Foltervorwürfe gegen ägyptische Soldaten

21. Februar 2011, 13:10
19 Postings

Während der Proteste in Kairo seien Demonstranten gefoltert worden

Amnesty International (AI) erhebt schwere Vorwürfe gegen ägyptische Militärs. Laut Michaela Klement, Pressesprecherin von AI, wurden vor dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak friedliche Demonstranten misshandelt. Diese Information hat die Menschenrechtsorganisation von zwei AI-Informanten, die Anfang Februar gemeinsam mit Journalisten und politischen Aktivisten in Kairo vom Militär festgenommen und anschließend von der Geheimpolizei verhört wurden. Sie selbst wurden während ihres Verhörs nicht gefoltert, im Nebenraum konnten sie aber Schreie hören, die vermutlich von Folteropfern ausgingen. Im Zuge ihrer Untersuchungen fanden sie heraus, dass Soldaten Gefangene mit Tritten, Peitschenhieben und Elektroschocks traktiert hätten.

Folteropfer erzählen von Misshandlungen

Ein 29-jähriger sei am 3. Februar 2011 von Soldaten in einem Anbau des ägyptischen Museums in Kairo gefoltert worden. Ein 18-Jähriger erzählte, dass er in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo verhaftet wurde. Die Soldaten brachten ihn an einen unbekannten Ort, wo sie dem Mann Ketten um die Füße wickelten und ihn anschließend hochzogen. Kopfüber wurde er immer wieder in ein Fass mit Wasser getaucht. Er sollte gestehen, dass er von Israel oder dem Iran ausgebildet worden sei. Außerdem wurde er bis zur Bewusstlosigkeit mit Elektroschocks behandelt.

"Niemand darf gefoltert oder misshandelt werden - daran wird der Reformwille des ägyptischen Militärs zu messen sein. Alle Folter-Vorwürfe müssen schnell und unabhängig untersucht, die Täter zur Verantwortung gezogen werden", so Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty Österreich.

Ägyptens Armee auf Facebook

Die ägyptischen Soldaten genießen im Gegensatz zur Polizei ein hohes Ansehen, weil sie während der Proteste keine Gewalt eingesetzt hätten. Die Armee hat nun im Internet-Netzwerk Facebook eine eigene Seite - The Pride of Egypt -  zu Ehren der Jugendlichen eingerichtet. Die Armee will damit die Kommunikation mit den Jugendlichen verbessern und die "Märtyrer der Revolution" würdigen. (red/boes, derStandard.at, 21.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Soldaten vor dem ägyptischen Museum in Kairo.

Share if you care.