Das Regime steuert die Wut

18. Februar 2011, 21:25
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Tod Mussavis, Karrubis und Khatamis gefordert

Es ist dieselbe Inszenierung wie seit Jahren. Erst sammeln sich die bestellten Massen beim Freitagsgebet, dann marschieren sie in vorgegebene Richtungen mit vorher eingeübten Parolen. Seit Montag letzter Woche müssen diese offiziellen Jubelkolonnen einen neuen Slogan einüben: "Nieder mit Mussavi, Karrubi und Khatami." Viele verlangen ihre Hinrichtung. Wenn sie vor Gericht gestellt werden, dann könnte genau das passieren. Die Opposition sieht die ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karrubi und Mir-Hossein Mussavi sowie Expräsident Mohammed Khatami in echter Gefahr.

"Die Angst sitzt dem Regime im Nacken" , meinte Karrubi, kurz bevor alle Verbindungen zu ihm abgebrochen wurden, auch Mussavi meldete sich scharf zu Wort. Beide stehen unter Hausarrest und sind isoliert.

In einer schlechten Farce behauptet das Regime, der am Montag erschossene Kunststudent Sane Jaleh sei Mitglied der Basiji-Milizen und wurde von Terroristen erschossen - was sofort von seiner Familie und Freunden dementiert wurde. Das System will offenbar verhindern, dass Sane Jaleh ein Märtyrer der grünen Bewegung wird wie die Studentin Neda, die vor eineinhalb Jahren vor laufender Kamera getötet wurde. Die Trauerzeremonie am Mittwoch in der Kunstakademie Teheran wurde zur Kundgebung gegen das Regime. Heute, Samstag, gibt es europaweit Solidaritätskundgebungen, auch in Wien, 15 Uhr, Albertina-Platz. (N. N. aus Teheran/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2011)

Der Autor bleibt aus Sicherheitsgründen anonym

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    foto: epa/abedin taherkenareh
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