"Zurzeit spüre ich nichts"

18. Februar 2011, 17:12
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Tiroler geht am Sonntag als Titelverteidiger und Außenseiter an den Slalomstart - Und mit den typischen Skifahrerleiden

Standard: Wie geht's Ihnen gesundheitlich?

Pranger: In der vergangenen Woche war es sehr schlecht. Ich war bei verschiedenen Ärzten, sie haben mir sehr weitergeholfen. Jetzt muss ich dosieren, dass ich am Sonntag fit am Start stehe. Vom Rücken her schaut's jedenfalls gut aus. Zurzeit spüre ich nichts.

Standard: Seit wann plagt Sie der Rücken?

Pranger: Der plagt mich schon lang, seit meiner Bandscheibenoperation im April 2009. Ich habe ja zwei Jahre hintereinander ziemlich hart den Knüppel spüren müssen. Zuerst, nach dem Kreuzbandriss 2008, habe ich mir vorgenommen, mich zurück in die Weltspitze zu kämpfen, bin dann sogar Weltmeister geworden, was ein Wahnsinn war. Und in dem Moment, als ich mich nach dem Weltcupfinale erholen wollte, kommt auf einmal die Diagnose Bandscheibenvorfall.

Standard: Sie sind wieder zurückgekommen. Mussten Sie Ihren Fahrstil ändern?

Pranger: Es geht einfach nicht mehr so wie früher. Ich kann nicht mehr so gebeugt fahren, weil ich die Bandscheiben wenigstens ein bisserl schonen muss. Ich bin jetzt aufrechter im Oberkörper, deshalb habe ich auch beim Material viel umstellen müssen. Da spielt viel hinein.

Standard: Sie als Slalomspezialist haben jetzt viel mehr Zeit gehabt für die Vorbereitung als die Allrounder. Haben Sie die genutzt?

Pranger: Ich hab sie brutal genutzt, ich hab sie zu viel genutzt. Ich wollte alles zerreißen, und dadurch habe ich auf meine Gesundheit vergessen. Ich habe alles probiert. Im Nachhinein muss ich sagen, es ist der falsche Weg gewesen. Ich habe mich überpowert, im Endeffekt sind die Rückenschmerzen so extrem geworden, dass ich aufhören musste.

Standard: Was ist schuld an den Rückenschmerzen? Die Skier, die Pisten, das intensive Training?

Pranger: Ich glaub, dass es vom Material kommt, aber nicht nur. Der Kreuzbandriss erforderte irrsinnige Anstrengungen, eine enorme Intensität. Ob darunter der Rücken gelitten hat, kann ich nicht sagen.

Standard: Sie sind aber kein Einzelschicksal.

Pranger: Das gibt natürlich zu denken. Die Skier sind einfach zu breit, dadurch ist zu viel Druck da. Das muss wieder weggenommen werden. Auch für die Jungen, für später. Es sind so viele Leute herum mit Rückenschmerzen und Knieproblemen. Beim Benni hat man es gut gesehen. Wenn er schmälere Ski gehabt hätte, wäre er weggerutscht, und ich glaube, dass nichts passiert wäre. Ich weiß, was jetzt auf ihn zukommt.

Standard: Was ist Ihr Rezept?

Pranger: In der Mitte müssen die Ski schmäler werden, die Standhöhe ein bisschen niedriger, dann hast du weniger Druck in der Kurve. Du musst dann mehr drübergehen, kannst dich nicht mehr darauf verlassen, dass die Ski halten. Derzeit halten sie brutal.

Standard: Sie klingen nicht sehr hoffnungsfroh, was die Titelverteidigung betrifft.

Pranger: So ist das nicht. Ich bin hierher gefahren nur mit dem im Kopf, dass ich mich auf mein Skifahren konzentriere, auf die wesentlichen Sachen. Das habe ich bei der letzten WM gemacht, und es hat gut funktioniert. Ich will ruhig, konzentriert und voller Selbstvertrauen am Start stehen. Wo ich das Selbstvertrauen bis Sonntag hernehme, werden wir sehen. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 19./20. Februar 2011)

MANFRED PRANGER (31), Tiroler aus Gschnitz im Wipptal, verheiratet, zwei Kinder. Der Slalomspezialist gewann die Klassiker in Kitzbühel, Schladming (jeweils 2005) und Wengen (2009), schmückte zwölfmal ein Weltcuppodest. Weltmeister 2009 in Val d'Isère. Im November 2010 schaffte er Platz fünf in Levi, 2011 war sein bestes Ergebnis ein zehnter Platz in Kitzbühel.

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    Pranger: "Es geht einfach nicht mehr so wie früher."

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