungen der Schweizer abwarten. Sollte die Abgeltungssteuer kommen, planen Wien und Luxemburg an ihrer Ausnahmeregelung festzuhalten. Für Gruppen wie das Tax Justice Network ist die EU-Zinsrichtlinie das "wichtigste Instrument im Kampf gegen Steueroasen".

Entsprechend heftig fällt daher die Kritik an der Blockadepolitik aus. "Österreich ist eine unverschämte Steueroase. Mit der Aktion wird das Land seinem Ruf gerecht", sagt der britische Steuerhinterziehungsjäger Richard Murphy. "Ich würde für Sanktionen gegen Österreich plädieren."

Der Dieb stiehlt weiter

Im Finanzministerium in Wien wird aber nicht nur mit den gleichen Spielregeln für alle argumentiert. Das Kernproblem sei nicht das Bankgeheimnis, sondern die anonymen Trusts der britischen Kanalinseln und die anonymen Stiftungen in Liechtenstein. Auch die neue Zinsrichtlinie ändere an der Möglichkeit dieser "steuerschonenden" Konstruktionen im Grunde nichts.

Österreichs Blockadepolitik sei die einzige Möglichkeit, um Druck auf die EU-Kommission auszuüben, damit sich auch bei Trusts und Stiftungen etwas fortbewegt. Murphy dazu: "Österreichs Argument ist in etwa so, wie wenn ein Dieb sagt, ich stehle weiter, solange auch die anderen nicht damit aufhören." (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
Steinbock1959
00
20.2.2011, 13:35

Die feinen Eidgenossen wollen halt mit dem geringst möglichen Übel davonkommen.

dasandere
01
20.2.2011, 08:16
Es sei zu beachten,

dass sich hier Politiker und Ministerialbeamte europaeischer Laender darum streiten, nur ja die reichsten Kapitalisten zu protegieren!

Genau DAS ist das Problem.

natoll
01
19.2.2011, 23:01

es liegt natürlich nicht nur an den hohen steuern. die gier ist unermesslich und es würde auch bei 10% noch hinterzogen.

der skandal ist das die schweiz (und teilweise ja auch österreich) diesen betrug decken. und es jedem egal ist.

Reich sein muss sich lohnen!
15
19.2.2011, 20:50
Weg mit dem Bankgeheimnis

Es dient einzig und alleine dazu die Vermögenden davor zu "schützen" ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Entropix
00
20.2.2011, 13:43
obwohl

"leider nein" reich, habe ich was gegen jede Art von Datenschnüffelei. Es gibt auch andere Wege .... ;-)

C’est la vie
 
08
19.2.2011, 17:46
"der britische Steuerhinterziehungsjäger Richard Murphy. "Ich würde für Sanktionen gegen Österreich plädieren."

ohne Steuerhinterziehnung irgendwie verteidigen zu wollen...

Anguialla. Atigua, Barbados, Bermuda, Virgin Islands, Gibtaltar, Grenada, Isle of Man, Cayman Islands, Turks and Caicos, St. Kitts, St. Vincent ... - überall ist die englische Königin offiziell Staatsoberhaupt .... so als kleiner Denkanstoss für den Herren - wegen den Sanktionen .....

somussesnichtsein
33
19.2.2011, 14:30
DAS ist wieder einmal geplanter Betrug

am arbeitenden Menschen.

Einfaches Programm zu Steuersenkung:

ALLE EINKÜNFT müssen offengelegt werden und erhöhen dann das jeweilige steuerpflichtige Einkommen.

Sind diese nicht zuordenbar so wird eine 60% Steuer automatisch abgezogen werden.

NoPod
03
19.2.2011, 12:03
Raubtier Kapitalisten kurz ÖVP...

... Pröll und Freunde wie Grasser, FPÖ Meischberger, Rumpold und andere mutmaßlich kriminelle Elemente kämpfen darum, sich weiter bereichern zu können.

Weg damit.

Alternativ dazu könnte man alle diese Heuschrecken gesellschaftlich ächten. Aber dazu gibt es viel zu viele Heuchler und Arschkriecher die hoffen dass auch für sie ein paar Brösel abfallen. Bin nicht sicher wer verachtenswerter ist.

?und
01
19.2.2011, 13:22
jetzt fragens bitte den genossen nowotny, warum er nichts zur bekämpfung der kriminellen elemente beiträgt

dieser mann weiß genau, wieviele milliarden ausländischen geldes bei und versteckt ist und hält ganz schön seinen schlapfen - nur mit dem kopf gegen die vp-en wand zu rennen bringts halt auch nicht.

Alpendollar
01
19.2.2011, 08:26
Na das mit dem Dieb ist nicht so

Man kann es auch so rum sehen das Steueroasen nicht nur in Österreich abgeschafft werden sondern auch auf den Kanalinseln weil Großbritannien ist ja auch ein EU-Land nur das wollen die Britten natürlich wieder nicht hören. Außerdem ist Österreich keine Steueroase mehr. Wie im Bericht oben zu lesen ist werden seit 2005 die Zinserträge sehr wohl abgeführt und ein Teil ins Heimatland überwiesen. Lichtenstein und Schweiz heben keine Steuern ein auf Assets von EU-Bürgern.

