Doktor Guttenberg soll noch mehr kopiert haben

17. Februar 2011, 23:21
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Internetnutzer finden immer neue Textstellen – auch in US-Botschaft und Reiseführer

Berlin- In Deutschland gibt es einen neuen Sport: Wer findet am schnellsten in der Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Passagen, die nicht korrekt zitiert wurden und somit gegen akademische Regeln verstoßen? Mittlerweile ist nicht mehr von neun, sondern von rund 20 Textstellen die Rede, bei denen der Verteidigungsminister offenbar nach der Methode "copy und paste" vorgegangen ist, aber die Quelle nicht angegeben hat.

Im Internet werden die Stellen bereits akribisch zusammengetragen. Die Plagiatsjäger nennen ihre neue Seite, auf der jeder mitmachen und einstellen kann, "GuttenPlag" und erklären sie zur "kritischen Auseinandersetzung mit Karl-Theodor Freiherr zu Guttenbergs Dissertation 'Verfassung und Verfassungsrecht'".

Offenbar hat sich Guttenberg auch beim Innsbrucker Rechtsprofessor Waldemar Hummer bedient, ebenso bei der deutschen Webseite der US-Botschaft und in einem Reiseführer über Alaska.

Ministerin fordert Aufklärung

Deutschlands Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnt vor Vorverurteilungen, mahnt jedoch gleichzeitig eine rasche Aufklärung der Angelegenheit an. Das bayerische Wissenschaftsministerium sieht keinen Grund für Ermittlungen, sondern verweist auf die Universität Bayreuth, wo bereits eine Untersuchung eingeleitet worden ist. Die Universität hat Guttenberg zur Stellungnahme aufgefordert. Bisher warb sie sogar mit einem Video von Guttenberg für sich. Darin erklärt der Minister, dass sich Jus-Studenten "fraglos" für Bayreuth entscheiden sollen.

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Emnid, Klaus-Peter Schöppner, sieht Gutenbergs Amt wackeln: "Die wichtigste Politikereigenschaft ist das Vertrauen. Wer das verspielt, hat ein Problem." Guttenberg selbst flog am Donnerstag überraschend nach Afghanistan. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2010)

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