Der moderne König mit dem ruinierten Ruf

17. Februar 2011, 23:13
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Bahrains Herrscher Hamad bin Isa Al Khalifa

So schnell ist der gute Ruf ruiniert. König Hamad bin Isa Al Khalifa, der Herrscher Bahrains, hatte etwas aufzuweisen, was bei arabischen Staatsoberhäuptern sonst eher nicht vorkommt: Lob von Amnesty International. 2001 wurden von der Menschenrechtsorganisation die klaren Fortschritte bei politischen Reformen auf dem Weg zu einem partizipatorischen System angemerkt. Mit dem Tod etlicher Demonstranten seit Beginn der Proteste nach ägyptisch-tunesischem Vorbild ist dieses Guthaben aufgebraucht.

Hamad, seit kurzem 61 Jahre alt, ist ein relativ junger König, in dem Sinn, dass er sich 2002 selbst dazu machte. Davor war er drei Jahre lang Emir von Bahrain, des Staates Bahrain, wie er damals hieß. Die Familie Khalifa regiert in Bahrain seit 1820, ihr Stamm, die Bani Utbah, hatte in der Schlacht von Zubara 1782 den persischen Statthalter besiegt. Bahrain wurde mit dem "Perpetual Truce of Peace and Friendship" 1861 Teil des "informellen" britischen Reiches am Persischen Golf, nach dessen Ende 1968 sollte die Insel eigentlich Teil der Arabischen Emirate werden, blieb dann aber allein.

1971 war das Jahr der Unabhängigkeit - und genau so lange ist auch der Ministerpräsident Prinz Khalifa, ein Onkel des Königs, im Amt. Erstarrt war Bahrain dennoch nicht: Vor allem die Einführung eines (machtlosen) Unterhauses, wo die Bahrainer ein bisschen Demokratie spielen durften, wurde positiv vermerkt. Auch was Frauenrechte betrifft, war Bahrain anderen am Golf voraus.

Am Mittwoch telefonierte der König mit Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh, gegen den ja auch demonstriert wird - und sie waren sich einig, dass die Proteste von außen gesteuert seien. Damit ist natürlich der Iran gemeint, der im Jemen die zaiditisch-schiitische Revolte, in Bahrain die schiitischen Demonstranten anstiften soll, die politische und wirtschaftliche Gleichstellung verlangen. Über Wikileaks weiß man, dass der König von den USA ein hartes Vorgehen gegen Teheran im Atomstreit verlangte.

Gemäß dem Umfeld, in das er geboren wurde, besuchte Hamad bin Isa Al Khalifa in Großbritannien die Schule in Cambridge und die Militärakademie in Sandhurst, dazu kam danach noch eine militärische Ausbildung in den USA. Er hat, wie es sich gehört, vier Frauen und mindestens zwölf Kinder. Auch seine Hobbys liegen für einen Golfherrscher auf der Hand: die Falknerei, Pferde, Fischen. Golf, Tennis und Fußball. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2011)

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