Regierung setzt auf allergrößte Härte

17. Februar 2011, 22:19
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Sicherheitskräfte überraschten Demonstranten im Schlaf, mehrere Tote

Manama - Am Donnerstag um drei Uhr morgens stürmten Sicherheitskräfte das Zeltlager der Regierungsgegner am Perlenplatz in Manama, Bahrains Hauptstadt. Mit Tränengas, Baseballschlägern und Gummigeschoßen gingen sie auf die zumeist schlafenden Menschen los. Laut Behörden kamen drei Menschen ums Leben, 231 wurden zum Teil schwer verletzt. Internationale Medien berichteten jedoch von sechs Toten, die Opposition spricht außerdem von 60 Vermissten, darunter Kinder.

"Polizisten haben versucht, die Rettungswägen am Vorankommen zu hindern, Ärzte und Sanitäter sind von den Sicherheitskräften bedroht worden" , schilderte Mohammed Al-Maskati, Präsident der Bahrain Youth Society for Human Rights, die Situation im Gespräch mit dem Standard.

Die öffentlichen Spitäler hätten die Order aus dem Gesundheitsministerium erhalten, keine Demonstranten aufzunehmen - Privatkrankenhäuser hätten daraufhin ihre Pforten für die Regierungsgegner geöffnet. "Blutkonserven waren bald Mangelware, Straßensperren haben es den Spendern nicht leicht gemacht durchzukommen" , erzählt Al-Maskati. Fotos, die brutale Verletzungen zeigen, kursierten im Internet. "Die Regierung hat die Internetgeschwindigkeit gedrosselt, um das Verbreiten weiterer Bilder zu verhindern," so Al-Maskati.

Das Weiße Haus und die Uno forderten ein sofortiges Ende der Gewalt, US-Außenministerin Hillary Clinton verlangte "echte" Reformen. In Manama ist die amerikanische 5. Flotte stationiert. Das Formel-1-Rennen in Bahrain am 13. März könnte abgesagt werden. Für Freitag sind weitere Proteste angekündigt. (red, juh/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2011)

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