Doktor der Gratis-Pedanterie

18. Februar 2011, 18:30

Sinnfrei aufschäumen, entschärfen, ausbremsen - darin besteht Freiherr von Guttenbergs philologische Eigenleistung - Doch qualifiziert er sich nicht gerade damit für unser politisches System? - Von Burkhard Müller-Ullrich

Wenn man schon Abitur haben muss, um eine Azubistelle als Koch zu bekommen, verschiebt sich unser akademisches Titel- und Status-System natürlich ins Österreichische. Ohne Doktor wird man schon von keinem Taxifahrer mehr ernst genommen, denn der ist selbst Doktor. Außerdem ist er Wähler, und die Vermutung lautet, dass man als Politiker eher gewählt wird, wenn man promoviert hat. Mit dieser Begründung wurde letztes Jahr im münsterländischen Steinfurt sogar die Wahl eines Bundestagsabgeordneten angefochten, weil sich herausgestellt hatte, dass er einen falschen Titel führte.

Im deutschen Bundestag sitzen rund 20 Prozent Doctores, im Bundeskabinett sind es 70 Prozent. Und die Kanzlerin ist zu 100 Prozent promoviert, was man vom Verteidigungsminister so nicht mehr sagen kann. Jetzt geht es darum festzustellen, wie viele Promotionsprozente ihm abgezogen werden müssen für das beharrliche Benutzen von Steuerung-C, Steuerung-V, Steuerung-C, Steuerung-V.

Angesichts der gängigen Fremdtext-Durchmischung alles im Google-Zeitalter Geschriebenen hat sich im akademischen Milieu natürlich längst der achselzuckende Helene-Hegemann-Gestus durchgesetzt: Jeder verwertet, was er kann.

Okay, dann aber sollte man sich die Verwertungskunst als solche mit der Lupe ansehen, und da macht Guttenberg eine ausgesprochen schlechte Figur. Um die von ihm plagiierten Passagen zu maskieren, ersetzt er die Formulierung "im Nachhinein" durch "ex post". Er fügt geschwätzige Füllwörter ein, aus "müssen" macht er "dürfen", und eine im Original "lebhaft" geführte Diskussion wird bei Guttenberg zu einer "lebhaft, zuweilen unmäßig" geführten Diskussion.

Es ist diese Form von aufgeblasener Gratis-Pedanterie, die der gegenwärtige Enthüllungsrausch peinlich offenbart. Sie sagt etwas über den Autor, das jenseits aller Worte liegt. Verdünnen, entschärfen, ausbremsen, verwässern - darin besteht seine philologische Eigenleistung.

Doch qualifiziert er sich nicht gerade damit für unser politisches System? Verrät nicht genau diese Art und Weise der sinnfreien Aufschäumung des kaltschnäuzig Geklauten die Begabung zum Minister?

Nach der Abschaffung des Adels und vor der Einführung der schwarzen HON-Circle-Karte bei 'Miles and More' klaffte in Deutschland eine Hierarchielücke. Die wurde mit akademischen Titeln gefüllt, welche zum großen Erstaunen ausländischer Grenzbeamter sogar in Personalausweise und Pässe gedruckt werden. Selbst der Spross eines bedeutenden fränkischen Rittergeschlechts, Freiherr von und zu Guttenberg, bildet sich darauf etwas ein. Einbildung ist eben auch eine Bildung.(Burkhard Müller-Ullrich, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.2.2011)

BURKHARD MÜLLER-ULLRICH ist freier Publizist in Köln und Mitglied des Online-Autorennetzwerks "Achse des Guten" (achgut.de).

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    Posting 1 bis 25 von 143
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    also dann ...
    00
    28.2.2011, 10:42
    guttenberg ... ist ein angeber, lügner und betrüger, sonst nichts !

    http://www.heise.de/tp/r4/art... 259/1.html
    "Doch nicht nur in Bezug auf seine Erfahrungen im Familienbetrieb neigte zu Guttenberg gern zu Übertreibungen. Er habe mit teilgenommen "an einem Gang, den die Familie mit begleitet hat"
    - und zwar f e d e r f ü h r e n d...,
    erklärte Guttenberg im Februar 2009. Gemeint ist der Börsengang des Rhön-Klinikums im Jahr 1988.
    da war er gerade einmal 1 7 ( ! ) Jahre alt...
    siehe - 13.02.2009
    Rhön-Klinikum hatte einen m i n d e r j ä h r i g e n IPO-Berater ...
    http://www.gsc-research.de/blog/inde... ab2041c7a0

    apostata1
     
    00
    20.2.2011, 17:06
    eine österreichische lösung

    der wissemschaftl.dr.wird ihm aberkannt, dafür wird er taxfrei zum Dr.h.c=honoris causa ernannt. was der mann (sich) schon geleistet hat, dem steht schon längst ein Ehrendoktorat zu. bei einem Dr.h.c. ist sichergestelt, dass der promovierte nirgends abgeschrieben hat oder abschreiben brauchte.!

