Geplänkel rund um Röntgen-Tag

18. Februar 2011, 12:20
5 Postings

Österreichische Röntgenologen boten kostenlos Leistungen für Nichtversicherte an - Hauptverband ließ VKI "nachschauen"

Wien - Scharmützel zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und den österreichischen Radiologen: Am Donnerstag vergangener Woche boten Dutzende Ordinationen in Österreich Nichtversicherten kostenlos Leistungen der bildgebenden Diagnostik an. Der Hauptverband ließ den Verein für Konsumenteninformation (VKI) nachfragen, ob das auch genutzt werden konnte, und kam zu einem kritischen Ergebnis.

Der offenbare Hintergrund für das Geplänkel: Die österreichischen Radiologen kritisierten scharf die derzeitigen Pläne von Hauptverband bzw. Gesundheitsministerium, das bundesweit projektierte Mammographie-Screening nur in 20 Zentren anzubieten und ergänzende Ultraschalluntersuchungen zu reduzieren, die für die Experten als oft notwendig angesehen werden, um aussagekräftige Befunde zu erhalten. Jedenfalls wurde der VKI um einen "Untersuchungsbericht" zu der PR-Aktion der Radiologen am 10. Februar "gebeten". Die Tester riefen in 17 Praxen an, von denen sie zwölf erreichten.

99,9 Prozent krankenversichert

"Zwei Praxen hatten ein Schreiben erhalten, das Personal war aber nicht wirklich darüber informiert worden. (...) In zwei Ordinationen konnten uns die Ordinationshilfen keine Auskunft darüber geben, ob die Patienten eine Leistung ohne Überweisung in Anspruch nehmen konnten und welche Leistungen im Rahmen der Aktion angeboten wurden", lautet es unter anderem in dem Bericht des VKI. Es hätten auch nur 40 - nicht wie angekündigt 45 Ordinationen - an dem Angebot für Nichtversicherte teilgenommen. Allerdings, bei um die 99,9 Prozent Krankenversicherten in Österreich (E-Card) gibt es wohl kaum hohen Bedarf an solchen Leistungen ohne Krankenversicherung.

Die Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG) ließ das nicht auf sich sitzen. "Generell verwundert es die ÖRG, dass der Hauptverband Interesse hatte, eine Wohltätigkeits-Aktion einer kleinen Gruppe von Medizinern, die das in ihren privaten Ordinationen anbieten, schlecht zu machen oder zu sabotieren - die Aktion war Teil eines größeren Projektes, nämlich des 'First European Day of Radiology', der von der europäischen Dachgesellschaft (European Society of Radiology) ausgerufen und in 19 Ländern gefeiert wurde - die ÖRG und die österreichischen Radiologen haben hierzu ihren Beitrag geleistet", hieß es in einer Stellungnahme. Glücklicherweise sei in Österreich die Situation so gut, dass nur wenige Menschen derartige Hilfsangebote in Anspruch nehmen müssten.

Von einem speziellen Ereignis am Röntgen-Tag berichtete Franz Frühwald, Fachgruppenobmann der Radiologen in der Österreichischen Ärztekammer mit Ordination in St. Pölten: "Da hat jemand in der Ordination angerufen und wollte eine kostenlose Computertomographie der Koronargefäße (Herzkranzgefäße, Anm.). Die wolle er nicht über die Krankenversicherung durchführen lassen, meinte der Mann. Eine solche Koronar-CT ist keine Kassenleistung." Als die Ordinationshilfe rückrief - so Frühwald -, stellte sich die Telefonnummer als jene des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger in Wien heraus. (APA)

Share if you care.