"Es ist ein brutaler Sport"

17. Februar 2011, 19:05
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Coach Mathias Berthold würde angesichts der Verletzungsserie im österreichischen Herrenteam "am liebsten davonspringen". Die Ursachen seien aber in Ruhe zu analysieren

Standard: Es wird schon vom bösen Fluch gesprochen, der auf der österreichischen Mannschaft liegt. Was halten Sie davon?

Berthold: Ich kann keine Gesetzmäßigkeit dahinter erkennen. Außer der, dass es immer uns erwischt. Vom Fluch halt ich nicht viel. Natürlich überlegt man, was es sein könnte.

Standard: Sind die Belastungen zu hoch?

Berthold: Sicher sind sie hoch. Aber dann schau ich mir die Konditionswerte von den Jungs an, und die sind der absolute Hammer. Sie sind in einer gewaltigen konditionellen Verfassung. Und durch die dauernden Gespräche mit ihnen weiß ich, dass sie punkto Moral auch absolut top sind. Es ist im Moment schwierig, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Die Ursachen der Unfälle sind ja unterschiedlich.

Standard: Wie gehen Sie persönlich damit um? Gibt es Momente der Verzweiflung?

Berthold: An mir persönlich nagt das unheimlich. Ich würde am liebsten davonspringen, wenn ich daran denke. Aber das nützt nichts, man muss kühlen Kopf bewahren. Man muss jenen, die sich verletzt haben, möglichst viel Stärke geben, und jenen, die jetzt fahren, Motivation und Selbstvertrauen. Diese Mannschaft hat in den vergangenen Wochen bewiesen, dass sie Herz hat. Darauf bin ich stolz.

Standard: Die Materialdiskussion ist wieder entflammt. Manche behaupten, die Skier müssen schmäler und länger werden.

Berthold: Klingt einfach, aber ganz so einfach ist es nicht. Es muss sicher etwas gemacht werden, aber jetzt beteilige ich mich nicht an dieser Diskussion, ich habe andere Prioritäten. Ich werde mich im Frühjahr einbringen, wenn Zeit dazu ist, in Ruhe zu analysieren.

Standard: Was trauen Sie der Mannschaft noch zu?

Berthold: Wir haben natürlich an Stärke verloren, aber wir haben immer noch ein gutes Team. Philipp Schörghofer hat den Riesenslalom in Hinterstoder gewonnen, Romed Baumann, der das Podest in der Abfahrt knapp verpasst hat, ist sehr motiviert. Und Stephan Görgl kann locker drauflos fahren, er hat jetzt eine Chance, an die er nicht mehr geglaubt hat. Jede andere Mannschaft auf der Welt würde bei so einer Verletzungsserie bei den Topathleten nicht mehr existent sein.

Standard: Die Rückenschmerzen ziehen sich auch durch. Früher waren speziell die Slalomfahrer betroffen, jetzt plagt beispielsweise Cuche oder Görgl das Kreuz, Raich hat seit Jahren damit zu tun?

Berthold: Es ist ein brutaler Sport.

MATHIAS BERTHOLD (45), Exrennläufer aus Gargellen in Vorarlberg, ist seit Oktober 2010 Cheftrainer des österreichischen Herrenteams

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