    G e o r g
    01
    20.2.2011, 16:32

    Warum schreiben ausgerechnet die intellektuellen Flachwurzler von der Achse des Guten einen Kommentar zu diesem Thema? Das ist ja Leser_innen-Veräppelung.

    somussesnichtsein
    00
    20.2.2011, 16:16
    Keine SPUR von ADEL

    Wenn der nur eine Spur von Adel in sich hätte wäre er schon längst zurückgetreten!

    Aber den Adel gibt es nicht mehr nur mehr degeneriertes G.......

    apostata1
     
    04
    20.2.2011, 15:41
    die blamage der Universität

    die univ bayreuth glaube ich hat seiner arbeit noch ein summa cum laude angehängt.also wenn schon die promotoren so sind unbedarft oder willfährig sind, liegt es nicht nur am promovierten.ich mag diesen adeligen schnösel nicht, aber die univ, die ihn promovierte , noch dazu mit einem summa cum laude, hat sich nochmehr diskreditiert und disqualifiziert.

    heri13
    03
    20.2.2011, 15:54
    der doktorvater hat einen bayrischen ordenvom steuber bekommen.

    die uni wird er wohl auch bedacht haben!
    und jetzt kommt auf.
    VORSÄTZLICHER BETRUG!!
    wenn er wenigsten wotwörtlich abgekupfert hätte,könnte man sagen :die fußnoten vergessen.
    aber der hat in seiner überheblichkeit gedacht, wenn er einige worte ändert,kann er das geschreibsel als das seine ausgeben!
    ein echter schwarzer möchtegern eben .

    wolfgang gaerber
    00
    20.2.2011, 15:24
    Die Amis...

    ... sehen ja lt. Wikileaks in Guttenberg einen Hoffnungsträger ;-)

    Loxoceles
    01
    20.2.2011, 15:59

    Das verwundert auch überhaupt nicht, denn:
    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivo... eil-1.html

    wolfgang gaerber
    00
    20.2.2011, 21:25
    Oh !

    Ein transatlantisches Pferd, programmiert für den Ernstfall.
    Wahrscheinlich gibts einen geheimen Zusatzartikel im deutschen Grundgesetz der die 1000jährige Einflußnahme der transatlantischen Heilsmission regelt.

    Pom-Bär
    00
    20.2.2011, 15:19

    Diese Vorgangsweise qualifiziert nicht nur für die Politik, sondern generell.

    Einzige Ausnahme: wenn man eine universitäre Karriere anstrebt.

    Es muss gar nicht c+p in seiner reinen Form sein, es reichen die unzähligen, zwar formal korrekt, aber lustlos und ohne Interesse geschriebenen Arbeiten.

    Eine Universität produziert in erster Linie Titel, Wissen und Fähigkeiten nur wenn es sich nicht vermeiden lässt.

    Loxoceles
    00
    20.2.2011, 16:00

    Die Politik hat den Unis auch vorgegeben, möglichst viele Absolventen in möglichst kurzer Zeit zu produzieren, damit die Akademikerraten international eine schöne Optik liefern.
    Das kommt dann dabei heraus.

    Pom-Bär
    00
    20.2.2011, 16:12
    Das stimmt natürlich schon.

    Aber auch in den späten 80ern/ frühen 90ern konnte ich bei meinen Kollegen diese Lustlosigkeit am Studieren beobachten.

    Mehrere Faktoren:

    1. Prüfungsabläufe, die taktisches Lernen ermöglichten.

    2. Das verlangte Niveau war zu niedrig. Was möglicherweise auch daran liegt, dass das Massenstudium eine intensive Betreueung vereitelte.

    3. Die später erfolgte Einführung der Beurteilung der Vortragenden senkte das Niveau weiter.

    4. Natürlich spielte auch eine Rolle, dass viele Vortragende didaktisch nicht qualifiziert waren.

    5. Umgekehrt spornten die desinteressierten Studentengesichter die Vortragenden auch nicht gerade zu Höchstleistungen an.

    Schnurz Homunculus
    12
    20.2.2011, 14:42
    "Wenn man schon Abitur haben muss, um eine Azubistelle als Koch zu bekommen, verschiebt sich unser akademisches Titel- und Status-System natürlich ins Österreichische"

    Wozu braucht man einen Deutschen als Kommentator, der das österr. Universitätssystem nicht kennt und trotzdem beleidigt? Azubis gibt es nur in D und auch Abitur gibt es keines in A!

    Möglicherweise stimmt es, dass man als Koch in D Abitur braucht, aber was hat das mit A zu tun, wenn dort das Niveau so niedrig angesetzt wird?

    Nix Genaues woas ma zur Zeit nu ned!
     
    02
    20.2.2011, 13:28
    Hat Guttenberg Rückgrat ...

    ... so muß er zurücktreten!

