Prothesen und Rollstühle der Zukunft werden per Gedanken gesteuert

20. Februar 2011, 18:33
16 Postings

US-Mediziner präsentierte High-Tech-Armprothese auf Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften

Washington - Menschen mit Behinderung sollen die nächste Generation von Rollstühlen und Prothesen allein über ihre Gedanken steuern können. Zu den Hilfsmitteln der Zukunft gehört auch ein Roboter, der auf Hirnsignale reagiert und für bettlägerige Patienten gedacht ist. Erste Modelle wurden dieser Tage in Washington auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) vorgestellt. Sie gilt als die größte interdisziplinäre Forscherkonferenz der Welt.

Armprothese mit Gedankensteuerung

Schon im Einsatz ist eine Prothese, die wie ein gesunder Arm "intuitiv" vom Hirn gesteuert wird. Sie wurde auf der AAAS-Tagung von dem amerikanischen Kriegsveteranen Glen Lehman vorgeführt, der 2008 im Irak seinen Unterarm verloren hatte. Der 32-Jährige sagte bei der Präsentation, dass sich die Prothese wie sein "eigener Arm anfühlt". Ihrer Bewegung seien "keine Grenzen gesetzt". 

Quelle: YouTube

Nervenenden, die früher den natürlichen Arm bewegt haben, werden bei dieser gezielt in die Brustmuskulatur eingepflanzt - und steuern von dort die High-Tech-Prothese. Der Gedanke, den fehlenden Arm zu bewegen, kommt dabei im Brustmuskel an, der sich dann zusammenzieht. Diese Information wird anschließend mit Hilfe von Elektroden an die Prothese übertragen, der künstliche Arm führt die gedachte Bewegung aus. "Der Muskel wird zum biologischen Verstärker", sagte US-Mediziner Todd Kuiken, Pionier der Technik und Forscher am Rehabilitation Institute of Chicago.

Rollstuhlsteuerung über Gehirnwellen

Der Rollstuhl der Zukunft empfängt seine Befehle über Elektroden, die die Signale vom Hirn aufnehmen. Sie sind an einer Art Badekappe befestigt, die der Rollstuhlfahrer tragen muss.

Die Technologie stammt von der Ecole Polytechnique Federale in Lausanne (Schweiz), die auch den Roboter für Behinderte entwickelt hat. Er lässt sich mit einer Kamera ausstatten, die bettlägerige Patienten kraft ihrer Gedanken in der Wohnung herumdirigieren könnten. Das gäbe ihnen die Chance, zumindest virtuell am Leben ihrer Familie teilzuhaben. (red/APA/dpa)

  • Der Irak-Veteran Glen Lehman führt auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften  in Washington seine High-Tech-Armprothese vor.
    screenshot: youtube

    Der Irak-Veteran Glen Lehman führt auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Washington seine High-Tech-Armprothese vor.

Share if you care.