Vollautomatische Volkszählung

18. Februar 2011, 17:47
21 Postings

Verknüpfung von Daten statt Fragebogen - Religion und Sprache fallen raus

Stell dir vor, es gibt eine Volkszählung und keiner geht hin - aber du wirst trotzdem mitgezählt. Auch in Österreich wird diese statistische Vision nun Wirklichkeit: Künftig werden wie schon in Nordeuropa Bevölkerungszahlen und demografische Merkmale nicht mehr wie zuletzt 2001 direkt per Fragebogen erhoben, sondern durch eine Art Rasterfahndung mit Verwaltungsdaten aus 15 vorhandenen Sammlungen wie Melde- und Gebäuderegister, Sozialversicherungs- und Steuerdatenregister sowie Schulstatistiken und AMS-Daten.

Vorteil der sogenannten Registerzählung: Sie ist schneller und mit zehn Millionen Euro wesentlich billiger als die alte volksnahe Volkszählung (72 Millionen Euro). Nachteil: Merkmale, die nicht in Datenbanken erfasst sind, können auch nicht automatisch erhoben werden. Dazu gehören Beruf, Religionsbekenntnis und Sprachzugehörigkeit.

Sprache und Religion müssen extra beauftragt werden

Da die Frage der Umgangssprache aber zum Beispiel nicht unwesentlich bei der Bewertung und Anerkennung von Minderheiten ist, bleibt die Erhebung der Sprachzugehörigkeit im Volkszählungsgesetz weiter ausdrücklich zugelassen. Dasselbe gilt für Religionszugehörigkeit. Sind in diesen Bereichen aktuelle Daten gewünscht, müssten sie künftig von der Politik extra in Auftrag gegeben werden, erklärt Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria. Dann käme eben wieder der gute alte Fragebogen zur Anwendung; bei Bedarf auch regional begrenzt. Kärnten müsste aber zum Beispiel mehr als eine Million Euro hinblättern, um im Zusammenhang mit zweisprachigen Ortstafeln Daten über Sprachzugehörigkeit zu erhalten.

Die Verknüpfung von Verwaltungsdaten für eine Volkszählung unterliege strengen Datenschutzregeln, betont Manuela Lenk aus dem 15-köpfigen Registerzählungsteam. Die Statistik-Bundesanstalt erhalte von den einzelnen Registern lediglich verschlüsselte Daten, statt Namen gebe es für jede Person eine 172-stellige Nummer. Eine Rückführung des von der Datenschutzkommission erstellten Algorithmus sei nicht möglich.

Detailergebnisse sind 2013 zu erwarten

Stichtag für die erste Registerzählung ist der 31. Oktober 2011, eine erste Auswertung wird es im Juni 2012 geben, ein Jahr später sollen alle Detailergebnisse vorliegen. Die Daten sind nicht nur für den Finanzausgleich verbindlich, sondern auch für die regionale Infrastruktur wie etwa die Aufteilung von Musikschulen.

Im Vorjahr ist Österreich übrigens auf 8,4 Millionen Einwohner gewachsen (siehe Grafik), am stärksten in und rund um Wien und Graz sowie in der Region um den Neusiedler See im Burgenland. Ohne Zuzug aus dem Ausland würde die Bevölkerung der Alpenrepublik schrumpfen - in Kärnten ist das als einzigem Bundesland jetzt schon der Fall. (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2011)

derStandard.at/Panorama auf Facebook

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.