    Nicht weil er ein bisserl "gecopyt und gepastet" hat ... das macht eh jeder ...

    Sondern weil er im Anlegen strengster Maßstäbe an andere ja sehr, sehr Meter ist ...

    ... und wenn Mister (wie wir nun wissen) Pseudo-Sauber bei anderen derart streng agiert, dann muß er auch bei seinem eigenen Verhalten derlei Maß anlegen ...

    Ein Verbleib in der Regierung wäre eine arge Belastung ...

    steppi1
    04
    20.2.2011, 12:00

    Eigentlich sollte die Verantwortung des MINISTERS anders lauten:
    "Also ich bin blitzsauber und in Bezug auf das Doktorat supernackt. Ich habe nur jemanden gesagt, dass ich gerne einen Doktortitel hätte. Der oder die haben das als Anweisung verstanden.
    Dass die das so unglaublich ungeschickt angestellt haben, habe ich mir nicht vorstellen können."

    Irgendwie freut es mich aber doch sehr, dass mittlerweilen mehr dieser Macheloikes aufgedeckt werden.

    Was Hahn angeht, sind wir Österreicher selbst schuld. Wir fördern so ein System, indem alles lasch behandelt und eiligst unter den Teppich gekehrt wird.

    Natjef Romero
    04
    20.2.2011, 10:07
    Schön und gut,..

    aber in DE haben Politiker noch den Anstand zu gehen. Wie ist es bei uns? Ein Johannes Hahn der Plagiatsvorwürfen mit "alten Zitierregeln" begegnet bzw ein KHG, dem die Ungustlvermutung ins Gesicht geschrieben steht und sich die Frage nur noch darum dreht, wo er sich nicht bereichert hätte...

    NK12
    02
    20.2.2011, 04:55
    Der war noch nie in Österreich ...

    Wieviel Demokratie ist es bitte?
    016
    20.2.2011, 01:38
    In 14 Tagen wird sich herausstellen

    ob die Uni Bayreuth auf einer Ebene mit den hunderten von degree mills weltweit ist, die ihre Postfächer (mangels Campus) irgendwo haben, die Werbung in Rumänien machen lassen, die Urkunden in Israel anfertigen lassen und die Geschäftszentrale z.B. auf Zypern angesiedelt haben.

    Falls die Uni Bayreuth die Idee hat, ernstgenommen werden zu wollen, entläßt sie am besten das Gremium, das Guttenbergs Altpapiersammlung mit summa cum laude bewertete und erkennt ihm den akademischen Grad unverzüglich ab.

    Seit die Drittweltuniversität Wien sich den Hahn nicht robust zur Brust genommen hat, ist von dieser ein ähnlicher Schritt nicht zu erwarten, aber falls Bayreuth mit gutem Beispiel vorangeht, erzeugt das evtl. nochmal Druck auf Wien.

    wumms
    012
    19.2.2011, 23:07
    wos woa eigentlich sei leistung?

    frei nach meischi...

    kronprinz idared
    21
    19.2.2011, 21:46
    Völlige Verkennung der Situation

    Adel arbeitet niemals selbst.
    Er ist sinnstiftend und gibt all jenen Arbeit, die für ihn arbeiten.
    Guttenberg hatte gar nicht die Gelegenheit, abschreiben.

    Natjef Romero
    01
    20.2.2011, 10:09
    Adel und ÖVP ist in diesem Kontext austauschbar

    Loxoceles
    00
    20.2.2011, 16:05

    Das glaube ich nicht. Es gibt zwar (ehemalige) Adelige in der ÖVP, auch in der FPÖ und im BZÖ. Grundsätzlich ist die Struktur der ÖVP aber eher "Beamte, Bauern, kleine Gewerbetreibende". Bauern waren eher das Gegenteil der Adeligen, waren eher Leibeigene oder dgl. Beamten waren zwar oft adelig, im 19. Jhdt kamen allerdings immer mehr bürgerliche dazu. Kleine Gewerbetreibende waren fast nie adelig.

    Austauschbar trifft daher sicherlich nicht zu.

    Loxoceles
    05
    19.2.2011, 23:51

    "Sinnstiftend": Sie meinen, der Adel gibt dem Leben der Untertanen dadurch Sinn, dass die Untertanen für die Adeligen arbeiten "dürfen"?

    Thun23
     
    01
    20.2.2011, 13:03
    Langsam verstehn sie " Herrschaft "

    frank320
    12
    19.2.2011, 20:26
    Betrug

    Die Dissertation ist der wichtigste Bestandteil des Promotionsverfahren und besteht aus einer eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit die beweißt daß der Kanditat selbständig wissenschaftlich arbeiten kann. Betrug ist die auszugweise Übernahme von Fremdtexten ohne Quellenangabe und führt (logischerweise) zur Aberkennung des Titels und hat eine strafrechtliche Konsequenz, in einer Demokratie.

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    Posting 1 bis 25 von 143
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