Weiblicher Aufputz im Porträt

18. Februar 2011, 17:35
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Katharina Döbler führt in "Die Stille nach dem Gesang" ins Innere einer Beziehung

Döbler, die Zeit-Kritikerin, Döbler, die Schriftstellerin, Döbler, die zu oft Aufzählsätze wie diesen hier verwendet. Mithilfe der auf Dauer etwas albern wirkenden stilistischen Vorliebe führt Katharina Döblers leicht lesbares, griffiges Frauenporträt "Die Stille nach dem Gesang" ins Innere einer passiven Schönen: Alexandra ist der hübsche Aufputz an der Seite des früheren Rocksängers Falk, der aus klischeehaftem Bayreuther Großbürgertum stammt. In den 80ern wird sie als junge Gesangsstudentin vom Idol ihrer Jugend aufgelesen. Ihre Beziehung zu Falk zeigt aber die dunkle Seite einer Aschenputtel-Story.

Sein Geld, seine Selbstsicherheit, seine Kultiviertheit machen sie zur Frau ohne Eigenschaften, zum "Haustier" ohne Meinung, ohne Wissen. Als Falk plötzlich stirbt, geht mit ihm auch ihr Lebensinhalt über den Jordan. Antidepressiva und die Fürsorge für ihre beiden Kinder halten sie am Laufen. Das Buch gibt damit aber keine klare Antwort auf die Frage, ob sich starke und schwache Egos glücklich ergänzen können. Einerseits sind die beiden oberflächlichen Beziehungsmenschen auf ihre Art gemeinsam glücklich. Andererseits ist sie klares Opfer seiner Dominanz und eigener Bequemlichkeit. Mit wiederkehrenden Zitaten aus dem Song "I'll be your mirror" poetisiert Döbler nicht nur die Beziehung, sondern schafft auch eine schöne Referenz an Velvet-Underground-Sängerin Nico. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, Printausgabe 19./20.2.2011)

  • Katharina Döbler, "Die Stille nach dem Gesang". € 19,50 / 272 S. 
Galiani, Berlin 2010
    foto: galiani verlag

    Katharina Döbler, "Die Stille nach dem Gesang". € 19,50 / 272 S. Galiani, Berlin 2010

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