Umschichtung in der Gelehrtengesellschaft

17. Februar 2011, 19:26
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Deutscher Pharma-Manager vor Wechsel in die Akademie der Wissenschaften

Wien - In der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) stehen die Zeichen weiterhin auf Veränderung: Nach den Hearings der vergangenen Wochen soll, wie der STANDARD in Erfahrung brachte, ein Kandidat für den neu geschaffenen Posten des kaufmännischen Leiters der Akademie den besten Eindruck gemacht haben: Der 47-jährige Manager Peter Lotz aus Darmstadt kann Erfahrungen im Pharma-Bereich (Novartis) vorweisen. Die ÖAW soll so mehr als in der Vergangenheit wie ein modernes Forschungsunternehmen und nicht mehr nur als Gelehrtengesellschaft geführt werden. Dazu wird es auch "Leistungsvereinbarungen" zwischen dem Hauptgeldgeber Wissenschaftsministerium und der Akademie geben.

Das Budget der Akademie wurde zuletzt laut ihrem Generalsekretär Arnold Suppan für 2011 auf 98 Millionen (allerdings inklusive Nationalstiftung) erhöht. Zuletzt waren es 87 Millionen (ohne Nationalstiftung). Dass viele Wissenschafter in der ÖAW nicht jubeln, liegt wohl auch an der angekündigten inhaltlichen Schwerpunktsetzung - wodurch Geld umgeschichtet werden muss. Dieser vom Wissenschaftsministerium vorgegebene Schritt wird vor allem die Life-Sciences stärken, also das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA), das Gregor-Mendel-Institut und das Zentrum für Molekulare Medizin.

Das IMBA erhalte 2,5 Millionen Euro mehr Budget als in der Vergangenheit. Es werde in jedem Fall zu Kürzungen bei einigen Instituten kommen. Schließungen seien ebenfalls in Planung, sagt Suppan.

Die Kürzungen betreffen nicht nur geisteswissenschaftliche Forschung. Auch das Institut für Hochenergiephysik wird mit weniger Budget auskommen müssen. Das renommierte Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) muss keine Kürzung fürchten. Damit reagiere man auch auf ein konkretes Angebot aus den USA an den Tiroler Physiker Peter Zoller, der sonst abgewandert wäre. Auch IMBA-Direktor Josef Penninger wäre ohne Budget-Plus ins Ausland gegangen. Er hatte ein Professurangebot aus Australien vorliegen. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 18.02.2011)

 

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