ElBaradei: Armee weiß nicht, wie man ein Land führt

17. Februar 2011, 18:45
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Nobelpreisträger: "Wir brauchen Regierung der nationalen Einheit und nicht eine Mubarak-Regierung"

Kairo - Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei hat gegenüber der Armee Vorbehalte, die nach dem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak die Macht in seinem Land übernommen hat. "Ich stehe ihr kritisch gegenüber, weil sie bisher nicht genug getan haben, das ist auch nicht ihr Job. Sie wissen nicht, wie man ein Land führt", sagte der Oppositionspolitiker und frühere Chef der internationalen Atomenergiebehörde IAEO laut Vorausmeldung im Interview mit der "ZiB" des ORF am Donnerstag.

ElBaradei kritisierte, dass das Militär das Volk bisher nicht einbezogen habe. "Nach der Übergangsphase brauchen wir eine Regierung der nationalen Einheit und nicht eine Mubarak-Regierung, die immer noch an der Macht ist."

"Haus bauen"

"Wir müssen ein neues Haus bauen", sagte ElBaradei über die Situation in Ägypten. "Es wird zweifellos Rückschläge und Fehler geben, es ist wie ein Kind, das gehen lernt. Genau da sind wir jetzt, lernen, wie wir uns selbst organisieren müssen, den radikalen Wandel machen von einem autoritären, brutalen Regime zu einer Demokratie." Deswegen sei diese Übergangsphase sehr entscheidend, "weil wir müssen ein Haus mit festen Säulen bauen".

Diese Phase werde mindestens ein Jahr dauern. "Wir sollten nicht auf rasche Wahlen drängen." Denn dann würden nur jene organisierten Gruppen und Parteien profitieren, die es bereits gibt. "Aber die schweigende Mehrheit hat noch nie am politischen Prozess teilgenommen und würde dann auch keine faire Chance haben, jetzt ihre Meinung bei repräsentativen Wahlen ausdrücken."

Zu den Gerüchten, dass Mubarak in einem Wiener Spital sein könnte, sagte ElBaradei, der selbst eine Wohnung in Wien hat: "Ich hoffe nicht, dass er mein Nachbar sein könnte, wenn ich wieder zurück in Wien bin. Aber ich habe davon nichts gehört. Mubarak ist jetzt Geschichte, er ist krank, er ist alt. Wir sollten um ihn nicht mehr besorgt sein." (APA)

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