José Atento
11
19.2.2011, 15:34
Bei den Dividenden von Schweizer AGs

werden bei mir als Österr. 35% Quellensteuer von der Schweiz einbehalten. Zusätzlich behält Österreich noch die Mindest KESt von 10% ein. Insgsamt 45% Abzug!

Das zum Thema Aktionäre zahlen angeblich keine oder zu geringe Steuern, wie es von den Linken immer propagiert wird.
.

el locombiano
00
19.2.2011, 23:42

sie meinen die "Verrechnungssteuer"?

José Atento
00
22.2.2011, 14:10

Nein diese Steuer heißt Quellensteuer, denn sie wird an der Quelle abgezogen.

Lord of all the Losers
01
19.2.2011, 17:31

alles was sie über 25% zahlen, können sie sich vom fiskus wieder zurückholen.

José Atento
00
21.2.2011, 11:27

Haben Sie das schon einmal für ein paar Euros versucht?

Zuerst lange Formulare von österr. Finanzamt ausfüllen und bestätigen lassen. Dann Antrag beim ausländischen Finanzamt,...

Attac
01
19.2.2011, 07:57
Pröll führt "Abwehrschlacht"...

gegen Steuertransparenz.

...http://www.attac.at/9331.html

Thomas North
105
18.2.2011, 23:16
zu hohe Steuern

In frühen Zeiten haben die Bauern das Gold noch vergraben um es vor dem Zugriff des Adels zu schützen. Es gibt immer Wege das zu Geld zu vestecken. Das ist ein Kampf der nicht zu gewinnen ist bei Steuern von 50% ... da muss man ansetzten. max 10% Steuern wäre das Rezept

Reich sein muss sich lohnen!
10
19.2.2011, 20:55
Die Vorderung nach niedrigeren Steuern ist so schwachsinnig

Was haben die Bauern den damals für ihre 10% bekommen?
Konnten die alle Schulden besuchen? Hatten sie die Möglichkeit zu Studieren? Gab es eine Krankenversicherung?

Und sie sollten auch nicht vergessen, dass der Staat nicht der einzige ist der den "Bauern" in die Tasche greift.
Was ist zum Beispiel mit den Dividenden welche die Aktionäre bekommen - dafür hat auch ein "Bauer" gearbeitet.

Der Unterschied: Vom Staat bekommt man etwas zurück, der Teil den sich die Aktionäre nehmen ist weg.

das liebe urmili
01
20.2.2011, 16:17
Träumer

Die Leistungen, die der Staat mithilfe unserer Steuergelder vollbringt, könnte jede private Organisation billiger und effizienter Vollbringen.

Ob Post, Bahn oder Infrastruktur. Alles Horte der Verschwendung und Ineffizienz. Und um diese Moloche zu erhalten werden wir alle bis aus letzte Hemd geschröpft.

so siehts aus.

qwertztt
00
19.2.2011, 20:46

Die Bauern hatten damals Gold? Und was hilft das vergraben, wenn die Abgaben meist festgelegt waren?

José Atento
30
19.2.2011, 15:38
Richtig

Es gibt Steuersätze bei denen die Leute versuchen werden die Einkünfte zu verstecken, da sie der Meinung sind, dass die Steuern unverschämt hoch sind und dass diese Steuern zu wenige Leute bezahlen.

Weniger hohe Steuern bringen mehr Steuerehrlichkeit und dadurch letzten Endes wieder mehr Steuereinnahmen.

Man sollte einmal nach SK blicken wo es eine relativ niedrige flat-tax gibt, ob die auch SO viele Steuerflüchtlinge haben?

ja dann
24
19.2.2011, 09:32
ist es heute anders herum

waren es früher die Bauern, die ihr Geld vergruben, ist es heute der "Geldadel" der das Geld vor dem Zugriff der Gesellschaft, also der "Bauern", vergraben. Das ist ein erheblicher Unterschied.

José Atento
00
19.2.2011, 15:40
Nein,

denn durch die permanente Geldentwertung durch die Regierungen werden allen Bürgern die Ersparnisse langsam aber sicher genommen.

D.h. jeder Bürger, der Ersparnisse hat, sollte sich versuchen gegen diese Machenschaften abzusichern, nicht nur der Geldadel. Dieser hat sowieso ganz andere Möglichkeiten. Dieser kann das Risiko weltweit streuen!

Thomas North
22
19.2.2011, 11:05

der Adel hat früher den Zehnten, 10% genommen. Jetzt nimmt der neue Adel Staat 50% von Bauern und Mittelstand. Da ist es klar dass die Bürger Wege suchen um zu überleben. Das macht nicht nur der 'Geldadel' - auch Bauern, Arbeiter und sogar Sozialhilfeempfänger. Das einzige Mittel ist runter mit den Steuern.

NeoProgressive
00
19.2.2011, 17:29

Sie sind also der Meinung der Zehnt im Mittelalter war tatsächlich nicht mehr als 10 %? Lernen Sie Geschichte!

Und wie lautet ihr anderes Argument? Steuern runter, damit ausgerechtnet die Sozialhilfeempfänger nicht zuz kurz kommen?

Sie kann man wirklich nicht ernst nehmen. Glauben wohl einfach nur, dass SIE zu viel Steuern zahlen.

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