Sozialminister sieht sich druch IHS bestätigt: "Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters hat oberste Priorität"
Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) will das
tatsächliche Pensionsantrittsalter in den nächsten 15 Jahren um
eineinhalb Jahre erhöhen. Der "maßgebliche Hebel zur nachhaltigen
Sicherung der Pensionen" ist für Hundstorfer das tatsächliche
Pensionsantrittsalter. "Bis 2025 müssen wir eineinhalb Jahre 'älter'
werden, dann sind die Pensionen gesichert", sagte der Sozialminister
am Freitag in einer Aussendung.
Hundsorfer reagiert positiv auf die Forderung des IHS, das Pensionsantrittsalter zu heben. "Die Vorschläge des IHS und WIFO, das tatsächliche Pensionsantrittsalter durch berufliche Rehabilitation anzuheben, bestätigen die Maßnahmen, die wir im Budgetbegleitgesetz getroffen haben", so Hundstorfer am Freitag in einer Aussendung. "Die Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters hat oberste Priorität", betonte der Minister.
Er verwies auf beschlossene gesetzliche Maßnahmen - die verpflichtende Rehabilitation vor Pension, fit2work, die Gesundheitsstraße sowie die Verschärfung des Berufsschutzes - von denen er eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung im Alter erwartet. "Auch bei der Langzeitversichertenregelung haben wir im Rahmen des verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutzes zur Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters beigetragen." Der Rat des IHS, auf skandinavische Vorbilder zu setzen, komme zu spät, so Hundstorfer. "Das Arbeits-und Gesundheitsgesetz, das die skandinavische Handschrift trägt und auf österreichische Gegebenheiten zugeschnitten wurde, ist längst beschlossen", sagte der Sozialminister.
Hundstorfer verwies auch darauf, dass im Sozialministerium eine Arbeitsgruppe der Sozialpartner tage, um Möglichkeiten für Anreizsysteme zu einem längeren Verbleib im Arbeitsleben zu finden. "Auch in diesen Gesprächen setzen wir auf den skandinavischen Weg", so der Sozialminister.
"Panikmache ohne sachliche Grundlage"
Die Arbeiterkammer hat am Freitag heftige Kritik am IHS geübt, das
am Vortag eine raschere Anhebung des Pensionsalters gefordert hatte.
Alice Kundtner, Bereichsleiterin für Soziales in der AK Wien, sprach
in einer Aussendung von einer "Panikmache ohne sachliche Grundlage".
Sie kritisierte, dass das IHS an seinem pessimistischen
Langfristszenario vom September des Vorjahres festhalte, obwohl das
WIFO inzwischen bestätigt habe, dass die der Oktoberprognose 2010
zugrunde gelegten Annahmen viel zu pessimistisch angesetzt wurden.
Nach Schätzungen der AK ergeben sich auf Basis der WIFO-Prognose
allein im Bereich der Pensionsversicherung der Unselbstständigen 2015
um rund 760 Millionen Euro niedrigere Bundesbeiträge als in der
Mittelfristprognose vom Oktober 2010. (red, derStandard.at, 18.2.2011)