Umstieg aus dem Fremdwährungskredit

18. Februar 2011, 13:08
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Heimische Bausparkassen peilen auch heuer eine Million Neuverträge an - VKI-Kritik an "Lockangeboten" zurückgewiesen

Wien - Nach dem Rekordjahr 2010 wollen die Bausparkassen auch heuer wieder mehr als eine Million Neuverträge abschließen sowie bei Einlagen und Ausleihungen erneut wachsen. Helfen soll dabei neben der im Vorjahr erhöhten Bemessungsgrundlage der Konjunkturaufschwung und die neue Gebäude-Sanierungsoffensive mit staatlichen Förderungen, erklärten die vier Bauspar-Chefs am Freitag in einem Pressegespräch.

Lösungen haben die Bausparkassen für geplagte Fremdwährungskreditnehmer parat, betonte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Institute, Raiffeisen-Bauspar-Chef Manfred Url: "Es muss jeder selbst entscheiden, ob er hier weiter Vabanque spielt. Wir bieten einen Umstieg an, können aber Verluste aus der Vergangenheit nicht ausgleichen." Franken-Kreditnehmer seien derzeit alle noch in der Verlustzone und hofften wohl, da durchtauchen zu können, erklärt sich s-Bauspar-Generaldirektor Josef Schmidinger die Zurückhaltung.

"Erfolgsstory"soll fortgesetzt werden

2010 wuchsen die Bauspareinlagen um 3,5 Prozent auf 18,709 Mrd. Euro. Fast ebenso kräftig, um 3,1 Prozent auf 17,609 Mrd. Euro legten die Bausparausleihungen zu. Die Finanzierungsleistung der Institute war jedoch noch von der infolge der Wirtschaftslage gedämpften Nachfrage nach Baugeld geprägt: Die Darlehensvergabe sank erneut - von 3,218 auf 3,127 Mrd. Euro, lag aber über dem Durchschnitt des letzten Jahrzehnts. Der Bestand an Bausparkonten legte von 5,097 Mio. auf 5,177 Mio. zu, ferner bestehen 383.391 Darlehenskonten. Beim Neugeschäft lagen die Institute mit 1,036 (1,021) Mio. Stück zum zweiten Mal über der Millionen-Grenze. Der Staat wendete 135 (155) Mio. Euro für die Bausparprämie auf, diese ist Anfang 2011 von 3,5 auf 3 Prozent gesunken. Die Prämie beträgt heuer somit bis zu 42 Euro bei der höchstmöglichen begünstigten Einzahlung von 1.200 Euro.

"Aufgrund der wieder anspringenden Konjunktur erwarten wir für 2011 eine Fortsetzung unserer Erfolgsstory", sagte ABV-Chef Erich Hackl und verwies auf die prognostizierten 2,1 bis 2,2 Prozent reales BIP-Wachstum. Die Bonität der Darlehensnehmer habe sich durch die Konjunkturerholung gebessert, die Ausfälle bewegten sich "nach wie vor auf sehr, sehr niedrigem Niveau". Er gehe davon aus, dass die Bausparleistung auch heuer weiter zulegen wird, so Hackl.

Sanierungsscheck läuft wieder an

Das Bauspar-Geschäft bei den Ausleihungen mit ankurbeln soll ab heuer die für vier Jahre geplante Neuauflage des "Sanierungsschecks". Allein heuer stünden damit privaten Haus- und Wohnungseigentümern 70 Mio. Euro an Fördermitteln zur Verfügung zur Modernisierung von Gebäuden, die älter als 20 Jahre sind, erinnerten Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer und s-Bauspar-General Schmidinger. Im Einzelfall bedeutet das bis zu 5.000 Euro Sanierungszuschuss. Wird auch die Heizung umgestellt, kommen noch bis zu 1.500 Euro dazu.

Am 1. März beginnt die Abgabefrist für die Sanierungs-Anträge, nötig sind Energieausweis und Kostenvoranschlag. Ab kommendem Montag informieren die Bausparinstitute auf ihren Homepages. Von der ersten Aktion 2009 haben 15.000 Haushalte profitiert. Viele Interessenten haben zwar die Eigenmittel, brauchen aber die Förderung als Anreiz, um wirklich ins Energiesparen zu investieren. Schmidinger schätzt, dass 10 bis 15 Prozent der Finanzierungen über die Bausparkassen laufen.

VKI-Kritik zurückgewiesen

Kritik des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) an "Lockangeboten" fürs Bausparen in den Internet-Auftritten der Kassen können die Institute nicht nachvollziehen. "Ich gehe davon aus, dass wir alle unsere Angebote richtig darstellen", sagte Riess-Passer. Und der Sprecher der Institute, Url, sicherte zu: "Wir werden uns das ansehen. Die Konditionen muss aber jedes Haus selbst verantworten." Der VKI wirft den Kassen etwa vor, sie würden mit hohen Einstiegszinsen locken, obwohl die in den Folgejahren - wegen Zinsgleitklauseln - wieder sinken würden. Wiederholt werde auf Homepages auf die Berücksichtigung der KESt vergessen, auch die Kontoführungsgebühr falle dann und wann unter den Tisch. Diese Kritik ist noch unter Verschluss und soll nächste Woche publiziert werden.

Auch das Argument zu niedriger Einlagezinsen lassen die Bausparkassen nicht gelten: "Wir leben in einer Zeit niedriger Zinsen, eben in der 'Phase 1' nach der Finanzkrise", so Schmidinger: "Dafür gibt es derzeit aber auch sehr billige Bausparkredite." (APA)

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    Die Spitzenvertreter der heimischen Bausparkassen (v.l.): Josef Schmidinger (s Bausparkasse), Susanne Riess-Passer (Wüstenrot), Manfred Url (Raiffeisen Bausparkasse) und Erich Hackl  (Allgemeine Bausparkasse).

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